Balsthal

Der malerische Gegenstand im Ungegenständlichen: Maja Rieder gibt Einblick in ihr Schaffen

Maja Rieder vor ihrem Werk.

Maja Rieder vor ihrem Werk.

Erstmals stellt Maja Rieder in der Galerie Rössli in Balsthal ihr Werke aus.

So einfach die Arbeiten der gebürtigen Kestenholzerin auch zu sein scheinen, umso komplexer ist doch letztendlich der malerische, formale und der gedankliche Prozess des Bildaufbaus dahinter: Maja Rieder erschafft aus Farbbalken und -bahnen sich kreuzende multiple lasierte, auf dem Andreaskreuz beruhende Systeme, die sich zu unräumlichen Räumlichkeiten und geometrischen Verschiebungen verdichten.

Das Bildprinzip scheint dabei einfach, wenn sich diese malerischen Schritte zu imaginären Bildräumen und deren undeutbaren Tiefen transformieren. Allen Werken ist dabei eins: sie entstehen in Serien und Abfolgen und deren Variationen, die Materialität des Papiers spielt eine tragende Rolle wie auch die multiple Wirkung und Richtung des lasierenden Farbauftrags, seien es Gouachefarben oder Tusche. Relevant ist zudem auch der Moment der Bildentstehung, dessen Verlauf mal konzentriert, mal spontan durch die physische Präsenz der Künstlerin geleitet wird.

Auf Holzrahmen gespanntes Papier

Die Bedeutung des Papiers also, die Farbbahnen, die sich überlagern, durchdringen, verbinden, untereinander zu geometrisch angedachten Kompositionen fügen. Eigenwillig geben sich die grossformatigen Arbeiten im ersten Raum der Galerie: Rieder spannte für diese das genässte Papier auf Holzrahmen, das beim Trocknen straff wird und so eine gewisse widerständige Plattform für die sich überlagernden, sich kreuzenden und durchdringenden Farbbalken und -verläufe bildet – diagonal, überkreuzt, dynamisch, verdichtet, dann transparent auslaufend. Der vom Holzrahmen erzeugte Rand deutet mit dem Knick eine dezente Räumlichkeit an, die das nur von Farbspritzern gezeichnete, ursprüngliche Weiss des Bildträgers zum Bildrahmen erweitert. Der Moment also, durch malerische Eingriffe ein konstruktiv angedachtes Grundsystem zu vervielfältigen, zieht sich als bildnerisches Prinzip durch das hier präsentierte Schaffen der 40-jährigen, in Basel lebenden Maja Rieder, die nach der Ausbildung zur Goldschmiedin noch den Bachelor und Master in Fine Arts an der Fachhochschule Nordwestschweiz HGK Basel absolvierte.

Variationsreiche Klaviatur eines Grundthemas

Im zweiten Raum bildet sehr dünnes Papier den Bildträger, Viertelbögen eines grösseren Ganzen. Das serielle Konzept hier illusioniert die Variabilität der den gesamten Bildraum diagonal kreuzenden Farbbahnen, allein durch die verschiedenen Modulationen der überlagerten Farben. In der seriellen Weiterentwicklung hat Maja Rieder die grossen, dünnen Papierbögen zweimal gefaltet zu einer horizontalen und vertikalen Ordnung, in deren jeweiligen konzeptuellen Viertel die Kreuzsysteme mehrfach übereinander gesetzt und abschliessend mit gelber Gouache lasierend überlagert sind. Nun bespielen allein feine Falten im Papier, die variationsreich miteinander reagierenden Farbbewegungen und  -richtungen die variationsreiche Klaviatur eines Grundthemas. Die feinen schwarz-weissen Arbeiten hingegen, feingliedrig sich in der Diagonale, aber auch Vertikale und Horizontale kreuzende, lineare Geflechte generieren sublime Tiefen, sternförmige Effekte oder textil gewebte Raster.

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