Erlinsbach

Der Meisterknecht Jakob bannt den bösen Geist vom stattlichen Bauerngut

Die Erlinsbacher Bühne zeigt Volksstück «De bös Geischt uf de Breiti» als Freilichtspektakel. Regisseur Willi Stadler schöpft in seiner originellen Inszenierung des Stücks von Maria Ineichen-Schüper die Möglichkeiten des Freilichttheaters voll aus.

Die alte Magd Kathri (Trisi Buser) versteht die Welt nicht mehr: «’s isch e Schand! So-n-e schöne Hof, und nid emal selber druuf pure!» Tatsächlich wollen ihre Meisterleute, die Birrachers, das stattliche Bauerngut auf der Breite aufgeben. Vater und Mutter Birracher (Max Leimgruber und Isabel Schmied) zügeln demnächst ins neu erbaute Stöckli. Tochter Leni (Chantal Morgenegg) will den Architekten René Süess (Rolf Maurer) heiraten und ihm in die Stadt Zürich folgen. Dafür gibt sie dem Bauernsohn Ruedi, der auch um sie wirbt, einen Korb. Und Sohn Hans (Raffael Halbeisen) will den Breitehof verpachten, um bei Süess ins Geschäft einzusteigen. Allerdings sperrt sich Hans’ Braut Erika (Stefanie Lindegger) dagegen, mit ihm in die Stadt zu ziehen.

Endgültig unverständlich finden die Dienstleute das Ansinnen der Birracherfamilie. Der alte Oberknecht Jakob (Linus Lindegger), der von Beginn weg für Vater Birracher arbeitete, als dieser den Hof übernahm, ahnt Böses: Seit sich der auswärtige Stadtherr auf dem Breitehof «ii-gschmuset» hat, ist es, wie wenn ein böser Geist hier herrschen würde.

«De bös Geischt uf de Breiti»

«De bös Geischt uf de Breiti» gab dem Volksstück denn auch den Titel. Geschrieben wurde das Theater, das die Erlinsbacher Bühne heuer beim Pfadiheim in der Breite unter freiem Himmel aufführt, 1954 von Maria Ineichen-Schüpfer. An der Premiere vom letzten Donnerstagabend konnte OK-Präsident und Produktionsleiter Hans Steiner deren Tochter Antoinette Huser-Ineichen willkommen heissen.

Die Inszenierung des «bösen Geischts» unter der Regie von Willi Stadler schöpft die Möglichkeiten des Freilichttheaters voll aus. Der windige René Süess fuhr mit einer veritablen Gangsterlimousine «Citroën Traction Avant» aus den Vierzigerjahren vor, Vater und Sohn Birracher ratterten mit einem roten Oldtimer-Traktor in die Hofstatt, der Hüterbub Toni (Kevin Meier) rannte mit grossen Schritten über die Weide zur Hütte, und auch Felix Wüthrich in der dankbaren Rolle des immer durstigen Taglöhners Ludi füllte den ganzen Raum.

Die Feier zur Einweihung des neuen Stöckli dehnte sich auf den Hof aus, wo die Leute aus dem Dorf (Trachtengruppe Erlinsbach-Küttigen) folkloristische Tänze drehten. Eine sechsköpfige Ad-hoc-Band um die Sängerin Corinne Hunziker und Bandleader Michael Bolliger (Keybord, Trompete und Alphorn) untermalte das Ganze mit Mundarthits. Ohnehin wurden alle Sinne angesprochen, selbst der Rauch des Feuers unter dem Käsekessi wehte dem Publikum um die Nase. Etwas fürs Auge bietet auch das Bühnenbild (Roland Süss, Beat Wiedmer mit Bauteam). Das Bauernhaus, ein Chalet aus dem Jahre 1875, ist zur Hälfte aufgeschnitten und gibt den Blick frei auf die Bauernstube. Das Stöckli daneben wird mit wenigen Handgriffen verwandelt in die Grotzlialp-Käserei von Ruedi, dem von Leni verschmähten Liebhaber (Martin Zeltner).

Stadt-Land-Gegensatz

Das Schauspiel, das kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist, atmet noch etwas vom Landigeist. Hier das bodenständige, gesunde Bauernvolk, dort die verdorbenen Städter, verkörpert durch den hochstaplerischen Autofreak Süess aus dem Unterland. Im Zentrum der Handlung stehen nicht der Bauer und Grossrat Birracher samt Familie, sondern die Knechte und Mägde auf dem Breitihof. Besonders der beherzte Knecht Jakob ist es, der gegebenenfalls – getreu dem Sinnspruch an der Wand des Bauernhauses «Scharfes Auge, feste Hand / und ein Herz fürs Vaterland» – handgreiflich wird und seine Meisterleute vom Virus des Stadtlebens befreit. Das ganze Ensemble agierte mit Spielfreude und durfte vom dankbaren Publikum zu Recht viel Applaus, auch mitten in der Szene, ernten.

Weitere Spieldaten: Samstag und Sonntag, 17. und 18. August, sowie Dienstag, 20. August, bis Dienstag, 27. August, täglich um 20 Uhr.


www.erlinsbacherbuehne.ch

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