Thal
Der Sonntag ist für Thaler Restaurants doch nicht überall passé

Einige Beizen bleiben sonntags geschlossen, läuft das Geschäft am Wochenende nicht mehr? Ein Blick auf die Beizenlandschaft zeigt, dass es sich für einige Betriebe überhaupt nicht lohnt, offen zu haben. Andere machen hingegen dann ihr Hauptgeschäft.

Sven Altermatt
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Der Matzendörfer «Sternen» (re.) bleibt seit einiger Zeit am Samstag geschlossen. Der «Hirschen» in Welschenrohr ist sogar sonntags geschlossen – aus privaten, nicht aus wirtschaftlichen Gründen.

Der Matzendörfer «Sternen» (re.) bleibt seit einiger Zeit am Samstag geschlossen. Der «Hirschen» in Welschenrohr ist sogar sonntags geschlossen – aus privaten, nicht aus wirtschaftlichen Gründen.

Hansjoerg Sahli

Sonntag ist Familientag. Es gilt, die verpasste Gemeinsamkeit der vergangenen Woche wettzumachen. Beste Voraussetzungen also, um gemütlich in einem Restaurant einzukehren – könnte man meinen. Gleich drei Thaler Restaurants haben den Sonntag kürzlich zu ihrem Ruhetag erklärt. Die Balsthaler «Eintracht» ist eines davon. Seit letztem Frühling ist die Wirtschaft an der Goldgasse nicht mehr montags, sondern sonntags geschlossen.

«Es hat sich nicht mehr gelohnt, dann zu öffnen», erklärt Magdalena Kunz. Sie führt mit ihrem Mann Marcel die, wie sie sagt, «klassische Beiz» seit bald zehn Jahren. Natürlich habe es auch gute Sonntage gegeben, betont die Wirtin. «Aber oft warteten wir stundenlang auf Gäste.» Kunz vermutet, dass viele am Sonntag einen Ausflug unternehmen und das Thal hinter sich lassen.

Auch der «Sternen» in Matzendorf bleibt seit einiger Zeit am Sonntag zu. «Wir erzielten weniger Umsatz als an den anderen Tagen», berichtet Geschäftsführerin Sandra Müller. Sie führt die sonntägliche Flaute ebenfalls darauf zurück, «dass der Familientag gerne für Ausflüge genutzt wird». Immerhin: Geschlossene Gesellschaften werden im Matzendörfer «Sternen» und in der Balsthaler «Eintracht» am Sonntag nach wie vor bewirtet.

Andere Erfahrungen

Ziehen die Thaler den Ausflug in die Ferne dem Sonntagsbraten in der Dorfbeiz vor? Dorothea Müller vom «Reh» in Herbetswil mag dies nicht bestätigen. «Für uns sind die Wochenendtage sehr wichtig», sagt die Wirtin, die das Traditionsrestaurant mit ihrem Mann Ueli um eine Forellenzucht und ein «Seeli» erweitert hat. Dieses Angebot habe, vermutet Müller, bestimmt Einfluss auf die Gästezahlen.

Holderbank: Die «Forelle» wird Ende Jahr geschlossen

In Holderbank stellt die «Forelle» Ende Jahr ihren Betrieb ein. «Das Geschäft lohnt sich nicht mehr», berichtet Wirt Otto Steiner ernüchtert. Gemeinsam mit seiner Frau Karin führt und besitzt er den Landgasthof seit über 20 Jahren. Immer strengere Vorschriften– «man kann heute ja kaum mehr etwas trinken, ohne gleich an der nächsten Ecke von der Polizei kontrolliert zu werden» – hätten dem Restaurant zu schaffen gemacht und Gäste vergrault. Steiner glaubt, dass es für Beizen in ländlichen Gegenden immer schwieriger wird, über die Runden zu kommen. Er prophezeit eine düstere Zukunft: «Plötzlich gibt es einen grossen Knall und ein paar Restaurants sind verschwunden.» Die Steiners werden weiterhin im zur «Forelle» gehörenden Haus wohnen, eine Verpachtung des Gastraums ist nicht geplant. Otto Steiner sucht sich einen neuen Job. «Das ist nicht so einfach mit 50 Jahren», weiss er. (sva)

Doch auch ohne solche Attraktionen scheint der Sonntag für Wirte nach wie vor attraktiv. In Laupersdorf bestätigen sowohl Peter Bader von der «Krone» als auch Robert Koch von der «Sonne», dass der siebte Tag für sie einen hohen Stellenwert habe. Und Chantal Bieli vom «Schlüssel» in Aedermannsdorf meint gar: «Wir könnten am Wochenende niemals schliessen, dann läuft unser Hauptgeschäft.» Gerade der Sonntagmittag sei bei Gästen sehr beliebt.

Bielis Aussage würde im «Hirschen» in Welschenrohr wohl niemand unterschreiben. Schliesslich hat man sich hier für eine Radikalvariante entschieden, das Restaurant bleibt seit Mitte November das ganze Wochenende über geschlossen. Doch Wirt Jörg Allemann winkt ab: «Am Samstag und am Sonntag kehrten bei uns stets viele Gäste ein.» Private Gründe hätten ihn aber gezwungen, ausgerechnet an diesen Tagen nicht zu öffnen. Ein Ruhetag am Wochenende sei noch nie zur Diskussion gestanden, erklärt Peter Läuffer vom «Kreuz», der zweiten Wirtschaft in Welschenrohr. «Dafür ist dieses viel zu attraktiv.»

«Immer voll»

Wer in Balsthal nach dem Sonntagsspaziergang spontan einkehren möchte, stösst bei der «Eintracht» auf verschlossene Türen. Zwar ist auch im «Kreuz», das wenige Schritte entfernt liegt, der Ruhetag auf den Sonntag gelegt worden. Dafür ist das Schwester-Restaurant «Kornhaus» täglich bis abends spät geöffnet. Und auch die anderen Restaurants im Bezirkshauptort bewirten sonntags Gäste.

«Am Sonntag ist das Haus immer voll», sagt Sonja Allemann vom «Ochsen» in Mümliswil, wo Gäste zum Wochenausklang auch im «Kreuz» und – noch bis Ende Jahr – in der «Limmernschlucht» einkehren können.

In Holderbank buhlen am Sonntag gar alle vier Restaurants um Gäste – noch. Die «Forelle» nämlich wird Ende Jahr komplett dichtgemacht (siehe rechts). Immerhin: Die «Eintracht» und das «Kreuz» haben den ganzen Tag über geöffnet, der «Schindlegrill» ab 18 Uhr.

Es lebe der Sonntag

Obwohl einige Thaler Restaurants am Sonntag geschlossen haben, ist dieser in der lokalen Gastroszene alles andere als passé. Weder bei Restaurants mit höheren Ansprüchen noch bei typischen Dorfbeizen mit Schnipo und Bratwurst. Natürlich könne es vorkommen, bestätigen die angefragten Gastgeber unisono, dass an einem Sonntag während ein paar Stunden nichts los sei.

«Aber die Warterei ist halt eine Krux des Wirtens», meint Peter Bader von der Laupersdörfer «Krone». Unter der Woche gebe es ja auch flaue Phasen. Abends etwa, bevor zu später Stunde noch ein Verein zum Umtrunk vorbeischaut.