Neuendorf
Der Rest dieses Mehrfamilienhauses liegt fertig produziert in Bosnien

Die Arbeiten an der Bauruine ruhen weiter. Die Bauherrschaft kämpft vor Gericht darum, dass der Schweizer Lieferant seinen vorzeitig gekündigten Werkvertrag erfüllt. Dabei geht es um ausstehende Lieferungen von in Bosnien produzierten Fertigelementen.

Erwin von Arb
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An bester Lage: Der mit Holzbau-Fertigelementen ausgeführte Rohbau soll noch mit zwei Stockwerke ergänzt werden.

An bester Lage: Der mit Holzbau-Fertigelementen ausgeführte Rohbau soll noch mit zwei Stockwerke ergänzt werden.

HR.Aeschbacher

Eigentlich hätten die zwölf Wohnungen im Mehrfamilienhaus an der Fulenbacherstrasse 40 bis Ende April bezugsbereit sein sollen. Dass dieser Termin nicht eingehalten werden kann, zeigt sich bei einem Augenschein auf der Baustelle. Diese präsentiert sich wie vor rund vier Monaten weiterhin als Bauruine. Die Arbeiten am nur halb fertigen Gebäude wurden Mitte August 2012 eingestellt. Die damals von der Bauherrschaft, der Ciw AG Gümligen, angekündigte Aufstockung des Gebäudes auf vier Etagen inklusive Dach ist nicht vollzogen worden (wir berichteten). Stattdessen wurde der nach oben offene Baukörper im Dezember 2012 notdürftig mit Plastikfolien abgedeckt, um die über Monate ungeschützt der Witterung ausgesetzten Holzbau-Fertigelemente vor Nässe zu schützen.

Die Schäden an der Bausubstanz werden von der Bauherrschaft zwar als beträchtlich, aber dennoch reparabel eingeschätzt. Laut Experten müssten lediglich die Innenwände, Boden- und Deckenplatten sowie die Isolation ausgewechselt werden, wie Armin Schmid von Ciw AG auf Anfrage versichert. Die verwendeten Holzelemente könnten ausgetrocknet und allfälliger Pilzbefall professionell beseitigt werden.

«Wir konnten den Bau nicht wie geplant hochziehen, weil der Lieferant den Werksvertrag gekündigt und die Lieferungen eingestellt hat», sagt der Ciw-Projektleiter zur derzeitigen Situation. Das in Zürich ansässige Unternehmen soll nur etwa einen Drittel der vereinbarten Holzbau-Fertigelemente ausgeliefert haben, obwohl sie bei Vertragsabschluss praktisch die gesamten Kosten der Lieferung per Vorkasse eingestrichen habe.

Inzwischen beschäftigt sich das Amtsgericht Thal Gäu mit diesem Fall. Die Ciw AG will das Zürcher Unternehmen auf zivilrechtlichem Weg dazu zwingen, den Werkvertrag doch noch zu erfüllen, oder mit einem Gerichtsurteil erreichen, dass die Firma für die Herstellung der noch fehlenden Holzelemente aufkommen muss. Dies, obwohl die dringend benötigten Holzbauteile bereits fertig fabriziert zur Auslieferung bereitstehen sollen, wie Schmid erwähnt. Dabei handle es sich etwa um 15 Lastwagenladungen. Allerdings lagert das Material nicht gleich um die Ecke, sondern in Bosnien. Der Firma aus Ex-Jugoslawien sei es von ihrer Schweizer Vertretung untersagt worden, die Ware auszuliefern. In der Vergangenheit hätten sie gute Erfahrungen mit dieser bosnischen Firma gemacht, führt Schmid weiter aus. «Die Qualität entspricht europäischem Niveau.»

Der preisliche Vorteil sei beim Einkauf dieser Ware nicht im Vordergrund gestanden, sondern vor allem der Faktor Zeit. Und die läuft den Verantwortlichen der Ciw AG im wahrsten Sinn des Wortes davon. Seit rund zwei Monaten gehe gar nichts, wie Schmid bemerkt. Ein Weiterkommen in dieser Angelegenheit verhindere der Zürcher Zwischenhändler, welcher das Urteil des Amtsgerichts für die vorsorgliche Beweisführung angefochten habe.

Amtsgerichtspräsident Guido Walser bestätigt, dass das Gericht auf Antrag der Ciw AG eine vorsorgliche Beweisführung beschlossen habe, um den Wert der bislang gelieferten Waren auf der Baustelle zu eruieren. Das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig, weil die Gegenpartei beim Obergericht Einsprache erhoben habe. Erst wenn diese Instanz das Urteil des Amtsgerichts Thal-Gäu bestätigt hat, kann die Beweisführung auf der Baustelle auch in Auftrag gegeben werden. «Kommt darauf an, wann sich das Obergericht mit dem Fall beschäftigt», so Walser. Bis schliesslich auch noch das von Experten erarbeitete Gutachten vorliege, könnten weitere eineinhalb Monate verstreichen, wie der Amtsgerichtspräsident schätzt.

Schmid hofft, dass dieses Gutachten möglichst bald zur Verfügung steht. Je nach Ergebnis werde danach entschieden, ob gegen das Zürcher Unternehmen Klage erhoben werde. Unabhängig davon will die Ciw AG das Haus an der Fulenbacherstrasse fertigstellen. Die erwähnten Bauschäden würden dann einhergehend mit dem Aufbau behoben. Ob der von Schmid genannte Einzugstermin im Herbst dieses Jahres eingehalten werden kann, darf im Hinblick auf das hängige Verfahren und eines allfälligen Prozesses bezweifelt werden.

Gewinnbringend kann das Mehrfamilienhaus ohnehin nicht mehr aufgebaut werden. Unter dem Strich fehlen rund 500 000 Franken, wie Schmid einräumt. Die sonst erfolgreich agierende Ciw AG sei aber durchaus in der Lage, diesen Ausfall zu verschmerzen. Baupräsident Max Bürgi hätte nichts dagegen, wenn die Ciw-Verantwortlichen dereinst ihre Pläne umsetzen könnten. «An einer Bauruine haben wir natürlich kein Interesse.»