Wolfwil
«Der Staatsanwalt wird sich bestimmt bald melden»

Christian Kühni war in Wolfwil 34 Jahre im Einwohnergemeinderat, die letzten 12 Jahre als Gemeindepräsident. Er sei gerne Gemeindepräsident gewesen und würde wohl alles wieder so machen, wie ich es getan habe. Unzufrieden ist er in Sachen Steuerpranger.

Erwin von Arb
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Das Biotop in Wolfwil gehört zu den Lieblingsplätzen von Christian Kühni.

Das Biotop in Wolfwil gehört zu den Lieblingsplätzen von Christian Kühni.

Erwin von Arb

Dass er Ende April wegen des nicht befriedigenden Resultats bei seiner Wiederwahl in den Gemeinderat per sofort zurückgetreten ist, findet Christian Kühni auch zweieinhalb Monate später die richtige Entscheidung, wie er darauf angesprochen erwähnt. Für Gemeindevizepräsident Renato Kissling sei es vielleicht etwas hart gewesen, die Gemeinde bis zur Einsetzung des neuen Gemeindepräsidenten Georg Lindemann zu führen. Nun sei aber auch diese sicher nicht immer einfache Zeit überstanden.

Kühni stand 34 Jahre im Dienste des Einwohnergemeinderates, die letzten 12 Jahre als Gemeindepräsident. 2001 übernahm er das Präsidium von Rolf Büttiker, nachdem der Kantonsrat entschieden hatte, dass auch Primarlehrkräfte in ihrer Dienstgemeinde das Gemeindepräsidium bekleiden dürfen.

1968 war Kühni als Lehrer ins Dorf gekommen und unterrichtete während 35 Jahren die 5./6. Klasse sowie weitere sieben Jahre, bis zu seiner frühzeitigen Pensionierung im Jahr 2010 im Alter von 62 Jahren, die 3./4. Klasse. Parallel dazu gab er während 17 Jahren wöchentlich zwei Lektionen Biologie an der Bezirksschule in Wolfwil. Mit einer Affinität zur Natur bereitete ihm dieser Unterricht besondere Freude. «Die Natur war schon immer mein Lieblingshobby», sagt Kühni.

Nicht zuletzt deshalb war es ihm auch als Gemeindepräsident stets ein Anliegen, sich für die Erhaltung der wertvollen und natürlichen Landschaft rund um das Dorf einzusetzen. Das mache schliesslich die Wohnqualität in Wolfwil aus. Als ein wichtiges Instrument erachtet Kühni rückblickend das Leitbild, in welchen festgelegt worden sei, in welchem Ausmass Dorf und Industriezone wachsen sollen. «Dass wir uns im Interesse dieses Gleichgewichts immer wieder gegen den Ausbau der Aarebrücke zwischen Fulenbach und Murgenthal ausgesprochen haben, ist nur logisch.»

Ein wenig stolz mache ihn, wenn er durch das Dorf mit seinen schönen Gebäuden gehe. Dazu habe nicht zuletzt auch die Einwohnergemeinde beigetragen, welche ihre Liegenschaften, wie etwa die Schulhäuser, stets im Schuss halte. Wichtige Beiträge haben in diesem Bereich auch die Kirchgemeinde und Bürgergemeinde geleistet, findet Kühni. «Und die Hausbesitzer haben sich davon offenbar auch inspirieren lassen.»

Erwähnenswert findet Kühni den in seine Amtszeit gefallenen Bau des neuen Kindergartens. Auf politischer Ebene ausbezahlt habe sich das ab 2001 konsequent umgesetzte Ressortsystem im Gemeinderat. Das habe Wolfwil in vielen Belangen wirklich vorangebracht. Als wichtig stuft Kühni ferner die Beteiligung der Gemeinde am Smaragd-Gebiet Oberaargau ein. «Dieses Projekt werde ich sicher mit Interesse verfolgen, und wenn man mich um Mithilfe bittet, auch gerne weiterhin tatkräftig unterstützen.»

Gute Erinnerungen verbindet Christian Kühni mit der Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu (GPG), wo er 2005 den Vorsitz übernahm. Der einstige Debattierklub hat sich inzwischen zu einer veritablen Organisation mit Vereinsstrukturen gewandelt. Als Koordinationsstelle geniesst die GPG heute in der Region sowie bei den kantonalen Stellen ein hohes Ansehen. «Wir werden als Verhandlungspartner ernst genommen», sagt Kühni nicht ohne Stolz.

Klar nicht erreicht habe er hingegen, in Wolfwil die Schuldscheine von notorischen Steuersündern einzutreiben und dass sich solche Leute nicht mehr länger hinter dem Datenschutz verstecken könnten. In dieser Sache habe ihm vor allem die Unterstützung des Kantons gefehlt. Das Vorgehen der Egerkinger Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi findet Kühni richtig. «Schade, dass Wolfwil klein beigegeben hat.»

Christian Kühni rechnet damit, dass die Staatsanwaltschaft auch schon bald mit ihm in Kontakt treten wird. Schliesslich habe er die an die Steuerschuldner verschickten Briefe zur Einforderung der ausstehenden Beträge visiert. Bei einer allfälligen Verurteilung könne er aber auf den Schutz, den ihm der Staat aus datentechnischen Gründen gewähre, verzichten. «Man kann mich als Täter ruhig beim Namen nennen.»

Rückblickend überwiegen bei Kühni in Bezug auf seine 12-jährige Amtszeit die positiven Eindrücke, wie er betont. «Ich war gerne Gemeindepräsident und würde wohl alles wieder so machen, wie ich es getan habe.»

Langweilig ist es ihm seit seiner Demission noch nicht geworden. Im Gegenteil: Der 65-Jährige geniesst die nun üppiger zur Verfügung stehende Zeit, um täglich mit seinem Hund durch die Natur zur streifen oder mit seiner Frau Doris auf Reisen zu gehen. Dieses Jahr geht es nach Schottland, auch um dort vielleicht eine neue Whiskysorte zu entdecken, mit der die hauseigene Sammlung mit aktuell 93 Sorten erweitert werden könnte.

Politisch hat sich Kühni zurückgezogen, wie er dazu bemerkt. Sein Stimm- und Wahlrecht werde er aber auch in Zukunft aktiv wahrnehmen. Und wenn kein Wahlwochenende ansteht, frönt er dem Golfsport, dem er seit Jahren leidenschaftlich im Elsass nachgeht.