Egerkingen

Der Schulmeister, als es noch keine Schule gab

Dieses Haus an der Domherrenstrasse diente von 1814 bis 1906 als Schulhaus.

Dieses Haus an der Domherrenstrasse diente von 1814 bis 1906 als Schulhaus.

Vor 200 Jahren war der nur wenige Wochen dauernde Schulunterricht für die Kinder im Dorf noch nicht obligatorisch.

Das Leben des Schullehrers Jakob Hüsler von Egerkingen verlief unspektakulär. In seiner Zeit vor etwas mehr als 200 Jahren aber fällt ein Ereignis, das einerseits die Schweiz hätte verändern können, anderseits für das Dorf aufschlussreich ist.

Es war die Zeit, als noch nicht alle Kinder in die Schule gehen mussten. Und für jene die gingen, dauerte die Schulzeit nur wenige Wochen pro Jahr. Die Ausbildung der Lehrer dauerte nicht länger. Arme Familien konnten ihre Kinder nicht in die Schule schicken, weil sie das Schulgeld nicht bezahlen konnten. Weil vom herrschenden Regime nicht viel zu erwarten war, stagnierte die Bildung weitgehend. Endlich, Ende des 18. Jahrhunderts, sollte mit der Aufklärung und der Französischen Revolution das Problem aktuell werden.

Reform des Bildungswesens

Zwischen 1798 und 1803 war die Schweiz mit der Helvetischen Republik erstmals ein einheitlicher Staat. Das war für das von Frankreichs Gnaden eingesetzte Direktorium die Gelegenheit, auch das Bildungswesen in der Schweiz zu reformieren und zu vereinheitlichen. Die neuen Herren gingen energisch an die Arbeit.

Mit der Reform der Schule wurde der 1766 in Bern geborene Theologieprofessor Philipp Albert Stapfer beauftragt. Die Grundlage für die Arbeit sollte eine Erhebung in Form eines Fragebogens liefern. Zu diesem Zwecke wurden 2900 Bogen in der ganzen Schweiz versandt. 2400 kamen ausgefüllt zurück. Der Bogen von Egerkingen füllte Lehrer Jakob Hüsler aus. Er war von 1788 bis 1803 Schulmeister.

Der Fragebogen war aufgeteilt in vier Kategorien. Die Antworten sollten Aufschluss geben über die Ortsverhältnisse, den Umfang des Unterrichtes, die persönlichen Verhältnisse und Ausbildung des Lehrers und wie und aus welchen Quellen die Lehrer entlöhnt werden.

Als 20-Jähriger Lehrer geworden

Bei der neun Jahre später erfolgten Volkszählung 1808 hatte Egerkingen 606 Einwohner. Zur Normalmethode im Kanton Solothurn gehörten Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion. Über das Alter der Schüler und die Anzahl der Schuljahre gibt es keine Angaben. Jakob Hüsler war 20 Jahre alt, als er mit dem Unterricht begann. Im Kloster Fischingen hat er wohl die elementarsten Kenntnisse geholt. Die Gemeinde war offensichtlich mit ihm zufrieden und schickte ihn 1792 auf ihre Kosten zur weiteren Ausbildung in einen sechs Wochen dauernden Kurs ins Waisenhaus Solothurn.

Während seiner kurzen Lebzeit von 35 Jahren wohnte Hüsler im Haus gleich neben der Kirche. Dort, wo später gleich daneben im Jahr 1814 das Schulhaus gebaut wurde. Hüsler war gleichzeitig Schullehrer, Kirchensigrist und Bauer. Weil die Schulzeit nur etwa vier Monate während der Winterzeit dauerte, war der Betrieb einer kleinen Landwirtschaft für den Unterhalt einer Familie auch für einen Lehrer notwendig.

Der von Philipp Albert Stapfer gestützt auf die Umfrage vorgelegte Gesetzesentwurf für eine vereinheitlichte Schule wurde vom helvetischen Senat verworfen. Die fortschrittliche Idee scheiterte an der Rückständigkeit und Engstirnigkeit von Politik und Behörden. So war mit dem Ende der Helvetik 1803 auch die Vereinheitlichung des Schulsystems am Ende.

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