Wisen
Der Aufbau des Kohlenmeilers beim Zwillmatthof geht vorwärts

Event-Köhlerin Doris Wicki aus Entlebuch erhielt Unterstützung von den Schülern des Berufsvorbereitungsjahres Olten. Ihre Aufgabe war es, die «Löschi-Schicht», mit welcher der Kohlenmeiler abgedichtet wird, anzurühren und aufzutragen.

Beat Wyttenbach
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Aufbau des Kohlenmeilers beim Zwillmatthof in Wisen
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Doris Wicki kontrolliert, ob die «Löschi» genug feucht ist.
Unter Anleitung von Simon Traber (hinten links) und Ralph Schneeberger (Mitte) wird die «Löschi-Schicht» angerührt. Bruno Kissling

Aufbau des Kohlenmeilers beim Zwillmatthof in Wisen

Bruno Kissling

Derzeit ist der Aufbau des Kohlenmeilers in vollem Gang, der den Weg der Besucherinnen und Besucher des Freilicht-Musicals «100 Jahre Hauenstein-Basistunnel» von den Parkplätzen mit Festwirtschaft beim Zwillmatthof von Thomas und Martina Nussbaumer zum Aufführungsort im Wisner Steinbruch verkürzen soll (OT vom Sonntag, 18. August). Gestern Mittwoch erhielt Event-Köhlerin Doris Wicki aus Entlebuch nicht nur Unterstützung von den Mitarbeitern des Forstreviers Homburg BL und von Forstunternehmer Bruno Hirsbrunner, sondern auch von elf Schülerinnen und Schülern des Berufsvorbereitungsjahres Olten.

Am Montag hatte Doris Wicki mit dem Aufbau des Kohlenmeilers begonnen. Zuerst musste das «FülliHuus» in der Platzmitte erstellt werden: Tannenholz-Rundstücke von 1,7 Metern Länge wurden so gegeneinander aufgestellt, dass eine Öffnung in der Mitte für den Kamin freiblieb. Dann wurden sternenförmig Tannenholz-Rundstücke von einem Meter Länge nach aussen verlegt und der Bodenrost mit Tannenholz-Brettern gefertigt. Es folgten ein Meter lange Buchenholz-Scheite, welche an das «Fülli-Huus» angelegt wurden; aus ihnen entsteht später die Kohle.

Mit dem Aufschichten von Tannenzweigen rund um das Buchenholz entstand ein Mantel, der verhindern soll, dass die «Löschi-Schicht», die danach aufgetragen wurde, mit dem Buchenholz in Berührung gerät. Das Auftragen der «Löschi-Schicht» war gestern Mittwoch nun die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler, wobei diese aufgrund ihrer schwarzen Russschicht teilweise kaum noch zu erkennen waren. Die «Löschi-Schicht» besteht nämlich aus einem mit Wasser angerührten Gemisch aus kleinen Kohlepartikeln und Kohlestaub. Ihre Funktion war es, die «Löschi-Schicht» im Betonmischer anzurühren, auf den Meiler aufzutragen und diesen wasser- und luftdicht abzuschliessen.

Der Meiler sollte morgen Freitag fertig sein und pünktlich zur Premiere des Freilicht-Musicals am Abend entzündet werden können. «Das geht so: Neben dem Meiler wird ein Feuer entfacht, und von der so entstehenden Glut wird so viel in den Kamin in der Mitte eingefüllt, dass er entzündet wird», erklärte Doris Wicki. Es wird mit kleinen Kohlestücken so lange nachgefüllt, bis der Schacht glüht. Wenn er aufgefüllt ist, wird er mit einem Eisendeckel verschlossen. Der Verkohlungsprozess an sich wird dann mittels gezielt angebrachter Luftlöcher im «Löschi-Mantel» in Gang gesetzt. «Wasser, Teer, Essig und Gase werden so bei 500 Grad Celsius aus dem Holz gelöst. Es handelt sich dabei quasi um eine ‹Trockendestillation› des Holzes», so die Event-Köhlerin.

Nach neun Tagen ist die Kohle bereit, doch das bedeutet immer noch viel Arbeit für Doris Wicki: Alle zwei Stunden muss bis dahin wieder «Fülli-Kohle» nachgefüllt werden, um den Verkohlungsprozess in Gang zu halten, deshalb haben Nussbaumers ihr ein Hüttchen gleich beim Kohlemeiler aufgestellt. Viel Schlaf kann man sich da also nicht leisten. Und nach einer weiteren Woche des Auskühlens bei luftdichter Abschliessung kann dann die Kohle geerntet werden. «Pro Ster Holz resultieren 70 bis 80 Kilogramm Kohle», so Wicki. Und beim aktuellen Meiler in Wisen wurden 15 Ster Holz verbaut, das die Bürgergemeinde Wisen bereitgestellt hatte.

Viel Arbeit, Mühe und Entbehrungen also. Weshalb tut Doris Wicki sich dies an? – Ihr Vater Hermann habe 1977 mit dieser Tradition begonnen, als Nebenerwerb zur Bewirtschaftung des Bergbauernbetriebs. Die Söhne Markus, Martin und Pius setzten diese Familientradition dann fort, bis das Entlebuch 2002/2003 von schweren Sturmschäden heimgesucht wurde, erzählt Doris Wicki. Ihr Bruder Pius habe sich um deren Behebung kümmern müssen und für die Köhlerei keine Zeit mehr gehabt; Markus hatte inzwischen den elterlichen Hof übernommen und Martin auch seinen eigenen Hof.

Doch die Auftragsbücher waren voll, und so beschloss sie, zweimal mitzugehen und zuzuschauen, wies geht. Es liess sich niemand sonst finden, der die Arbeit ihres Bruders hätte fortsetzen wollen, und nach ihrem «Schnupperkurs» mit ihrem Bruder Pius – unter anderem 2003 in Schönenwerd sowie auch zu Hause mit dem Vater – habe sie sich gesagt: «Ja, es geht; ich kann dies machen.» Wicki baut natürlich nicht überall Kohlenmeiler auf; die Bedingungen müssten stimmen, was immer einen vorausgehenden Augenschein beinhaltet. Als sie Thomas Nussbaumer vom Zwillmatthof vor rund einem Jahr angerufen hatte, habe sie sich die Situation auch in Wisen angeschaut und dem Aufbau eines Kohlenmeilers auf dem Weg runter zum «Chänel» zugestimmt.

Leben kann Doris Wicki allein vom «Köhlern» nicht; dieser Tätigkeit geht sie nur im Sommer nach. Im Winterhalbjahr ist die gelernte Coiffeuse mit Meisterdiplom allerdings nicht in ihrem angestammten Beruf tätig, sondern dient quasi als «Mädchen für alles» in einem Hotel auf dem Sörenberg. «Zusammen reicht es zum Leben», meint die 55-Jährige, die nie eine eigene Familie gründete und somit ziemlich unabhängig ist. – Doch derzeit beschäftigt sie der Aufbau von Kohlenmeilern wie jener in Wisen – und übrigens auch jener vor zwei Jahren in Erlinsbach AG. Und sie ist optimistisch, dass das Feuer morgen Abend tatsächlich entfacht werden kann.

www.event-koehlerei.ch