Amtsgericht
Der Druck auf die RCT Hydraulic Tooling AG hält weiter an

Die RCT Hydraulic Tooling AG einigt sich vor Amtsgericht mit einem Gläubiger über die Rückzahlung eines Darlehens.

Erwin von Arb
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Bleibt im Fokus: Die RCT Hydraulic Tooling AG in der Klus.

Bleibt im Fokus: Die RCT Hydraulic Tooling AG in der Klus.

Hanspeter Baertschi

Die RCT Hydraulic Tooling AG mit Sitz in Balsthal kommt nicht aus den Schlagzeilen. In diese geriet die in der Klus tätige Firma anfangs Februar, nachdem sich mehrere Mitarbeitende über massiv verspätete oder während Monaten nicht ausbezahlte Löhne beschwerten.

Vorläufig letzter Akt war Ende Februar ein Protest der Gewerkschaft Unia, welche bei der RCT Hydraulic Tooling AG in Balsthal mittels Flugblättern die Zahlung der ausstehenden Löhne einforderte.

Belegschaft praktisch halbiert

Die seit 2011 zur börsenkotierten Accu Holding AG gehörende RCT Hydraulic Tooling hat im Herbst 2015 einen Teil der Produktion in die Slowakei verlegt, was etwa 30 Prozent des Produktionsvolumens in Balsthal entspricht. Im Ausland werden laut dem Unternehmen die weniger anspruchsvollen Teile gefertigt. In Balsthal soll im Gegenzug ein «Center of Excellence» zur Produktion von hochwertigsten Teilen aufgebaut werden. Begründet wird die Verlagerung in die Slowakei mit dem harten Franken sowie mit den innert vier Jahren um 40 Prozent eingebrochenen Bestellungen des Hauptkunden. Die RCT beschäftigt gemäss eignen Angaben derzeit in Balsthal 75 bis 78 Angestellte. Bei der Übernahme der Firma im Jahr 2011 durch die Accu Holding seien es rund 160 Mitarbeitende gewesen, so das Unternehmen. (eva)

Die Accu Holding AG, zu welcher die RCT gehört (siehe Kasten), bestritt auf Anfrage Rückstände bei der Lohnauszahlung oder Rechtsfälle mit ehemaligen oder bestehenden Mitarbeitenden.

«Deal» stand kurz vor Verhandlung

Dass die RCT Hydraulic Tooling AG zumindest unter starkem finanziellen Druck steht, zeigte sich am Montag vor Amtsgericht Thal-Gäu, wo das Unternehmen offenbar die Aberkennung einer Verpflichtung für die Rückzahlung eines Darlehens durch das Gericht erreichen wollte. Soweit kam es allerdings nicht, weil der Anwalt der RCT Hydraulic Tooling AG dem aus dem Gäu stammenden Darlehnsgeber quasi in letzter Minute einen Vergleich vorlegte. Diesen liess der Anwalt kurz vor Beginn des Zivilverfahrens per Mail der Gerichtskanzlei zukommen.

Weil sich RCT-Verwaltungsratspräsident Marco Marchetti, der übrigens auch CEO der Mutterfirma Accu Holding AG in Emmen ist, bei der Anreise um fast eine halbe Stunde verspätete, hatte das Gericht genügend Zeit, um den Vergleich für die auf 8.30 Uhr angesetzte Verhandlung vorzubereiten.

Das unter dem Vorsitz von Amtsgerichtstatthalterin Barbara Steiner und den Amtsrichtern Mathais Heim und Dietmar Rohrmann tagende Gericht musste sich deshalb nicht mehr mit der Forderung der Gläubiger für das Darlehen von über 150 000 Franken als solches beschäftigen.

Es wurde lediglich Zeuge davon, wie sich die Parteien einvernehmlich darauf einigten, dass das erwähnte Darlehen in Form von Raten zurückbezahlt wird. Gültigkeit erlangt der Vergleich allerdings erst, wenn die RCT Hydraulic Tooling AG die von zwei Verwaltungsräten unterzeichnete Schuldbeitritterklärung innerhalb von fünf Tagen vorlegt. Geschieht das nicht, wird der geschuldete Betrag zur Zahlung fällig. RCT-Verwaltunsgratspräsident Marco Marchetti leistete seine Unterschrift unter das Dokument auf Wunsch des Gläubigers im Gerichtssaal als symbolischen Akt.

Die Parteien wollten nach der nur gerade etwa 10 Minuten dauernden Verhandlung keine Angaben zur Sache machen und verliessen as Gericht entsprechend rasch und diskret.