Die Schälismühle war sein ehemaliges Wohnhaus, und in Olten trägt eine Strasse seinen Namen: Adam Zeltner (1605 bis 1653), ab 1642 Untervogt für fünf Gemeinden im Gäu und später «Landeshauptmann» der Solothurner Bauern. Hingerichtet in Zofingen. Seine Biografie bietet Stoff für Heldensagen.

Doch für Helden interessiert sich Autor und Regisseur Christoph Schwager nicht. Es ist vielmehr die Zerrissenheit von Adam Zeltner zwischen Loyalität zur Solothurner Regierung und Solidarität mit den Bauern, welche die Inszenierung hervorhebt. Ein Clinch, der Taktieren erfordert und der Zeltner schliesslich das Leben kostet.
Ein historischer Stoff ist für Christoph Schwager dann relevant, wenn er Bezug zur Aktualität hat. Und diesen setzt er in der aktuellen Inszenierung explizit: Die Szenen-Bilder des Schlachtengetümmels mit historischen Waffen und Kostümen werden immer wieder eingefroren, und eine kritische Stimme aus dem Off baut eine gedankliche Brücke zum Hier und Jetzt, zu Krisenherden und Flüchtlingsströmen.

In «Adam Zeltner – ein Leben zwischen Mühlen» erleben die Zuschauerinnen und Zuschauer eine spannende Geschichtsstunde. Das Publikum wird ins 17. Jahrhundert versetzt: Die Folgen des Dreissigjährigen Krieges lassen das Einkommen der Schweizer Bauern schrumpfen. Die Kantonsregierungen sind nicht bereit, die Steuern zu senken. Die Unzufriedenheit wächst, ebenso die Bereitschaft zur Auseinandersetzung, die letztlich zum Bauernkrieg führt. Diese Situation zieht viel Elend nach sich. Symbolisiert wird dies durch den «Chor der Geschundenen». Unter der Leitung von Sarah Studer, Olten, verstärken die Sängerinnen und Sänger Emotionen durch prägende Gesangseinlagen. Als «fremdes Pack», Ausgestossene und Mittellose erinnern sie in beklemmender Weise daran, dass einst Schweizerinnen und Schweizer, mittel- und heimatlos, um Hilfe betteln mussten.

«Adam Zeltner – ein Leben zwischen Mühlen» ist eine lebendige, dynamische Aufführung, welche die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zieht. Leichtigkeit und Schwere halten sich die Balance. Das Laienensemble zeigt kraftvolle Präsenz. Theaterneulinge und «alte Hasen» formieren sich zum eingespielten Ensemble. Erstmals auf der Bühne und schon in einer Hauptrolle zu sehen, meistert Beat Häni seinen Part als Adam Zeltner bravourös. Und Regula Wirth, in der Rolle der zweiten Ehefrau Zeltners, hält in ihrer Zusatzfunktion als Erzählerin die Fäden subtil in der Hand.

Immer wieder entwickeln sich in der Aufführung Überraschungsmomente, etwa wenn «die Regierung» (Kläri Winiger) überhöht, würdig und geradezu erstarrt auf einer Art Riesensockel herangerollt wird. Für amüsante Einschübe sorgen der starrköpfige Knecht Dursli (Ruedi Dutli) mit Magd Käthle (Katharina Menin) und die deutschen Investoren Charlotte (Melanie Hauri) und Helmut Huttenlocher (Daniel Joss), welche die eigenwilligen Bauern in untertänig scharwenzelnde, hochdeutsch brabbelnde Verkäufer verwandeln.

Weder bei Bühnenbild, Requisite, Maske noch bei den Kostümen wurde der Aufwand gescheut. In einer bemerkenswerten Traumsequenz, die Adam Zeltner erlebt, entfaltet sich die ganze Szenerie: Biografisches und Politisches durchmischt sich auf irreale Weise. Die erste Ehefrau (Angelika Hammer) steigt aus dem Grab und greift nach Zeltner ebenso wie die jetzige Angetraute. Solothurner Regierung und Bauernvolk, Wohlgesinnte und Feinde reissen ihn hin und her. Ein Albtraum, der ein böses Erwachen zur Folge hat.

Am Ende wird der Gutmensch Adam Zeltner trotz Fürsprache der Solothurner Regierung enthauptet. Eindrücklich die letzten Bilder der Aufführung, wieder begleitet vom Chor: Die Witwe steht – wie Tausende vor ihr – am Grab des geliebten Menschen, voller Schmerz und mit zahllosen unbeantworteten Fragen. Und dennoch gelingt dem Stück am Ende ein versöhnlicher Ausklang, der die Tür öffnet für den Geist der Mitmenschlichkeit.

Aufführungen (gedeckte Zuschauertribüne) bis 12. September 2015, Vorverkauf: Telefon 079 450 50 20 oder online. Mehr Infos: www.gaeuer-spielleute.ch.