Neuendorf
Der Gäuer Seniorenjass hat seine Wurzeln im Thal

Das beliebte Jassturnier in Neuendorf wurde 1995 nach Welschenrohrer Vorbild von Karl Pfluger lanciert, Geburtshelfer war Mathé Fluri, der 1981 im Thal sein erstes selbst oganisiertes Jassturnier für Senioren durchführte.

Erwin von Arb
Drucken
Teilen
Maria Marbet (rechts) nimmt mit ihrem Mann Franz die Namen der Turnierteilnehmer auf.

Maria Marbet (rechts) nimmt mit ihrem Mann Franz die Namen der Turnierteilnehmer auf.

«Hoi Rösli, schön dich wieder hier zu haben», sagt Franz Marbet zur rüstigen Seniorin, die soeben den «Kreuz»-Saal betreten hat. Rösli Studer, wie die 90-jährige Kestenholzerin mit vollem Namen heisst, ist eine von rund 100 Rentnerinnen und Rentnern, die jeweils am zweiten Mittwochnachmittag im Monat nach Neuendorf pilgern, um am Gäuer Seniorenjass teilzunehmen. Marbet kennt sie fast alle mit Namen und weiss deshalb, dass Rösli Studer ein versierte Jasserin ist, die auch schon ein vom TCS lanciertes Turnier gewonnen hat.

Am Gäuer Seniorenjass habe sie in den letzten 15 Jahren nur ein einziges Mal gefehlt, sagt Rösli Studer nicht ohne Stolz. Jassen sei ihr Hobby, das sie unter der Woche auch mit drei Frauen pflege. «Wir fahren zusammen auch nach Welschenrohr, um am dort monatlich einmal durchgeführten Jassturnier mitzumachen.»

Zu Gast aus Welschenrohr ist in Neuendorf auch Mathé Fluri, der Geburtshelfer des Gäuer Jassturniers. Der 86-Jährige führte 1981 im «Rössli» in Gänsbrunnen das erste Jassturnier für Senioren durch. Später holte er das Turnier nach Welschenrohr ins «Kreuz». Dort besuchte ihn 1995 Karl Pfluger aus Neuendorf. «Er fragte mich, ob ich ihm helfen könne, solch ein Turnier in Neuendorf durchzuführen», erinnert sich Fluri.

Noch im selben Jahr wurde der Gäuer Seniorenjass ins Leben gerufen. Als Spielleiter konnte der 2006 verstorbene Karl Pfluger damals Franz Marbet und Otto Büttiker gewinnen. Bei der Premiere leistete Mahé Fluri den Gäuern noch Schützenhilfe, danach nahmen diese das Heft selbst in die Hand.

In den Anfangszeiten war der Gäuer Seniorenjass nicht so erfolgreich. «Damals kamen nur etwa 20 bis 30 Personen an die Turniere», berichtet Maria Marbet, die ihren Mann bei der Arbeit als Turnierleiter mit Rat und Tat unterstützt. Dazu gehören auch das Ausfüllen der Standblätter der Teilnehmenden sowie der Einzug des Spieleinsatzes im Betrag von 10 Franken. Die Spieleinsätze werden fast vollumfänglich in Form von Barpreisen an mindestens die Hälfte der Turnierteilnehmer wieder ausgeschüttet, wie Franz Marbet bemerkt. Dem Sieger winken 50 Franken.

In den 18 Jahren seines Bestehens hat sich der auch von der Pro Senectute unterstützte Gäuer Seniorenjass zu einem Grossanlass gemausert. Über 100 Jasserinnen und Jasser gehören mittlerweile zum Standard. Gelegentlich müssen die räumlichen Kapazitäten im Restaurant Kreuz gänzlich ausgereizt werden, wie Wirtin Marlies Marbet zu berichten weiss. «Wir hatten auch schon 140 Leute. Restaurant, Säli und Kegelbahn waren bis auf den letzten Platz besetzt», so die 71-Jährige. Für das «Kreuz» sei der Gäuer Seniorenjass natürlich ein Segen, den man zu schätzen wisse. Ein wenig Stress kommt allerdings jeweils beim Anservieren vor dem um 14 Uhr beginnenden Turnier auf, wie Serviceaushilfe Anita Heim bemerkt. Bestritten werden die Jassnachmittage jeweils mit zwei Servicekräften. «Das ist ausreichend», so Wirtin Marlies Studer.

Der Erfolg des Gäuer Seniorenjasses ist auch nach fast 20 Jahren ungebrochen. Inzwischen kommen auch Leute aus dem Oberaargau, Olten und dem Niederamt ins Gäu, um ihrem Hobby zu frönen. Darunter auch Ernst Ryf, der Co-Leiter der Schönenwerder Seniorenturniers, welches vor fünf Jahren nach demselben Muster auf die Beine gestellt wurde. «Als Turnierleiter komme ich selbst nicht zum Jassen, darum hin ich hier», sagt der 74-jährige Ryf. Zum ersten Mal dabei ist der ehemalige Niederbuchsiter Posthalter Bruno Henzirohs. «Ich wollte schon lange einmal wissen, was hier abgeht», sagt der 77-Jährige. Bereits seit Jahr dabei ist Esther Gunzinger aus Olten. «Mir gefällt es hier und nun hoffe ich auf gute Karten», meint die 72-Jährige.

Turnierleiter Franz Marbet nimmt das nicht nachlassende Interesse Gäuer Seniorenjass mit Freude zur Kenntnis. Sorgen bereitet ihm allerdings, dass noch keine Nachfolgeregelung für die von ihm und seiner Frau wahrgenommene Turnierleitung gefunden werden konnte. «Es wäre wirklich schade, wenn dieser Anlass deswegen aufgegeben werden müsste, vor allem wegen der Seniorinnen und Senioren, die sich hier begegnen und miteinander einige schöne Stunden verbringen können», sagt der 83-Jährige nachdenklich. Marbet hofft, dass sich in ein bis zwei Jahren eine Lösung findet. «So lange werde ich weiter machen.»