Schönenwerd
Der Gewerbetreff findet bei einem der grössten Arbeitgeber im Dorf statt

Der fünfte Schönenwerder Gewerbetreff fand bei der Firma Schenker Storen statt. Den Anwesenden wurde die Produktion erklärt; CEO Werner Held ging auf die Struktur des Unternehmens ein. Gastreferent war Georg Berger, Direktor des BBZ Olten.

Raphaela Glättli-Gysi
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Georg Berger referierte, Werner Held stellte das Unternehmen vor und Gemeindepräsident Peter Hodel hatte eingeladen (v.l.). Bruno Kissling

Georg Berger referierte, Werner Held stellte das Unternehmen vor und Gemeindepräsident Peter Hodel hatte eingeladen (v.l.). Bruno Kissling

Bruno Kissling

Die Gewerbetreibenden von Schönenwerd hatten sich am Freitag vor dem Neubau der Firma Schenker Storen versammelt. Gemeindepräsident Peter Hodel konnte auch einige Gemeindepräsidenten der umliegenden Gemeinden beim grössten Arbeitsgeber im Dorf begrüssen. Just in dem Moment, als Werner Held, CEO der Schenker Storen, zur Begrüssung ansetzte, stellten die Lamellenstoren im Verwaltungsgebäude auf den geschlossenen Nachtmodus. «Sie sehen, die Storen von Schenker Storen funktionieren», sagte Werner Held, und der eine oder andere Gewerbetreibende war sich sicher, dass der CEO die Fernbedienung für die Storen in der Hosentasche trage.

Führung durch den Betrieb

Am besten erhalte man einen Einblick in die Produktion, wenn man durch den Betrieb geführt werde, so Held. Fünf Mitarbeiter nahmen dann die Gewerbetreibenden in Empfang. Theo Zulauf, Verantwortlicher für das Programm und die Schulung der Guides, führte auch eine Gruppe durch die Lamellenproduktion, welche die grösste Abteilung innerhalb des Betriebes ist. Gearbeitet werde im Dreischicht-Betrieb, auch samstags. Es werden 13 Produkttypen in Schönenwerd produziert. Pro Woche würden bis zu 20'000 Quadratmeter Raffstoren hergestellt. Pro Jahr seien es etwa 250'000 Stück Storen, sogenannte Behänge, erklärte Zulauf. Im ganzen Betrieb arbeiten rund 145 Festangestellte und, je nach Saison, bis zu 110 temporäre Arbeitskräfte.

«Zurzeit ist gerade Hochsaison, diese dauert noch an bis Ende Jahr», fügte Theo Zulauf an. Das hänge auch von der Witterung ab; bei kalten Temperaturen und Schnee etwa könnten die Gipser nicht arbeiten. Auf dem Durchgang durch die Lamellenproduktion zeigte Zulauf, wie die Lamellentypen konfektioniert und profiliert werden, wie die Endschienen hergestellt werden, die Textbänder in die Lamellen gezogen und die Rahmen für die Storen hergestellt werden. Jede der zehn Produktionsstrassen besteht aus Haspel-, Stanz- und Trennautomat, Profilierautomat, Bolzenautomat, Stapler und Einschiesser. Jede Strasse kostet etwa 1,5 Mio. Franken.

Rund fünf Prozent der produzierten Lamellenstoren gingen in den Export, auch nach Übersee gäbe es Lieferungen, fügte Zulauf an. Viele der Maschinen in der Produktion werden von Zaugg Maschinenbau hergestellt. Die abschliessenden Arbeitsvorgänge, etwa die Kontrolle der einzelnen Behänge, geschehen immer noch in Handarbeit und verlangen von den vorwiegend Frauen viel Erfahrung und Präzision.

Unternehmensstruktur erläutert

CEO Werner Held erläuterte im zweiten Teil die Struktur des Unternehmens seit dem Bau der ersten Fabrik 1905. Seit 1991 werden sämtliche Stoffstoren in Frankreich produziert, 2011 habe man die Firma Ehret aus dem deutschen Mahlberg zugekauft, seither werde auch dort produziert. Seit 1975/76 die Z-Lamellenstore, welche 90 Prozent der bestellten Storen ausmache, auf den Markt gekommen sei, sei die Firma Schenker Storen marktführend. 2012 habe man 70'000 Aufträge verbuchen können, fügte Held nicht ohne Stolz an.

«Wir haben praktisch alle Umweltzertifikate, die man haben kann, jetzt wollen wir das Energiemanagement zertifizieren lassen», sagte Werner Held. Seit drei Jahren sei man CO2-befreit, habe zum Beispiel Ölheizungen durch Grundwasser-Wärmepumpen ersetzt. Die ganze Abfallentsorgung für die 37 Schweizer Standorte passiere hier in Schönenwerd.

Stärkung der dualen Berufsbildung

Im dritten Teil sprach Georg Berger, Direktor des Berufsbildungszentrums Olten (BBZ), über die vielfältigen Möglichkeiten, die Schulabgänger heute haben. In der Berufsbildung werde den Schulabgängern das praktische Wissen in einem Betrieb vermittelt, zugleich werden sie so sanft in den Arbeitsmarkt eingeführt. Zurzeit würden etwa 81 000 Schulabgänger eine Berufslehre absolvieren, 28 000 würden sich für eine Mittelschule entscheiden. Im Kanton Solothurn schliessen jedes Jahr elf Prozent mit einer Berufsmaturität ab, noch liege man damit hinter der Gymnasialen Maturitätsquote von 15 Prozent.

Die Maturanden hätten heute so viel mehr Möglichkeiten, man könne heute auch über ein praktisches Jahr von der Berufsmaturität an eine Hochschule gelangen. Die Stärken der Höheren Berufsbildung seien der Bezug zum Arbeitsmarkt, sie sei durch die Wirtschaft gesteuert und es bestehen Möglichkeiten einer individuell angepassten beruflichen Weiterbildung. Dass die höheren beruflichen Bildungen international noch nicht überall anerkannt seien, sei noch ein Schwachpunkt. Man arbeite aber intensiv mit ausländischen Hochschulen zusammen.

Peter Hodel bedankte sich anschliessend noch bei allen Gewerbetreibenden: «Sie schaffen wertvolle Arbeits- und Ausbildungsplätze». Danach waren alle Gäste zum von der Schenker Storen offerierten Apéro geladen.