«Mir plange ufe 18. Dezember», war auf einer an der Informationsveranstaltung präsentierten Folie zu lesen. Auf dem Bild dazu waren viele Hände zu sehen, welche in die Höhe gestreckt wurden. Das erhoffen sich die Verantwortlichen der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) von den Balsthaler Stimmberechtigten am 18. Dezember, wenn an der Budgetgemeindeversammlung über den Landverkauf an die GAG abgestimmt wird.

Die zwei Parzellen für die Realisierung eines Demenzparks auf der sogenannten Hunzikerwiese haben eine Fläche von rund 16'700 Quadratmetern, sind in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen und gehören der Gemeinde. Geplant sind drei Wohnhäuser und ein Infrastrukturtrakt mit öffentlichen Bereichen (Restaurant, kleiner Einkaufsladen, Tagesraum).

Der Gemeinderat hat einen Verkaufspreis von 320 Franken pro Quadratmeter ausgehandelt. 70 Franken pro Quadratmeter davon sollen dazu dienen, dass sich Balsthal als 9. Trägergemeinde in die Genossenschaft einkauft (ohne finanzielles Risiko) und somit ihren Einfluss als Standortgemeinde im Verwaltungsrat geltend machen kann. Die Budgetgemeindeversammlung entscheidet also über einen Quadratmeterpreis von brutto 320 Franken, netto 250 Franken, was ein Verkaufserlös von rund 4,1 Mio. Franken bedeutet.

Alzheimervereinigung dabei

Nach einer kurzen Filmsequenz über das Demenzdorf «De Hogewey» in Weesp bei Amsterdam, welches als Inspiration für die Errichtung eines Demenzparks diente, eröffnete Pierino Menna, Gemeindepräsident von Balsthal, die Informationsveranstaltung. Der Demenzpark schaffe neue Arbeitsplätze und bringe einen Nutzen für die gesamte Bevölkerung, so Menna. Nadia Leuenberger, die Geschäftsstellenleiterin der Alzheimervereinigung Kanton Solothurn, verwies auf das Statement von Ernst Zingg, Präsident der Alzheimervereinigung Kanton Solothurn, welches unmissverständlich die Planung und Realisierung eines regionalen Demenzparks der GAG in Balsthal unterstützt.

Es fehlt eine Anschlusslösung

Johanna Bartholdi, Verwaltungsratspräsidentin GAG, fasste die drei Gründe für das neue Projekt so zusammen: 1. Es gibt immer mehr Menschen mit Demenz, die Nachfrage sei steigend. 2. Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen (Trisomie 21) fehlt eine Anschlusslösung (im Kt. Solothurn besteht ein Bedarf von rund 175 Plätzen). 3. Trotz einer sanften Sanierung hat der GAG-Standort «Stapfenmatt» in Niederbuchsiten eine Betriebsbewilligung nur bis 2021. Bartholdi sagte: « Sie können sicher verstehen, dass nicht nur meine Kollegen und ich aus dem Verwaltungsrat, sondern alle Mitarbeitenden, 90 Freiwillige und über 30 Lernende aus der GAG-Familie auf den 18. Dezember hinfiebern.»

Der Geschäftsleiter der GAG, Rüdiger Niederer, stellte die vier Bausteine des Betreuungskonzepts vor: das Normalitätsprinzip, das Leben in Wohngruppen, eine geeignete Infrastruktur sowie die Alltagsgestaltung. Dieses Konzept habe 2015 den nationalen Viventis-Preis für das «Beste Praxisprojekt» erhalten. «Seit 2017 sind wir permanent daran, unser Betreuungskonzept zu optimieren.

Dabei werden wir von Curaviva Schweiz (Dachverband der Alters- und Pflegeheime) wissenschaftlich begleitet», hob Niederer hervor. Das geplante Angebot im Demenzpark umfasse insgesamt 12 Wohngruppen: 7 Wohngruppen für Menschen mit Demenz, 2 Wohngruppen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, 2 Wohngruppen «Begleitetes Wohnen» sowie eine Tages- und Nachtstätte zur Entlastung der Angehörigen.

Das geplante Angebot ist für rund 78 Bewohnende ausgelegt. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie sei der Standort Balsthal als ideal befunden worden, sagte Niederer. Nach einem Ja von Balsthal zum Landverkauf, könne man mit dem Vorprojekt und dem Gestaltungsplan beginnen. Der Baustart soll 2020 erfolgen und im Verlauf von 2021 wolle man den Demenzpark in Betrieb nehmen.

Simona Caratus, Abteilungsleiterin Stapfenmatt, erzählte drei bewegende Geschichten aus ihrer praktischen Arbeit. Sie schloss ihre Erzählungen so ab: «Ich denke, wir haben mit dem neuen Betreuungskonzept einen Weg gefunden für all die Menschen, die zwar nicht mehr genau wissen, wo sie sind und wo ihr Zuhause ist, aber ganz genau wissen, wie sich das Zuhause anfühlt.»