Schönenwerd
Der Pfarrer ohne Lizenz zum Seelsorgen hat jetzt eine eigene Praxis

Hans Suck wurde vor einem Jahr die Lizenz zum Seelsorgen entzogen. Seine Arbeit als katholischer Pfarrer von Gretzenbach-Däniken musste er aufgeben. Er selbst gibt aber nicht auf. Heute wohnt er in Schönenwerd und hat eine eigene Praxis.

Isabelle Schwab und Sabine Kuster
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Hans Suck macht sich als freischaffender Theologe selbstständig.

Hans Suck macht sich als freischaffender Theologe selbstständig.

Isabelle Schwab

Ein Jahr ist es her, seit über den katholischen Pfarrer von Gretzenbach-Däniken gross berichtet wurde. Ein tiefer Riss zog sich damals durch die katholische Gemeinde, gespalten in die Anhänger und Gegner von Seelsorger Hans Suck.

Einen groben Amtsverstoss oder gar ein strafbares Vergehen hatte es nicht gegeben, der Unmut konzentrierte sich am Ende auf die Person Suck selber. An seiner Art, an seinem Wesen schienen sich die Geister zu reiben und zu scheiden. Seine eigenwillige Art sei wenig teamfähig, hatte es geheissen. Wer nicht für ihn war, war gegen ihn. Am Ende hatte sich die Mehrheit von ihm abgewendet.

«Das Niederamt ist meine Heimat»

Heute wohnt Hans Suck ein Dorf weiter, in Schönenwerd. «Das Niederamt ist meine Heimat», sagt er. «Es gibt keinen Grund für mich, weit wegzuziehen.» Eine Anstellung als Pfarrer findet er keine mehr, der Bischof hat ihm den kirchlichen Seelsorgeauftrag, die Missio canonica, entzogen. Trotzdem will er noch immer seelsorgen – jetzt einfach in einer eigenen Praxis.

Der Theologe Hans Suck eröffnet diesen Monat die «Praxis freie Seelsorge» im Haus zum Magazin an der Gösgerstrasse in Schönenwerd, wo er christliche Rituale in einem nicht kirchlichen Rahmen anbietet. Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen könnten so viel freier gestaltet werden, sagt Suck. Dabei will er jedes Ereignis individuell gestalten. «Zum Beispiel könnte man Taufen auf dem Hallwilersee durchführen oder eine Beerdigung am Lieblingsort der verstorbenen Person.»

«Individualität ist gefragt»

Individualität sei wie bei so vielen Dingen auch bei christlichen Ritualen gefragt. «Jeder will heutzutage etwas Spezielles. Man trinkt nicht mehr einfach nur Bier, sondern Feldschlösschen oder Eichhof. Ebenso halte ich nicht einfach eine Beerdigung ab, sondern mache jede zu etwas Besonderem.» Hans Suck will seine 20-jährige Erfahrung in der Kirche nutzen und sein Wissen weitergeben. «Ich habe bestimmt bereits an die 100 Beerdigungen abgehalten und bin ein persönlicher Trauerredner.»

Doch werden diese Rituale überhaupt noch benötigt, in einer Zeit, in der immer mehr Leute aus der Kirche austreten? «Ich denke nicht, dass jeder, der aus der Kirche austritt, nicht mehr glaubt», sagt Hans Suck. «Viele haben einfach Kirchenverdruss.» Die katholische Kirche sei eine eingerostete Institution und manchmal auch ziemlich langweilig, findet Suck. Dazu komme ihr momentanes Imageproblem. «Wenn Franziskus lange genug Papst bleibt, kann er das vielleicht ändern.»

Passive Kirchenmitglieder

Viele Kirchenmitglieder seien nur passiv: «Die Leute bezahlen Jahr für Jahr ihre Kirchensteuer, aber gehen vielleicht einmal zu Weihnachten in die Kirche.» Hans Suck als freischaffenden Theologen bezahle man hingegen nur, wenn man auch seine Leistungen in Anspruch nehme. Sein Stundenlohn betrage zu Beginn
120 Franken.

Neben den christlichen Ritualen will Hans Suck auch Einzelgespräche sowie Gesprächskreise anbieten. «Eine Idee ist ein Gesprächskreis für Trauernde.» Dort könne man zusammen den Verlust verarbeiten und im Glauben Kraft finden. «Der Glaube kann manche Antidepressiva ersetzen.» Diese Gruppengespräche sind günstiger: Pro Person zahle man zwischen 15 und 25 Franken. «Natürlich werde ich darauf achten, wie viel der Einzelne zu zahlen in der Lage ist.»

Nicht der erste seiner Art

Hans Suck ist nicht der erste freie Theologe in der Schweiz. Sieben weitere freie Theologen haben sich zum Schweizerischen Verband freischaffender Theologen, dem SVFT, zusammengeschlossen. Sie verlangen 150 Franken pro Stunde. Diesem Wert will sich Suck Anfang des nächsten Jahres anpassen. Die freischaffenden Theologen scheinen Erfolg zu haben: Hans Suck lässt sich von einem Theologen beraten, der bereits seit zehn Jahren von seinem Beruf lebt. Zudem setzt er auf einen modernen Auftritt und präsentiert sich auf einer eigenen Homepage.

Der Theologe hofft, dass seine Dienstleistungen angenommen werden. Einen Plan B brauche er nicht: «Ich denke, es ist die richtige Zeit, um mich als Pfarrer selbstständig zu machen. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass es meine Praxis braucht, müsste ich gar nicht erst anfangen, etwas aufzubauen.» Natürlich brauche es einige Zeit, bis die Praxis so laufe, wie er sich das vorstelle. «Aber das ist ganz normal. Bei jeder Firma gibt es eine Anfangsphase.»