Lange hat es gedauert, bis sich die SBB im Klaren darüber waren, wie es mit dem Bahnhofsgebäude in Oensingen weiter gehen soll. Erste Pläne für dessen Sanierungen und Umnutzung gab es nämlich bereits im Jahr 2003.

Damals war auch die Rede von der Schliessung des Bahnhofbuffets, um an dessen Stelle einen «Avec»-Shop einzubauen. Das Restaurant wurde denn auch wie angekündigt im November 2010 geschlossen, jedoch mangels interessierter Betreiber das «Avec»-Shop-Projekt wieder verworfen.

Einst im Besitz der Centralbahn

Danach liessen die SBB wieder fast fünf Jahre verstreichen, bis sie Anfang August dieses Jahres ein konkretes Projekt vorlegten. Diese sieht die Modernisierung sowie Sanierung des 1876/77 von der damaligen Schweizerischen Centralbahn (SCB) erbauten Bahnhofgebäudes für insgesamt 2,3 Mio. Franken vor.

Entworfen wurde das damals für die Centralbahn normtypische mittelgrosse Bahnhofgebäude mit zwei Vollgeschossen unter einem Walldach vermutlich vom Architekten Rudolf Fichter, wie die SBB auf Anfrage dazu ausführen. Das Gebäude gelangte 1902 nach der SCB-Verstaatlichung in den Besitz der SBB.

Dieser Geschichte möchten die SBB Rechnung tragen und hat deshalb Oensingen in das Inventar der schützenswerten Bahnhöfe der SBB mit regionaler Bedeutung aufgenommen und im Bezug auf die Linienbetrachtung mit dem Schutzziel A bezeichnet. Deshalb stehen bei der Mitte August angelaufenen Modernisierung des Bahnhofs neben der Erhaltung des Gebäudes auch die annähernde Rückführung der Fassade in den Originalzustand im Vordergrund, wie SBB-Mediensprecherin Franziska Frey dazu verlauten lässt.

Spuren unzähliger Eingriffe

Um die äussere Optik des Bahnhofsgebäudes wieder herzustellen, wurden inzwischen die Anbauten des Stellwerks und der Vorbau zum Eingang des Reisezentrums zurückgebaut. Ebenfalls bereits abgerissen wurde der Anbau auf der Ostseite, in welchem die WC-Anlagen des ehemaligen Restaurationsbetriebs untergebracht waren.

Die Fassade nach der Entfernung der Anbauten wieder annähernd in den Originalzustand zurückzuführen, stelle keine besondere Herausforderung dar, heisst es vonseiten der SBB. Schwieriger gestalten sich die Arbeiten im Innern des Gebäudes, wo zahlreiche Eingriffe in die Bausubstanz Spuren hinterlassen haben. «Von der inneren Struktur entspricht nichts mehr dem Originalzustand», meint SBB-Mediensprecherin Franziska Frey mit Verweis auf die diversen Stahlträger, welche nach der Demontage der Decke im Erdgeschoss zum Vorschein gekommen sind.

Nicht zuletzt deshalb wird auf die Wiederherstellung der einstigen Raumaufteilung verzichtet und diese den aktuellen Abläufen und Bedürfnissen entsprechend angepasst. Eine Sanierung erfahren werden auch die zwei Wohnungen im Obergeschoss.

SBB nutzen gesamtes Gebäude

Die Ausführung der Arbeiten erfolgt etappenweise, wie die SBB-Sprecherin erwähnt. Es werde Fläche um Fläche umgebaut und bezogen, so Franziska Frey. Künftig soll das gesamte Gebäude von den SBB genutzt werden. Im Erdgeschoss wird das neue Bahnreisezentrum Räumlichkeiten beziehen. Ebenfalls vorgesehen ist der Einzug von SBB Cargo, welche derzeit noch im östlichen Nebengebäude des Bahnhofs untergebracht ist. SSB-intern genutzt werden ferner die zwei Wohnungen im Obergeschoss. Zur Verfügung stehen könnten diese etwa Teams der Automatenbewirtschaftung oder anderen mobilen Mitarbeitenden der SBB.

Die Eröffnung des modernisierten Bahnreisezentrums, welches derzeit in einem Provisorium untergebracht ist, soll gemäss Zeitplan am 8. Februar 2016 erfolgen. Noch nicht fertig sein wird zu diesem Zeitpunkt die Fassade. Diese soll wie erwähnt Anfang April 2016 saniert und in den Originalzustand zurückversetzt werden. Allerdings nur optisch. Es gelangen keine Baustoffe auf früheren Zeiten zum Einsatz. «Es werden heutige Materialen verbaut», so die SBB.