Langenbruck
Der Meyer hat seine Maya verkauft – ein Augenschein an der Viehauktion

In Langenbruck traf sich die Region, um Vieh zu er- oder versteigern. Oder auch nur, um der Auktion beizuwohnen. So wie der Redaktor, der sich als wahrer Laie entpuppen sollte. Kälbchen kauft man nämlich nicht, nur weil sie süss sind.

Philipp Felber
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Impressionen von der 32. Zuchtviehauktion in Langenbruck
41 Bilder
Die Tiere werden zur Auktion geführt
Nochmals nachputzen. Die Tiere sollen gut aussehen.
Ein Bauer begutachtet ein Rind eingehend
Ein kritischer Blick muss sein, bevor das Vieh ersteigert wird
Die zu versteigernden Rinder und Kühe stehen bereit
32. Zuchtviehauktion Langenbruck
Die Tiere werden im Kreis herumgeführt, während die Gebote eingehen
Jetzt wird es ernst für die Bieter und Verkäufer
Fachsimpeln und Faktencheck in den vordersten Reihen
Florence von Gody Bachmann aus Seewen ging für 3200 Franken weg
Welches Tier steht als nächstes auf der Liste?
Auch ein Kälbchen wird versteigert
«Bettina» wird präsentiert
Da nur 1000 Franken geboten werden, nimmt der Bauer aus Eptingen seine «Bettina» wieder nach Hause
Gantrufer Andreas Aebi nimmt die Gebote der Ersteigerungswilligen entgegen
Der Gantrufer erkennt die Gebote auch dann, wenn die Bauern nur kleine Zeichen geben
Die Viehauktion ist ein geselliger Anlass. Man kommt zusammen, berichtet, isst etwas.

Impressionen von der 32. Zuchtviehauktion in Langenbruck

Bruno Kissling

Ein kurzes Nicken, ein kaum erkennbares Winken. Mit geschultem Auge erkennt Gantrufer Andreas Aebi die Gebote der Ersteigerungswilligen dann doch, seien sie auch noch so verhalten kundgetan. Dazu ruft er ständig die Höhe des aktuellen Gebotes: «Neunundzwanzigfünzig, neunundzwanzigfünzig, höre ich dreissig? Dreissig?»

Aebi steht unter einem roten Sonnenschirm inmitten einer kleinen Arena in Langenbruck. Die Sonnenbrille auf, um keinen flotten Spruch verlegen. Und klar, die Tiere gingen nicht für 29.50 Franken an einen neuen Besitzer. 100-mal mehr musste da gut und gerne geboten werden. Zudem ein kleines Handgeld von 30 Franken an den Bergbauernverein Langenbruck und Umgebung, welcher den Anlass organisierte.

Gantrufer in Bestform

Im Kreisrund wird das Vieh herumgeführt, rundherum und am angrenzenden Hügel steht und sitzt das Publikum. Viehzüchter und -händler, Bauern, aber auch Interessierte, welche auf den ersten Blick nichts mit dem Metier zu tun haben. Rund 90 Rinder und Kühe wurden gestern in Langenbruck versteigert. Oder jedenfalls wurden die Tiere auf dem Platz angeboten. Denn lag der gebotene Preis zu tief, so zog der eine oder andere Besitzer sein Tier auch mal zurück.

Knapp drei Stunden vor Beginn der Auktion konnten sich die Interessierten ein Bild von den Tieren machen. Ein leichter Tritt an das Hinterbein, die Kuh reagiert und stellt sich anders hin. Warum denn der Tritt? «Damit schaut man, ob die Kuh auch richtig hinstehen kann», sagt Roger Meyer aus Laupersdorf. «Wahrscheinlich hatten sie etwas wenig Braunvieh, darum bin ich nun hier», sagt er. Er wolle sein Tier für rund 2800 Franken verkaufen, meinte er im Vorfeld der Aktion, als das zahlreich angereiste Volk noch auf Tuchfühlung mit dem Vieh gehen konnte.

«Der Vater hat ‹ringer› geboten», scherzt Gantrufer Andreas Aebi etwas später von seinem Podestchen in der Auktionsarena runter. Aus der ganzen Region sind Leute ins nahe Baselland nach Langenbruck gereist, notieren sich fein säuberlich die Auktionssummen. Dem unkundigen Beobachter wird erst nach einer gewissen Anlaufzeit im Ansatz klar, welche Qualitäten offenbar mehr zählen als andere. Eine hohe Milchleistung scheint noch eine logische Qualität einer Kuh zu sein. Wobei auch hier ein Vorbehalt gemacht werden muss. Wer einen Berghof mit steilen Hängen sein Eigen nennen kann, ist mit einer Hochleistungskuh nicht unbedingt gut bedient.

Wo Schönheit nicht viel wert ist...

Ein Vieh nach dem anderen wird derweil lautstark angeboten. «Die Urgrossmutter war Miss Olma», ruft der Speaker, der jeweils die, ja man muss sie so nennen, technischen Details dem Publikum mitteilt. Zellzahl, garantierte Milchleistung, IPL-Wert. Ja, als Laie war es schwierig, die Begriffe auch nur einigermassen zu verstehen, und warum der Gantrufer ein Detail heraushob, ein anderes aber nicht. Mit der Miss Olma als Urgrossmutter ist wenigstens eine Vorstellung zu verbinden.

Für 3500 Franken wurde die Nichte dann auch verkauft. Aber wohl nicht aus den Gründen, die der Laie vermuten würde. Denn Schönheit zählt hier nicht viel. «So ein schwarzes Euter ist auch schon für 10 000 Franken versteigert worden», meldet der Gantrufer. Doch Amalia, so der Name des Tieres, eine Tochter von Stier Hermes, war den Bietern nur gerade 2800 Franken wert.

Schwarzes Euter hin oder her. Ein weiteres Indiz, dass Leistung manchmal mehr zählt als Aussehen: Die auffällig herausstehenden Beckenknochen in Verbindung mit grossen Eutern zeigen an: Hier ist die Milchleistung exzellent. Wenn dann auch noch die Qualität stimmt, dann geht das Tier auch mal für 4000 Franken weg.

...und auch Niedlichkeit nicht

«Trente-et-un, trente-et-un, oui, trente-et-deux.» Auch Besucher aus dem Welschen waren offenbar munter am Mitbieten. «Gute Beine, gutes Uter, gute Lautsprecheranlage.» Ja, es ging hoch zu und her an der Auktion, denn so verkündete Andreas Aebi etwas später: «Dort wo es Kuhdreck hat, ist Geld, liebe Mannen.» Und das im wahrsten Sinne des Wortes, jedenfalls der erste Teil.

Hat sich doch ein Rind, und der Laie hofft, es war ein Rind und keine Kuh, mal eben in Publikumsnähe erleichtert. Auch sonst war das Betragen der Tiere nicht immer tadellos. Einige wollten nicht mehr weiter, eines versuchte sich im Hochsprung, andere legten sich hin oder wollten partout in die andere Richtung laufen. Doch das schien für die Anwesenden nicht weiter erstaunlich zu sein.

Erstaunlicher dafür, jedenfalls aus der Sicht des Laien: Für das kleine, knuffige Kälbchen wurden nur gerade 1000 Franken geboten. Zu wenig, dachte sich auch Hansjörg Schmutz aus Eptingen und nahm seine Bettina wieder nach Hause. Roger Meyer hingegen war mit der gebotenen Summe zufrieden: 2650 Franken gabs für seine Maya.