Highland Games
Der Highlander aus Niederbuchsiten

WM-Teilnehmer Simeon Brügger will die schottischen Traditionswettkämpfe populär machen. Obwohl der 36-Jährige noch nicht lange dabei ist, durfte er diesen Monat als einziger Schweizer an der WM in den USA teilnehmen.

Raphael Wermelinger
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25,4 Kilogramm wiegt die Kugel, die Simeon Brügger an den Highland Games möglichst weit schleudern muss.

25,4 Kilogramm wiegt die Kugel, die Simeon Brügger an den Highland Games möglichst weit schleudern muss.

Roland Spielmann

Steinstossen, Hammerwerfen und Baumstammwerfen sowie Gewichtweitwurf und Gewichthochwurf: Diese fünf Disziplinen muss ein Highlander beherrschen. Der Niederbuchsiter Simeon Brügger übt die eher unkonventionelle Sporart zwar erst seit zwei Jahren aus, trotzdem ist er in der Leichtgewichtsklasse (bis 90,7 kg) bereits einer der Besten der Welt. Dank des achten Platzes an der Europameisterschaft Ende Juli in Deutschland qualifizierte sich Brügger erstmals für die Weltmeisterschaft – als einziger Schweizer.

Brüggers Begeisterung für die Highland Games wurde durch seine Frau geweckt. Sie wollte schon immer Dudelsack spielen und hat vor knapp vier Jahren schliesslich damit begonnen. «Kennen sie die Tröten aus der alten KitKat-Werbung? Genau so hat es am Anfang geklungen», scherzt er, um sofort stolz nachzuschieben: «Sie wurde sehr schnell sehr gut und war sogar Schweizer Meisterin im Dudelsackspielen bei den Anfängern.» Mit der Band habe seine Frau dann oft Auftritte an Highland Games gehabt.

Am Anfang sei er noch der Wasserträger der Band gewesen. «Das war mir aber zu langweilig. Was die Highlander können, das kann ich auch», habe er sich gedacht. Nachdem er seinen ersten Wettkampf nicht auf dem letzten Platz beendet hatte, habe es ihn endgültig gepackt.» Für Brügger sind die Highland Games nicht einfach nur Spiel und Spass: «Ich hatte schnell Ambitionen. Ich will die schweren Gewichte, das war mir sofort klar.» Vorher hatte er einige Jahre gar keinen Sport betrieben, davor war Brügger ein leidenschaftlicher Kletterer.

«Ich bin ein Macher»

Bei den Highlandern gibts keine Vereine, man spricht von Clans. Jeder Wettkämpfer muss einem Clan angehören. Brügger gründete kurzerhand seinen eigenen: die Black Sheep Highlanders aus Niederbuchsiten. «Ich bin ein Macher und reisse die Sachen gerne an mich, das ist mein Naturell», begründet er. Mittlerweile existiert der Clan der schwarzen Schafe seit anderthalb Jahren und zählt aktuell rund zwanzig Mitglieder. Das Training findet jeweils am Mittwochabend auf der Rinderweid beim Schützenhaus in Hägendorf statt. Wer weiterkommen will, muss mehr Zeit investieren. «Im Sommer trainiere ich im Schnitt zweimal pro Woche, im Winter einmal. Dafür bin ich im Winter bis zu fünfmal pro Woche im Kraftraum», schildert Brügger.

Von Schottland bis Birmensdorf

Die Highland Games waren ursprünglich Bestandteil der Treffen der Clans in den schottischen Highlands. Es sind traditionelle Veranstaltungen mit sportlichen Wettkämpfen. Die wichtigsten Disziplinen sind Baumstammwerfen, Steinstossen, Gewichthochwurf, Gewichtweitwurf und Hammerwerfen. Weltweit werden Highland Games von der International Highland Games Federation (IHGF) organisiert, die erste Weltmeisterschaft fand 1980 statt. Aktuell gibt es in der Schweiz rund ein Dutzend Klans und acht Highland-Games-Wettkämpfe, die als Qualifikation für die Schweizer Meisterschaft zählen. Zudem gibt es etliche kleinere Highland Games, Anzahl steigend. Die Schweizer Meisterschaft 2016 findet an diesem Wochenende in Birmensdorf statt. Der nächste Clan in der Region ist derjenige der Black Sheep Highlanders aus Niederbuchsiten (www.black-sheep-highlanders.ch). (RAW)

Der Plattenleger kehrte am letzten Samstag von einer einmonatigen Reise zurück, auf der die Highland Games eine zentrale Rolle spielten. Zuerst unternahm er mit seiner Frau einen zweiwöchigen Roadtrip durch Schottland, das Mutterland dieses Sports. Brügger besuchte einen Highlander, den er an einem Wettkampf kennen gelernt hatte. «Mit ihm absolvierte ich ein paar letzte Trainingseinheiten vor der Weltmeisterschaft», so Brügger. «Und gemeinsam stellten wir unsere Sportart an einer Schule den Kindern vor, das hat sehr viel Spass gemacht.» Sein Kollege plane nämlich den Aufbau einer Nachwuchsliga, denn die Schotten haben in «ihrer» Sportart den Anschluss verloren. An der WM in Idaho am 8. und 9. Oktober war nur ein Schotte am Start, und der belegte den letzten Platz.

Wie ein Rockstar behandelt

Die Weltmeisterschaft war denn auch Simeon Brüggers nächstes Ziel. Nach einem kurzen Zwischenhalt daheim, «um die Kleider zu waschen», gings weiter in die USA. «Das Land ist einfach nur geil», schwärmt Brügger. «Wir Athleten wurden dort wie Helden empfangen.» Hotel, Verpflegung und Transfers: Vom Donnerstag bis Montag wurde den Highlandern alles bezahlt. «Die Kinder dort schauten uns mit grossen Augen an, ich kam mir vor wie ein Rockstar», lacht Brügger. «Die Veranstalter scheuten keinen Aufwand, alles war perfekt organisiert.»

Nur mit seinen Leistungen war er nicht so ganz zufrieden. In seiner Paradedisziplin, dem Hammerwerfen, blieb er drei Meter unter seiner Trainingsweite: «Das hat mir den Top-10-Platz gekostet. Im Vergleich zur Konkurrenz bin ich zwar in keiner Disziplin abgefallen, hatte aber leider auch keinen Ausreisser nach oben.» Brügger beendete den Wettkampf schliesslich auf dem 12. Platz. «Für die erste WM-Teilnahme eigentlich ganz ordentlich», so sein Fazit.

Simeon Brügger will in den nächsten Jahren nicht nur zur Weltspitze aufschliessen, sondern den Sport der Highlander in der Schweiz populär machen. Sein erster Erfolg: Dank seines Engagements wird die EM 2017 in der Schweiz stattfinden. Vom 14. bis 16. Juli messen sich die besten Highlander Europas in Kestenholz. «Wir sind schon voll an der Planung dran, der Sport braucht diesen Einsatz in der Schweiz», ist Brügger überzeugt. Damit ein möglichst breites Publikum angesprochen werden kann, soll es nebst den eigentlichen Highland Games noch viele weitere Attraktionen geben: Einen Mittelalter-Markt, Abendunterhaltung mit diversen Bands, gar Helikopter-Rundflüge und eine kleine Gewerbeschau schweben ihm vor. «Es wird nicht einfach sein, die breite Masse für eine noch unbekannte Sportart zu mobilisieren», weiss er. Trotzdem ist er zuversichtlich: «10 000 bis 15 000 Zuschauer auf drei Tage verteilt, das wäre richtig geil.»