Das Projekt um Wiederansiedlung einer Wisent-Herde im Naturpark Thal, zuerst eingezäunt als Schauherde und später als frei lebende Herde, schlägt im Thal bei Gegnern und Befürwortern hohe Wellen. Nun hat der Laupersdörfer Kantonsrat Beat Künzli (SVP) dem Regierungsrat eine Interpellation mit einem Fragenkatalog zugestellt. Die Regierung hat die Fragen beantwortet und Stellung dazu bezogen.

Bereits in zwei Jahren, so schreibt Beat Künzli, wolle der Verein Wisent Thal im Naturpark Thal ein 20 Hektaren grosses Schaugehege, und nach zehn Jahren einen 100 Hektaren grossen Auswilderungsraum für den bei uns ausgestorbenen Wisent bauen. In der Bevölkerung bestünden in dieser Angelegenheit viele Fragen. Er will deshalb wissen, in wie weit der Regierungsrat und die kantonalen Behörden ins Projekt involviert sind.

Bis heute kein Gesuch erhalten

Man habe bisher lediglich aus der Presse davon erfahren, schreibt der Regierungsrat. Mündlich seien «Teile der Verwaltung» von Vertretern des Vereins Wisent Thal über das Vorhaben informiert worden. «Bis zum heutigen Zeitpunkt ist kein Gesuch zu diesem Projekt beim Kanton eingegangen.»

Die Frage nach den Zuständigkeiten bei einer allfälligen Bewilligung klärt der Regierungsrat ebenfalls. Wenn es nach einem zehnjährigen Versuch mit einer Testherde anschliessend um eine Wiederansiedlung einer ausgestorbenen Art gehe, müsste dies vorgängig von den Bundesbehörden bewilligt werden. «Dabei muss der Nachweis erbracht werden, dass ein Aussetzen solcher Tiere zu keinen Nachteilen bei der Land- und Forstwirtschaft führt. Der Bund müsste ebenfalls bestimmen, ob und mit welchen Mitteln Schäden durch diese Tiere entschädigt würden.»

Zum eigentlichen Bewilligungsverfahren könnten erst verbindliche Antworten gegeben werden, wenn ein Projekt vorliege, so die Exekutive. Eine Wildtierhaltebewilligung würde vom Veterinäramt ausgestellt. Dies jedoch nur, wenn die entsprechenden Bedingungen erfüllt wären. Die nötige Infrastruktur, sowie eine Betreuung der Tiere müssten sichergestellt sein.

«Die Bewilligung, ob ein ‹Schaugehege› oder eine spätere Auswilderung von Wisenten grundsätzlich zulässig ist», sei Sache des Volkswirtschaftsdepartements. Eine Mitwirkung der Thaler Bevölkerung hänge letztlich von der Art der benötigten Bewilligungen ab. Zudem sei es Aufgabe der Trägerschaft Naturpark Thal, also der Thaler Gemeinden, ob eine Verträglichkeit des Vorhabens mit den eigentlichen Zielen des Naturparks gegeben ist.

Akzeptanz ist eher schwierig

Zur Frage, wie der Regierungsrat generell dem Vorhaben gegenüber steht, ist zu lesen: «Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Akzeptanz von ausgesetzten Wildtieren in weiten Teilen der Bevölkerung schlechter ist als bei Tierarten, welche selber wieder eingewandert sind. Beim Luchs ist dies auch im Kanton Solothurn immer noch spürbar.» Zwar seien Wiederkäuer wie der Wisent grundsätzlich ungefährlich für den Menschen. Aber: «Die Tiere sind empfänglich für diverse Krankheiten, demzufolge bestünde eine potenzielle gegenseitige Ansteckungsgefahr zwischen Wild- und Nutztieren.»

Ein wichtiges Argument der Ansiedlungsgegner ist die Wildschadenthematik. «Die Wildschadenthematik ist bereits mit den heutigen wildlebenden Reh, Gämse, Rothirsch und Wildschwein aktuell.» Deshalb: «Eine Wiederansiedlung des Wisents wird diese Thematik mit Sicherheit verstärken.» Welche Schäden an Wald und landwirtschaftlichen Kulturen durch Wisente entstehen würden, lasse sich kaum voraussagen. Abschliessend fragt der Interpellant, ob es denn nicht genügend wild lebende Tiere gäbe.

«Für uns steht eine natürliche Biodiversität im Vordergrund», bekommt er zur Antwort. «Wir sind daher der Meinung, dass bei einst ausgestorbenen Wildtieren anstelle einer Wiederansiedlung eine natürliche Einwanderung im Fokus stehen sollte.»