Herbetswil
Der Maxi-Laden ist zu – nun soll ein Treffpunkt entstehen

Der Gemeinderat reagiert mit ungewöhnlicher Idee auf den Verlust der Einkaufsmöglichkeit im Ort. Enstehen soll der neue «Treffpunkt Herbetswil», der neben einem Lebensmittelladen auch eine Kaffe-Ecke umfasst.

Alois Winiger
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Um diese Liegenschaft an der Dorfstrasse 7 geht es: Hier könnte ein Laden entstehen, «der dem Dorf gehört».

Um diese Liegenschaft an der Dorfstrasse 7 geht es: Hier könnte ein Laden entstehen, «der dem Dorf gehört».

Bruno Kissling

Fünf Wochen sind es her, seit der Maxi-Laden in Herbetswil als einzige Einkaufsmöglichkeit im Dorf geschlossen worden ist. Nun will der Gemeinderat dafür sorgen, dass wieder ein Dorfladen entstehen kann, aber mit neuem Konzept. Das Projekt heisst «Treffpunkt Herbetswil», darin enthalten sind ein Lebensmittelladen, eine Verkaufsecke für Kunsthandwerk aus dem Dorf und eine Kaffee-Ecke. Realisiert würde dies – zusammen mit Wohnungen – in der seit langem leer stehenden Liegenschaft an der Dorfstrasse 7, welche die Gemeinde für 230 000 Franken kaufen könnte. Allenfalls mit einem Neubau an derselben Stelle.

Die Gemeindeversammlung wird am Dienstagabend über einen entsprechenden Antrag sowie über einen Projektierungskredit befinden können. Ein Informationsblatt ist an jede Haushaltung im Dorf verteilt worden. «Selbstverständlich werden wir an der Versammlung auch die Überlegungen des Gemeinderats eingehend erläutern», sagt Gemeindepräsident Stefan Müller. «Und der Gemeinderat hofft natürlich sehr, dass die Bevölkerung das Vorhaben unterstützt.»

Ist genügend Unterstützung da?

Ob das funktionieren wird? Haben doch die Familien Walser und Brunner den Maxi-Laden nach 15 Jahren mit der Begründung geschlossen, der Umsatz sei stetig und so weit zurückgegangen, dass sich eine Weiterführung nicht mehr lohnte. Und: «Wir hofften vergebens auf die noch grössere Unterstützung der ganzen Dorfbevölkerung.» Warum hat die Gemeinde nicht darauf reagiert und Hilfe angeboten?

«Die Möglichkeiten waren zu jenem Zeitpunkt schon sehr stark eingeschränkt», antwortet Stefan Müller. «Dass Walsers altershalber den Laden früher oder später schliessen würden, war klar und absolut verständlich. Klar war aber auch, dass effektive Hilfe der Gemeinde nur möglich wäre, wenn sie über die Liegenschaft verfügen könnte.»

Müller fragte dann nach, ob die Liegenschaft zu kaufen wäre, doch sie war bereits an einen Immobilienhändler verkauft. «Und dieser machte einen Preis, der gegenüber dem Steuerzahler nicht zu verantworten wäre. Also suchten wir nach einer anderen Lösung.» Denn aufgrund der Stimmen aus der Bevölkerung habe sich schnell gezeigt, dass man einen gesellschaftlichen Treffpunkt im Dorf vermisst. Wobei man sich bewusst sei: Einen herkömmlichen Laden rentabel betreiben, wenn man Löhne und Miete zahlen muss, sei aufgrund der Dorfgrösse praktisch unmöglich. Darum werde ein neues Konzept angestrebt.

Lösung für mehrere Probleme

Mit dem Projekt in der Liegenschaft Dorfstrasse 7 – unweit des geschlossenen Maxi-Ladens – liessen sich mehrere Probleme auf einmal lösen, wie Müller erläutert. «Vor allem käme wieder mehr Leben in die Dorfmitte, denn das Haus steht seit bald zwei Jahrzehnten leer, der Verfall droht. Ausser dem Laden würden Wohnungen entstehen, endlich auch solche, die für Familien und heimische Senioren attraktiv wären.» Für den Betrieb des Treffpunkts – zur Führung in Eigenregie – soll eine Genossenschaft gegründet werden analog der einstigen Konsumgenossenschaft.

Müller ist zuversichtlich, dass dies klappen kann: «Es gibt bereits Leute, die sich konkret dafür interessieren.» Und wie stehts mit der Kaffee-Ecke? Entsteht da nicht eine Konkurrenz zum einheimischen Gasthof Reh? «Es gibt keine Beiz, sondern wie der Name sagt, eine Kaffee-Ecke.» Es gehe nicht darum, mit Getränkeausschank den Laden zu retten.

«Das würde nie funktionieren», sagt Müller. Es gehe um einen Ort zum Verweilen, an dem zum Beispiel auch die heimischen Kunsthandwerker ihre Produkte präsentieren können. «Alles in allem wollen wir schlicht einen Laden realisieren, der dem Dorf gehört, damit es sich dort eben trifft.»

Wird die Berghilfe helfen?

Konkrete Vorschläge sind auch für die Finanzierung vorhanden. Kauf und Ausbau der Liegenschaft sind durch die Gemeinde vorgesehen. Für die Einrichtung gibt die Gemeinde der Trägerschaft bzw. Genossenschaft ein zinsloses Darlehen aus Geldern der aufgelösten Konsumgenossenschaft. Ferner will die Gemeinde die Schweizer Berghilfe um einen Beitrag ersuchen.

Die Berechtigung dazu gibt, dass der Bezirk Thal zu den Bergregionen gehört. «Dieses Gesuch werden wir natürlich erst stellen, wenn die Gemeindeversammlung morgen Abend Ja sagt zum Projekt Treffpunkt Herbetswil.»