Schönenwerd / Zürich

Der Schönenwerder Amokfahrer soll für 15 Jahre hinter Gitter

Vor dieser Bar ist der Schönenwerder Ende 2012 in eine Menschengruppe gefahren.

Vor dieser Bar ist der Schönenwerder Ende 2012 in eine Menschengruppe gefahren.

Der Angeklagte hat ein Teilgeständnis abgelegt und gab die Verkehrsdelikte, die fahrlässige Tötung, die schwere Körperverletzung und die Blaufahrt zu. Die Sexualdelikte wies der Schönenwerder hingegen vehement von sich.

Die Vorwürfe gegen den heute 27-jährigen Arbeitslosen aus dem Kanton Solothurn wogen schwer. So hielt sich der ehemalige Türsteher in der Nacht auf den 10. Februar 2012 im Zürcher Rotlicht-Milieu auf und sprach in den frühen Morgenstunden in einem Lokal eine aus Brasilien stammende Barmaid an.

Wenig später attackiert er die Frau an der Langstrasse und schlug ihr mit einer Stahlrute gegen den Hinterkopf. Worauf er die benommene Geschädigte in ein ihm zur Verfügung stehendes Zimmer schleppte und dort mit Faustschlägen traktierte. Das erheblich verletzte Opfer hatte Glück, da es kurz darauf auf der Strasse flüchten konnte.

Ein Toter, vier Schwerverletzte

Kurz darauf setzte sich der betrunkene Beschuldigte an das Lenkrad seines Autos, fuhr in verbotener Richtung in Richtung Helvetiaplatz und verlor plötzlich die Herrschaft über sein Fahrzeug.

Dabei krachte er vor der Lambada-Bar in fünf auf dem Trottoir wartende Personen und in die Hausfassade hinein. Ein 39-jähriger Passant verlor dabei aufgrund eines schweren Schädelhirntraumas das Leben. Vier weitere Geschädigte erlitten schwere Verletzungen. Der Todesfahrer wurde festgenommen und sitzt seither im Gefängnis.

Seit gestern muss sich die Milieu-Figur vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der alkoholabhängige Mann wurde vor über einem Jahr vom Amtsgericht Olten wegen versuchter Vergewaltigung sowie sexueller Nötigung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Ein Urteil, welches das Obergericht Solothurn bestätigte, aber noch nicht rechtskräftig ist. Der Beschuldigte soll im November 2009 eine junge Frau mittels Faustschlägen zu sexuellen Handlungen gezwungen haben.

Vor Gericht legte der Beschuldigte ein Teilgeständnis ab. So gab er die Verkehrsdelikte, die fahrlässige Tötung, die fahrlässig schwere Körperverletzung und die Blaufahrt zu. Ebenso die als versuchte schwere Körperverletzung eingeklagten Schläge mit der Stahlrute. Hingegen wies er die Sexualdelikte vehement von sich.

So habe es sich um bezahlte Kontakte gehandelt, sagte er. Als sie aber plötzlich 100 Franken anstelle der abgemachten 50 Franken verlangt habe, sei es zum Streit gekommen. Dabei habe ihn die Frau zuerst mit der Stahlrute attackiert. Er habe ihr die Waffe abgenommen und erst dann auf sie eingeschlagen, erinnerte er sich zurück.

Realitätsnah oder dramatisiert?

Die zuständige Staatsanwältin verlangte wegen mehrfacher qualifizierter Vergewaltigung, sexueller Nötigung sowie diversen weiteren Delikten eine hohe Freiheitsstrafe von 15 Jahren.

Die Anklägerin verwies auf die realitätsnahen Aussagen der Geschädigten. Der Beschuldigte habe sie mit einer Brutalität und Gefühlslosigkeit sondergleichen gequält, plädierte sie. Eine verminderte Schuldfähigkeit liege nicht vor. Dennoch soll sich der Beschuldigte während des Strafvollzugs einer ambulanten Psychotherapie unterziehen.

Der Verteidiger wehrte sich gegen die hohe Freiheitsstrafe, setzte sich für eine «angemessene» Sanktion ein und forderte gewichtige Teilfreisprüche von den Vorwürfen der Sexualdelikte.

Dabei zerpflückte er die Aussagen der Geschädigten, die sich lediglich bereichern wolle. So habe die Frau nicht nur Schadenersatz von über 44 000 Franken, sondern auch eine Genugtuung von 35 000 Franken verlangt.

Die Südamerikanerin habe den ganzen Vorfall dramatisiert. Zudem habe sein Klient bei der Stahlrute im Rahmen einer Notwehrsituation gehandelt.

Das Gericht wird das Urteil am 2. April eröffnen.

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