Dorfplatz Erlinsbach SO, am Donnerstag, kurz nach 13 Uhr: Mitarbeiter des Kreisbauamts II waren dabei, den Dorfbrunnen freizuschaufeln. Schon zuvor waren Löcher unter dem Brunnen hindurchgegraben worden, um die Traggurtschlaufen später unten durchziehen zu können.

Der Brunnen wurde demontiert, weil er Schwertransporten weichen muss, wie Theo Frei, Leiter Kreisbauamt II des Amts für Verkehr und Tiefbau (AVT) festhielt. Der Stüsslinger Bildhauer und Steinmetz Urs Wittmer liess ihn in sein Atelier bringen. Dort wird er im Verlaufe des Jahres restauriert, wie Wittmer vor Ort erklärte. «Der Brunnentrog wird dabei möglichst im Originalzustand belassen. In erster Linie müssen Risse aufgefüllt und Unebenheiten geglättet werden. Zudem werden die Zementteile entfernt», so Wittmer.

Später – laut Gemeindepräsident Markus von Arx wohl nächstes Jahr – wird der Dorfbrunnen wieder auf dem Dorfplatz installiert, aber weiter hinten, da die Kreuzung eingangs Dorfplatz in einen Kreisel umgebaut wird. Mit dem Dorfbrunnen wurde auch die davor stehende Stange mit dem Verkehrsschilderwald entfernt; sie wird später in die Aarauerstrasse rückversetzt.

Platz machen für Stadler Rail

Auslöser der Demontage sind diverse Schwertransporte, wie Theo Frei weiter mitteilt. Kommende Woche werde die Firma Friderici Spezialtransporte einen Generator vom Rheinhafen in Muttenz zur Firma Alstom transportieren; dies mit einer Gesamtlänge von 70 Metern und einem Gesamttransportgewicht von 500 Tonnen. – Von zirka Anfang August bis Mitte September werde die Firma Emil Egger AG pro Woche zwei Eisenbahnwagen (14 insgesamt), die nach Russland verkauft werden, von der Firma Stadler Altenrhein AG in Altenrhein SG zum Auhafen in Muttenz BL transportieren.

Diese Transporte sind je 50 Meter lang, haben eine Breite von 4,20 Metern, eine Höhe von 5,15 Metern und ein Gesamtgewicht von je 128 Tonnen.

Über Amsterdam in die Ostsee

Wie Martin C. Rüedi, Senior Traffic Manager Spezialtransporte Aeroexpress bei der Stadler Altenrhein AG erläutert, verläuft die Transportroute von Altenrhein über Solothurner Gebiet zum Auhafen. Von dort werden die Wagenkasten für Triebzüge der russischen Privatbahn «Aeroexpress» für jeweils einen Triebzug nach Amsterdam, danach auf einem Küstenmotorschiff nach Sassnitz (Insel Rügen) verschifft. In Sassnitz werden die Wageneinheiten zum fertigen Triebzug formatiert und gekoppelt.

Mit der grössten Seefähre auf der Ostsee, der «Petersburg» werden die Züge dann nach Klaipeda (dem früheren Memel) in Litauen gebracht und reisen danach, auf eigenen Rädern rollend, in das Werk Stadler Minsk, wo die letzten Inbetriebsetzungsarbeiten und die nötigen Testfahrten durchgeführt werden. «Wir müssen die Bahnwagen auf der Strasse und per Schiff transportieren, weil die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion Breitspur-Gleise von 1,526 Metern aufweisen.

Unser europäisches Netz ist mit seinen 1,43 Metern Breite nicht kompatibel. Ausserdem sind deren Wagen 3,4 Meter breit, unsere nur 2,85 Meter. Zudem müssen wir die Waggons bis Basel ohne Stromdrehgestelle transportieren, weil die Komposition sonst zu hoch wäre», erläutert Rüedi den Grund und die Begleitumstände für diese komplizierten Transporte.

«Dies sind ausserordentlich lange Ausnahmetransporte, wie wir sie noch nie hatten, und somit muss der Brunnen zum ersten Mal wegen eines Transports auf dieser Eidgenössischen Ausnahmetransportroute Typ I entfernt werden», ergänzt Frei, der detailliert angab, welche Route der Transport in der Region nimmt: Von Aarau her kommend, fahren die Kompositionen geradeaus auf den Erlinsbacher Dorfplatz, biegen rückwärts in die Hauptstrasse aus und fahren dann auf der Gösgerstrasse via Niedergösgen, Obergösgen, Winznau, Olten, Wangen, Rickenbach, Hägendorf, Egerkingen, Oensingen, Balsthal und Holderbank immer auf der Kantonsstrasse, und dann gehts über den oberen Hauenstein hinunter an den Rhein.

Kosten werden aufgeteilt

Zurück zum Erlinsbacher Dorfbrunnen: Die Kosten für dessen Demontage, den Transport nach Stüsslingen ins Atelier Wittmer und zurück nach Erlinsbach SO nach der Restauration sowie für die Montage – insgesamt rund 14 000 Franken – teilen sich die beiden Transportunternehmen Emil Egger AG und Friderici Spezialtransporte, und später natürlich die Auftraggeber, die Stadler Altenrhein AG und die Alstom.

Die Kosten für die Restauration des rund 4,5 Tonnen schweren, 4,9 Meter langen, ein Meter breiten und 55 Zentimeter hohen Brunnentrogs selber – rund 3500 bis 4000 Franken – sowie die Kosten für einen neuen Brunnenstock – der alte wird ersetzt, weil er nicht zum Trog passt – übernimmt die Gemeinde Erlinsbach SO; der Stock wird laut Wittmer so um die 6500 Franken kosten.