Oensingen
Der Märet verändert sich — die Zibeli bleiben

Am Samstag beginnt der Zibelimäret in Oensingen. Dass es den regionalen Grossanlass noch heute gibt, ist der langen Tradition des Steckzwiebelanbaus im Dorf zu verdanken.

Sarah Kunz
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zvg

«Was ist das: Hat sieben Häut›, beisst alle Leut›?», fragte diese Zeitung vor genau 50 Jahren. Damals wussten noch alle Kinder, was damit gemeint ist. Denn wer im Herbst zu Hause aushelfen musste, dem war sehr wohl bewusst, dass man nach dem Reinigen der Steckzwiebeln von Schmutz und losen «Häut›» die Zibelikrankheit bekam, also juckende Bibeli an Armen und Händen. Welches Schulkind würde das wohl heutzutage noch wissen? Und wer weiss denn heute noch, wieso die Zibeli zu Zöpfen geflochten werden?

Vor 50 Jahren war der Zwiebelanbau in Oensingen noch weit verbreitet. «Mi hett z’Önzige immer Zibeli gha», schrieb Dorfhistoriker Werner Stoss im Jahr 2014 über die Geschichte der Zibeli in der Gemeinde. Und obwohl die Zibelikrankheit bekannt war, wurde von den Kindern erwartet, dass sie zur ersten Ausgabe des Zibelimäret vom 26. Bis 28. Oktober 1968 die Markstände und Restaurants mit den Gewächsen dekorierten. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde wurde der alljährliche Herbstmarkt umgestaltet — der Zibelimäret war geboren.

Zwiebeln als Familientradition

Der Steckzwiebelanbau hat in Oensingen eine lange Tradition. Ganze Familien widmeten sich dem Anbau und dem Verkauf. Bis in die dreissiger Jahre war man dabei auf sich allein gestellt, erst viel später wurde die Genossenschaft gegründet. Auf drei Anbaufeldern zog man die Samen, pflanzte und erntete die Zwiebeln. Auch das Jäten erfolgte damals noch von Hand und in mühsamer Arbeit grub man auf den Feldern nach den goldenen Klumpen.

Nach dem Ernten wurden die Zwiebeln zum Trocknen zu Zöpfen geflochten und in Lagerräumen aufgehängt, um die Haltbarkeit zu verlängern. Deshalb pflegt man dieses Handwerk auch bis in die Gegenwart. Nach dem Trocknen wurden die Erzeugnisse von der äusseren Hautschicht befreit und gereinigt. Dabei entstand dann auch ebengenannte Zibelikrankheit.

 Vor 50 Jahren sah es an den Marktständen noch anders aus als heute.

Vor 50 Jahren sah es an den Marktständen noch anders aus als heute.

zvg

Gründung der Genossenschaft

Der Verkauf der Zwiebeln gestaltete sich durch die Jahre hindurch schwierig. Die Bauern hatten mit Über- und Unterproduktion und somit mit immer unsteten Preisen für ihre Erzeugnisse zu kämpfen. 3.45 Franken kostete das Kilo in mageren Zeiten. Nur 1.50 Franken zur Zeit der Überproduktion.

Es ist diesem unsteten Absatz zu verdanken, dass im Jahr 1936 die «Steckzwiebelverwertungs-Genossenschaft» gegründet wurde. Diese änderte im Jahr 1946 nach einer grundlegenden Statutenrevision den Namen auf «Steckzwiebel-Anbau-Genossenschaft», kurz STAGO. Dank deren Bemühungen wird bis heute die Züchtung «Wädenswil ZEFA» in Oensingen zum Anbau verwendet.

Zibelimäret heute

Dieser Tradition wegen gibt es den Zibelimäret auch heute noch. Auch wenn der Zibelianbau schon längst nicht mehr ertragreich ist. Laut Stooss produziert nur noch Landwirt Pirmin Bobst die Zwiebeln. Und nur noch wenige Stände bieten die Zwiebelzöpfe an.

In den Jahren hat sich der Zibelimäret zu einem regionalen Grossanlass gemausert mit Holzständen, kleinen Festzelten und einem Lunapark. Aber auch wenn sich der Markt in den 50 Jahren so verändert hat, bleiben die Zibeli immer Tradition und Namensgeber.