Oensingen

Der geplante Grosskreisel: Ein Luxus oder die «bestmögliche Lösung»?

In Oensingen soll der Knoten Dünnernstrasse-Nordringstrasse-Werkhofstrasse umgestaltet werden. Kernstück des Gesamtprojekts ist ein 4-astiger Kreisel mit einem Durchmesser von rund 70 Metern (siehe Grafik unten). Rechts im Bild ist der Vebo-Knoten zu sehen.

In Oensingen soll der Knoten Dünnernstrasse-Nordringstrasse-Werkhofstrasse umgestaltet werden. Kernstück des Gesamtprojekts ist ein 4-astiger Kreisel mit einem Durchmesser von rund 70 Metern (siehe Grafik unten). Rechts im Bild ist der Vebo-Knoten zu sehen.

Mit einem Kreisel im Knoten Dünnernstrasse-Nordringstrasse-Werkhofstrasse soll Oensingen verkehrstechnisch entlastet werden. Die Meinungen der Bevölkerung über den geplanten Grosskreisel gehen am Info-Anlass auseinander.

«Im Gäu entsteht der grösste Kreisel des Kantons», titelte diese Zeitung vor knapp einer Woche. Dementsprechend gross war das Interesse der Oensinger Bevölkerung an der Infoveranstaltung. «Unsere Strassen, vor allem die Hauptstrasse, sind zu Stosszeiten derart verstopft, dass die Fahrt durch unser Dorf schon mal eine Stunde dauern kann.

Eine Entlastung ist deshalb dringend notwendig», erklärte Gemeindepräsident Fabian Gloor zu Beginn der Veranstaltung, die rund eineinhalb Stunden dauern wird. «Damit wollen wir Lebensqualität schaffen und erhöhen.» Neben einer Entlastungsstrasse, die um die Gäuer Gemeinde führt, sollen ein neuer Autobahnzubringer inklusive Lichtsignalanlage und ein Kreisel entstehen. Hauptpunkt an der Infoveranstaltung bildete der Kreisel.

Ingenieur Rolf Riechsteiner präsentierte zu Beginn nochmals die Details: Der Kreisel soll einen Durchmesser von 70 Metern haben und zweispurige Ein- und Ausfahrten beinhalten. In der Ost-West-Richtung wird er Bestandteil der Entlastungsstrasse, die von Oberbuchsiten nach Niederbipp führt. In der Nord-Süd-Richtung soll er die Industriezonen verbinden.

Dies alles ist zudem Teil des Sechs-Spur-Ausbaus der Autobahn A1 zwischen Lauterbach und Härkingen, der ab 2022 in Angriff genommen werden soll. Die Kosten für den Kreiselbau belaufen sich auf 15 bis 20 Millionen Franken, wie Gemeindepräsident Gloor berichtete. In fünf Jahren soll gestartet werden.

Gemeinde Oensingen muss keine Vorfinanzierung leisten

Dass dem Verkehrschaos und dem drohenden Kollaps entgegengewirkt werden muss, ist der Bevölkerung bewusst. Das «Wie» ist die entscheidende Frage: «Ich würde einen Kreisel eher beim Autobahnzubringer erwarten und eine Lichtsignalanlage beim Knoten Mitte», meinte eine Anwohnerin.

Ingenieur Rolf Riechsteiner: «Es wurden verschiedene Lösungen überprüft. Unter anderem auch eine Lichtsignalanlage. Zusammen mit Experten des Bundes und des Kantons sind wir zum Entschluss gekommen, dass ein Kreisel die bestmögliche Lösung darstellt.»

Kreisel Oensingen

Kreisel Oensingen

Sorgen macht auch die Finanzierung. Gleich mehrere Oensinger meldeten sich diesbezüglich zu Wort: «Mich dünkt das eine Luxusvariante», meinte einer. «Wie kann die Gemeinde dies finanzieren?», fragte ein anderer. Dazu Gemeindepräsident Gloor: «Der Kreisel wird Bestandteil einer Kantonsstrasse.

Somit ist der Kanton der Bauherr und übernimmt die Finanzierung. Die Gemeinde wird sich höchstens mit einem Anteil von 20 Prozent daran beteiligen müssen. Das wären um die vier Millionen Franken.» Auch eine Vorschussfinanzierung werde die Gemeinde nicht gewähren, so Gloor weiter.

Viele kritische, aber dem Projekt nicht abgeneigte Stimmen

Zu Reden gaben auch der Langsamverkehr und die Fussgängerwege. Diese werden beim Vebo-Knoten nach wie vor über die Strasse geleitet. Beim Kreisel Mitte entsteht eine Unterführung für Velofahrer und Fussgänger. «Den neuen Kreisel kann man sich als Unterlegscheibe vorstellen, die auf die Strasse gelegt wird», erklärte Andreas Affolter, Leiter Bau der Einwohnergemeinde Oensingen.

Im Klartext bedeutet dies, dass der Kreisel in der Mitte offen sein wird und so auf die Dünnern und den Langsamverkehr heruntergeblickt werden kann. Die meisten Bewohner äusserten sich kritisch, dem Projekt aber nicht abgeneigt. Bis auf eine Person: «Dieser Planungsirrsinn funktioniert nicht.

Damit erfolgt eine Verschlechterung der Verkehrssituation», meinte ein sichtlich aufgebrachter Anwohner. Die anwesenden Vertreter der Behörden reagierten kommentarlos, da die Notwenigkeit und Funktionsfähigkeit bereits vorgängig erläutert wurde, und akzeptierten die Meinung des Anwohners.

Seit Mittwoch läuft die öffentliche Mitwirkung, in welcher die Bevölkerung bis zum 19. März Eingaben machen kann. Vom 26. März bis zum 24. April erfolgt die 30-tägige öffentliche Auflage des Erschliessungsplans. In dieser Phase können Einsprachen eingereicht werden. Im Anschluss geht das Projekt zum Kanton, namentlich zum Solothurner Regierungsrat, der darüber entscheidet.

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