Laut und oft hört man Klagen über das Schwinden der echten, währschaften Beizen. Nun erreicht uns aus Matzendorf eine Rettungsmeldung. Es hat eine bewegte Geschichte hinter sich, das «Rössli» an der Rehgasse.

Im letzten Jahrzehnt wechselten im Gasthaus die Pächter und die Konzepte so oft wie anderswo die Schiefertafeln mit dem Tagesmenü. Zuletzt stand türkischer Fast Food auf der Karte.

Das Angebot floppte. Und nun das: Dreimal haben wir das Lokal besucht, dreimal war die Gaststube beinahe bis auf den letzten Platz besetzt. An den Tischen zufriedene Gesichter, der Betrieb brummt.

Warum nur? Gibt es im «Rössli» ein neues Konzept? Oder eine neue Küche? «Nein», sagt Wirtin Daniela Chondros-Gerber und lächelt. «Das ‹Rössli› soll wieder die gutbürgerliche Beiz sein, die es einmal war.»

Wie ists in einem halben Jahr?

Rückbesinnung ist angesagt, seit Gastgeberin Chondros und ihr Partner, der Koch Urs Moser, das Lokal Mitte Januar wiedereröffnet haben. Offenbar mit Erfolg: «Der Betrieb ist besser angelaufen, als wir uns das je ausgedacht haben», freut sich Moser.

Allerdings warnt er vor zu viel Hochmut: «In einem halben Jahr wird sich zeigen, ob die Gäste auch wiederkommen.» Das Wirtepaar weiss, wie das Gastro-Geschäft funktioniert. Moser stand schon in vielen Restaurants in der Region hinter dem Herd, Chondros arbeitete jahrelang im Service. Und: Sie ist in Matzendorf aufgewachsen, kennt deshalb das Dorfleben, die Einheimischen und natürlich deren Befindlichkeiten.

Ein Treffpunkt für das Dorf

Wer in den offenen Gastraum tritt, findet sich in einer Mischung aus heimeliger Gemütlichkeit und Frische wieder. Chondros und Moser haben den Raum sanft renoviert und hier und dort einen Akzent gesetzt. Blumen und farbige Tischtücher bilden einen Kontrast zu den massiven Holztischen und dem dunklen Parkettboden. Reichlich unprätentiös.

Dazu passt die «Rössli»-Speisekarte. Es gibt zwei, drei Mittagsmenüs, eine kleine Karte am Nachmittag und deftige Speisen wie Urs Mosers hausgemachte Spiessli. Gekocht wird konsequent gutbürgerlich.

Oft landen althergebrachte Gerichte auf den Tellern; ein saurer Mocken etwa. «Gerichte, die in einer Dorfbeiz halt einfach dazugehören», erklärt Moser. Allerdings stehen auch leichtere Alternativen wie Sbrinz-Ricotta-Ravioli zur Auswahl.

Besonders stolz ist Moser auf seine Plättli mit Thaler Spezialitäten und die grosse Rösti-Auswahl. Die Kartoffeln bezieht er bei einem Bauern im Dorf. Auch das Brot, das Fleisch und die Eier stammen von Matzendörfer Betrieben.

«Wir haben den Anspruch, regional und saisonal zu kochen», sagt Daniela Chondros. Im «Rössli» scheint tatsächlich der Geist des Aufbruchs zu wehen. Man wolle den Matzendörfern einen sozialen Treffpunkt bieten, meint die Wirtin. «Eine vornehme Aufgabe.»

Ruhetage sind Dienstag und Mittwoch.