Egerkingen
Der Prophet im eigenen Land gilt etwas

Einmal mehr trat Heinz Studer in der Kirche St. Martin in Egerkingen auf und durfte erleben, wie sehr man seine Interpretationen auf dem Klavier zu schätzen weiss.

Edgar Straumann
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Der Pianist Heinz Studer.

Der Pianist Heinz Studer.

Edgar Straumann

Zumindest in Egerkingen darf festgestellt werden, dass einheimische Künstler durchaus geschätzt und beachtet werden. Jedenfalls bot die Bildungs- und Kulturkommission dem weitherum bekannten Musiker Heinz Studer erneut eine Plattform, sein unbestrittenes Können einem breiten Publikum zu beweisen.

Hier gilt ganz bestimmt nicht, wonach der Prophet im eigenen Lande, oder vielmehr Dorfe, nicht beachtet würde. Ganz im Gegenteil, der Pianist trat bereits zum dritten Mal in der Martinskirche auf, wie von Georg Fischer, der durchs Programm führte, zu vernehmen war.

«Von der Mutter geerbt»

Heinz Studer, der Autodidakt, der sein Musiktalent, wie er selber sagt, von seiner Mutter geerbt habe, bewies auf dem Konzertflügel sein Talent wie auch seine Vielfältigkeit. Ein erster Beweis lieferte er mit «Nocturne» von John Field und gleich anschliessend «In mir klingt ein Lied» nach Frédéric Chopin. Wie einst dieser einflussreiche und populäre polnische Pianist und Komponist konnte auch Heinz Studer mit diesem zweiten Vortrag das zahlreiche Publikum in seinen Bann ziehen.

Der «Militärmarsch» gehört zu den bekannteren Kompositionen von Franz Schubert. Die zackigen wie auch die tänzerischen Elemente dieses Werkes verstand der Interpret ausgezeichnet umzusetzen. Dem «Steinway»-Flügel wurden die strammen Töne im Zweivierteltakt sehr beeindruckend entlockt, gleichzeitig aber auch beinahe streichelnd über die Tasten fahrend, die lieblich wirkenden Zwischenteile interpretiert.

Von Unterhaltung her bekannt

Der Pianist, grundsätzlich in der Unterhaltungsbranche «gross» geworden, zeigte mit dem «Menuett» (aus Don Giovanni) von Wolfgang Amadeus Mozart, dass auch klassische Musik für ihn kein Fremdwort ist. Gleiches gilt für das «Rondo für Klavier in C-Dur» von Ludwig van Beethoven. Dieses anspruchsvolle, der Romantik zugeordnete Werk, verlangte vom Interpreten nicht nur viel Einfühlungsvermögen, sondern auch Durchstehvermögen.

Mit dem «Ungarischen Tanz Nr. 6» von Johannes Brahms wurde in die leichte Klassik eingetaucht. In diesem zweiten Konzertteil konnte Heinz Studer seine ihm anhaftende Eigenheit zum Schalk nicht verbergen, war er doch ab und zu sein eigener Dirigent. Zwar tanzte er zum Walzer aus dem Ballett «Dornröschen» von Peter Iljitsch Tschaikowsky nicht gleich selber, doch seine Körpersprache verriet sein volles Engagement.

Richard Claydermans «Pour Adeline» widmet Heinz Studer immer wieder seiner Mutter, die ihn musikalisch gefördert hat. Mit der Eigenkomposition «De Heinz im Elimänt», einem Ländler, kam der Musiker dann auf höchste Betriebstemperatur. Hier brachte er das Tasteninstrument vollends zur Geltung. Mit «Zirkus Renz» von Gustav Peter können meistens versierte Xylofonspieler ihr Können beweisen. Seine Fingerfertigkeit bewies Heinz Studer auf den Konzertflügel, komme er doch bei dieser Darbietung in der Sekunde auf rund zwölf Anschläge, wie er selber verriet.

Nach Beethoven noch Glenn Miller

Zum Abschluss gelangte «Für Elise» von Ludwig van Beethoven, arrangiert vom Pianisten selber, zur Aufführung. Damit brachte er nochmals seine ganz persönliche Note zur Geltung. Mit Standing Ovation gaben die Besucherinnen und Besucher klar zum Ausdruck, dass noch eine Zugabe gewünscht wurde. Mit Melodien, bekannt von Glenn Miller, kam Studer dem Wunsch nach. Der Solist, längst im Pensionsalter, hat mit seinem Auftritt eindrücklich bewiesen, dass sein Tatendrang lange nicht erloschen ist. So ist denn auch zu hoffen, dass es ihm vergönnt ist, noch öfters sein Talent einem breiten Publikum zu präsentieren.