Einen ersten kleinen Ansturm hatte das Team um Arzt Wojciech Syrynski nach der am Montag erfolgten Eröffnung des neuen Gesundheitszentrums Thal Matzendorf bereits zu bewältigen. Der erste Patient war bereits am Samstag gekommen, weitere fünf kamen am Eröffnungstag.

Darunter war auch ein erster Notfall mit einer offenen Wunde. «Wir haben ihn nach der Erstversorgung in unserer Praxis in ein Spital überwiesen», sagt Dr. med. Wojciech Syrynski.

Mit dem Start der neuen Praxis, die in die Räume des ehemaligen Coop-Ladens eingebaut wurde, ist der 51-jährige Mediziner zufrieden, zumal auch zahlreiche Anmeldungen von Patienten eingegangen sind.

Diese stammen aus dem Dorf und aus den Nachbargemeinden und bestärken Syrynski im Glauben, dass es eine wirtschaftliche Grundlage für seine Praxis gibt. Dies hatte auch eine Erhebung gezeigt, welche die Gemeinde nach der Schliessung der Praxis von Dr. Ulrich Siegfried Anfang 2014 in Auftrag gegeben hatte.

Beruflicher Neustart

Syrynski hofft, dass sich sein Mut, ohne Kundenstamm den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, auszahlen wird. Für die neue Praxis hat er seine Stelle im Spital Region Oberaargau (SRO) in Langenthal aufgegeben. Seit 2003 war er dort als Leitender Arzt mit Schwerpunkt Anästhesie und Schmerztherapie tätig.

Vorher leitete er die gleiche Abteilung im Spital Niederbipp bis zu dessen Schliessung. In dieser Berner Gemeinde lebt der gebürtige Pole mit Schweizer Pass auch seit rund 13 Jahren mit seiner Frau Silke Körner und den zwei gemeinsamen Kindern.

Besonders schwergefallen sei ihm der Entschluss, mit 51 Jahren noch einmal beruflich durchzustarten, nicht, meint Syrynski mit Verweis auf seine vielen nächtlichen Einsätze im Spital. Nicht zuletzt deshalb legte er 2014 auch die Prüfung in Allgemeiner Innerer Medizin FMH ab.

Die Eröffnung der neuen Praxis biete ausserdem die Chance für eine neue Tagesstruktur. Es fühle sich zwar noch etwas komisch an, abends wieder im eigenen Bett zu schlafen. «Es ist aber definitiv ein tolles Gefühl, das ich geniesse.»

Solche Momente erlebt Syrynski derzeit jedoch noch eher selten. Zu intensiv waren die Vorbereitungsarbeiten für die Einrichtung des Gesundheitszentrums. In diesem wurden auf 260 Quadratmetern drei Sprechzimmer sowie ein Labor für die Notfalldiagnostik und für chirurgische Kleineingriffe eingerichtet.

Dazu kommt eine eigene Apotheke mit den gängigsten Medikamenten. Angedacht ist ferner das Beschaffen eines Röntgengeräts. Diese kostenintensive Anschaffung will der Arzt aber erst tätigen, wenn das Gesundheitszentrum gut angelaufen ist. Wenn das der Fall sein sollte, ist auch eine Vergrösserung des aktuellen Teams mit bis zu zwei weiteren Ärzten denkbar.

Neuer Arzt im Thal wird begrüsst

Für das Thal mit rund 14 500 Einwohnern wäre eine solche Aufstockung wünschenswert, wie Claudio Cahenzli vom Ärztehaus Thal in Balsthal auf Anfrage erklärt — dies mit Blick auf die gerade mal neun Ärzte, die es im Gesamten im Thal gebe. Sieben davon praktizieren in Balsthal sowie je einer in Matzendorf und in Welschenrohr.

Gemessen an der Wohnbevölkerung wären 14 Ärzte nötig, um eine gute Grundversorgung zu gewährleisten. Syrynski habe deshalb mit dem gesamten hinten Thal als Einzugsgebiet beste Chancen auf Erfolg, meint Cahenzli .

Das Gleiche glaubt auch Gemeindepräsident Marcel Allemann. «Und es erfüllt uns mit Stolz, einen solch ausgewiesenen und ambitionierten Arzt mit diesem Gesundheitszentrum im Dorf zu haben.»

Tag der offenen Tür: Gesundheitszentrum Thal, Dorfstrasse 53, Matzendorf, Samstag, 12. November, 9 bis 12 Uhr.