Dienstag, 09 Uhr: Strahlender Sonnenschein, die Marktstände sind aufgebaut auf dem Sternenplatz. Nur acht Stände sind am Monatsmarkt auf dem Vorplatz des Mühlefelds in Oensingen anzutreffen. Die Befürchtung, die Tage des Markts seien gezählt, ist nicht von der Hand zu weisen: Der Platz ist, abgesehen von den Standbetreibern, praktisch menschenleer.

Im Mühlefeld brummen derweil die Geschäfte. Gegen zehn Uhr sind etwa 60 Autos in der Tiefgarage zu finden, die Kundschaft zieht die Grossverteiler vor. Etwas trostlos derweil die Szenerie auf dem Marktplatz. Drei Stände, wo Kleider verkauft werden, ein Schmuckverkäufer, drei Essensstände und ein Marktstand mit allerlei Produkten sind vor Ort.

Kontinuität wichtig

Am Stand von Angelika Blaser lassen sich allerlei Süssspeisen kaufen. Von Magenbrot über Birnenbrot bis hin zu gebrannten Mandeln. Ein typisches Marktangebot also. «Für mich ist Oensingen sehr nah, deshalb komme ich gerne hier hin. Und ich habe eine gute und treue Kundschaft. Mein Stand würde den Leuten fehlen, wenn ich nicht mehr hier wäre», sagt sie.

Doch man dürfe ihr Angebot keineswegs mit anderen vergleichen. Und dies zeigt sich deutlich an diesem Morgen. Ihr Geschäft ist noch das am besten frequentierte. Die Stammkundschaft hat sie offenbar nicht vergessen. «Jetzt habe ich fast das Birnenbrot vergessen», sagt ein Kunde lachend. Ein kurzer Schwatz und es ist klar: Angelika Blaser kennt man auf dem Oensinger Monatsmarkt.

«Es ist wichtig, dass man nicht nur einmal hier ist. Eine Kontinuität wäre dem Markt zu wünschen, damit die Leute auch wissen, welches Angebot sie erwarten dürfen.» Das sieht auch Blasers Nachbarin Verena Ludwig so.

Sie verkauft an ihrem Stand Socken und ist erst das zweite Mal vor Ort. Sie möchte erst nach einem Jahr Bilanz ziehen, denn schliesslich sei es nach zwei Monaten sehr schwierig abzuschätzen, wie die Geschäfte laufen. Denn jeder Monat sei wieder anders. Momentan sei es eher ruhig, auch weil Sommerferien seien, bestätigt auch Blaser.

Rahmenbedingungen nicht optimal

Doch die Rahmenbedingungen auf dem Platz vor dem Mühlefeldzentrum seien nicht optimal: «Wenns regnet, kommt überhaupt niemand.» Dies weil der Markt nicht mehr in der halbgedeckten Einkaufsmeile des Mühlefelds stattfindet. Dies darum, weil das innere Mühlefeld in privater Hand sei und sich einige Mieter zum Teil beschwerten, dass die Kundinnen und Kunden während des Monatsmarkts fernblieben, erklärt Andreas Affolter, Leiter Verwaltung in Oensingen.

Fünf Kunden in einer Stunde

Das klingt bei Antoinette Ryf und Damian Imstepf anders. «Wir sind nun das zweite Mal hier. Letzten Monat haben wir Verlust gemacht.» Will heissen: Die Standmiete war teurer als die verkauften selbst gemachten Konfitüren und gedörrten Pilze. Schlicht zu teuer sei der Platz in Oensingen, sagt Imstepf.

Und allgemein nehme das Interesse an solchen Märkten ab, ergänzt Ryf. Im benachbarten Kleiderstand klingt der Betreiber etwas optimistischer, aber keineswegs überschwänglich. Das Geschäft laufe einigermassen, sagt er auf französisch. In einer knappen Stunde schauen sich zirka fünf Leute an seinem Stand um.

Einen positiven Verkaufsstart erlebte Adriana Huber gestern. Sie bietet gedörrte Früchte an ihrem Stand feil. «Wir sind eigentlich nur in der Zwischensaison, das heisst ausserhalb der Messen an den Märkten unterwegs», erklärt sie. Sie habe bereits zwei Kunden zufriedenstellen können an diesem Morgen.

Huber hat im klassischen Detailhandel gearbeitet, an der Arbeit auf einem Markt schätzt sie den ungezwungenen Austausch mit den Kunden. Wenn sie denn kommen: «Ich war in dieser Woche auch in Olten und letzte Woche in Zürich. Und es lief an beiden Orten nicht viel.»

Aufgabe kein Thema

Keine Ausnahme also, der Oensinger Markt? Tatsache ist, im letzten Jahr wurde er auf den wetterexponierten Platz disloziert. Durchschnittlich kamen elf Marktfahrer, im Februar 2015 waren es gerade mal sieben.

Im Juni 2015 immerhin 14. Und auch in diesem Jahr ist keine Steigerung zu sehen. Lohnt es sich überhaupt, auf diese Weise weiterzufahren? «Solange von Marktfahrern eine Nachfrage besteht, macht es keinen Sinn, den Markt nicht mehr durchzuführen», sagt Andreas Affolter.

Ein Argument, warum es sich wohl lohnen würde, jeden Monat als Marktfahrer nach Oensingen zu kommen, ist ein spezielles Zückerchen. Wer jeden Monat hier ist, hat Anrecht auf einen Stand am Zibelimäret. Drei Tage, an denen sich die weniger einträglichen Monatsmärkte etwas kompensieren lassen dürften.