Amtsgericht Thal-Gäu
Der scheinbar fiktive Gastro-Führer war doch echt

Ein Mann war angeklagt, weil er Geld für einen Gastro-Führer bekam, der nie gedruckt wurde. Nun wurde der Beschuldigte vom Amtsgericht Thal-Gäu freigesprochen.

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Der Beschuldigte wollte einen Gastro-Führer herausgeben, der nie veröffentlicht wurde (Symbolbild)

Der Beschuldigte wollte einen Gastro-Führer herausgeben, der nie veröffentlicht wurde (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der 65-jährige Österreicher, der zwischen 2003 bis 2010 in der ganzen Schweiz und im benachbarten Ausland 137 Restaurationsbetriebe um insgesamt 119'970 Franken betrogen haben soll, wurde von Amtsgericht Thal-Gäu freigesprochen.

Der Beschuldigte wollte einen Gastro-Führer herausgeben und hatte jeweils bei Vertragsabschluss mit seinen Kunden die Zahlung von drei Beträgen in der Höhe von je 600 Franken vereinbart.

Gedruckt wurde der Gastro-Führer allerdings nie. Der Beschuldigte hatte vor Gericht versichert, dass er sein Vorhaben krankheitshalber habe aufgegeben müssen. Die Staatsanwaltschaft sprach hingegen von gewerbemässigem Betrug und verlangte eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten.

Das Gericht begründete den Freispruch mit erheblichen Zweifeln an der Schuld des Angeklagten. Dieser habe durchaus die Fähigkeiten, einen solchen Gastro-Führer herauszugeben. Zudem habe er im Rahmen der Vorbereitung auch gewisse Leistungen erbracht, wie etwa das Verfassen von Texten oder den Beizug eines Fotografen.

Mit der letzten noch fälligen Rate sei es ferner möglich gewesen, den Gastro-Führer drucken zu lassen. Kontakte zu einer Druckerei habe es gegeben.

Zudem habe der Mann diese Einkünfte auch versteuert. All dies seien Indizien dafür, dass der Beschuldigte den Restaurant-Führer habe fertigstellen wollen. Dass er sich dabei übernommen und danach aus gesundheitliche Gründen die Segel streichen musste, sei nicht strafbar. Schadenersatzansprüche müssten vor Zivilgericht geltend gemacht werden.(eva)