Konzerte an Weihnachten sind von einem besonderen, ja entschleunigenden Zauber umgeben. Dessen Wirkung entfaltet sich erst, wenn der Stress des Schenkens und Beschenktwerden vorbei und das üppige Festmenü allmählich verdaut ist. Das Weihnachtskonzert der Brass-Band Matzendorf berührte gleich mehrfach, schliesslich war dieses gleichzeitig das Abschiedskonzert von Thomas Trachsel.

Beinahe acht Jahre hat er als Dirigent das Schaffen der Brass-Band geprägt, diese zu einem gleichförmigen Klangkörper geformt. Zum Abschied kitzelte Trachsel nochmals Höchstleistungen aus seinen Musikanten. Das Publikum – die Pfarrkirche war bis auf den letzten Platz besetzt – dankte mit langem Applaus und einer Standing Ovation.

Trachsel zum Besten

Wie wendig die Brass-Band ist, bewies sie in der von Trachsel komponierten «Sinfonietta No. 2». Melancholische Töne folgten auf dunkle, gar düstere Stellen. Hurtig wechselnde Klangausbrüche erforderten vollste Aufmerksamkeit, schaurige Spannungsbögen zogen die Zuhörer in ihren Bann. Es war Nadia Bacchetta, die das Stück an der Orgel begleitete und die Kirche förmlich in Vibration versetzte.

Bacchetta musizierte früher selbst bei der Brass-Band, heute ist sie Organistin in der Aarauer Stadtkirche. Die «Sinfonietta No. 2» war an diesem feierlichen Nachmittag beileibe nicht das einzige Stück, bei dem Thomas Trachsel gehörig mitmischte. «Dr Heimatvogel», ein altes, von Trachsel arrangiertes Volkslied, bestach durch seine Geschmeidigkeit.

Subtil und leise

Auf süsse, liturgisch geprägte Weihnachtslieder verzichtete die Brass-Band vordergründig. Zum Schluss gab es immerhin die traditionelle «Stille Nacht». Weihnachten wurde trotzdem gefeiert, nur subtiler und besinnlicher im besten Sinne.

In «Vitae Lux» etwa: Das Stück des Norwegers Frode Alnaes erzählt vom Licht des Lebens. Was passt besser zum Fest der Geburt Jesu Christi? Ebenso festlich war Händels «Ouvertüre zur königlichen Feuerwerksmusik». Mit diesem temporeichen und nuancierten Werk unterstrich die Brass-Band ihre Klangfülle.

Gutes aus Schottland

In «Stal Himmel» von Alan Fernie begaben sich die Musikanten auf eine Reise durch die Schottischen Highlands. Diese präsentierten sich mal stolz, mal unprätentiös. Das nächste Stück harmonierte vorzüglich: «Highland Cathedral» wurde von den deutschen (!) Komponisten Ulrich Roever und Michael Korb ursprünglich für den Dudelsack geschaffen.

Heute wird die eingängige Melodie auf der ganzen Welt gespielt, auch von Blasmusikanten oder bei der Hochzeit von Pop-Ikone Madonna. Schottisch war auch das Geschenk, das Thomas Trachsel zum Abschied erhielt: ein Fässchen Whisky.