Neuendorf

«Denkt jemand, sie hilft gegen Corona?»: Von Hand geschnitzte Antoniusfigur ist spurlos verschwunden

Über die Statue des heiligen Antonius, die den Eingang zur Kirche ziert, ist wenig bekannt.

Über die Statue des heiligen Antonius, die den Eingang zur Kirche ziert, ist wenig bekannt.

Mitte März verschwand die 90 Zentimeter hohe Holzstatue des Antonius in der katholischen Kirche Neuendorf. Die Katholiken rätseln über den Raub und setzen einen Finderlohn.

Über Jahrzehnte hinweg stand die Statue im Eingangsbereich der katholischen Kirche. Unscheinbar auf einem Sockel, der eine Kasse enthält. «Antonius ist ein heiliger, zu welchem üblicherweise betet, wer etwas verloren hat», sagt Ursula Lötscher, Präsidentin der Kirchgemeinde. Wer das verlorene Gut wiederfindet, hinterlasse ein wenig Geld im Spalt unterhalb der Antoniusstatue.

Der Sockel und die darin integrierte Kasse sind noch immer an Ort und Stelle. Verschwunden ist die rund 90 Zentimeter hohe Holzstatue seit Mitte März – also kurz nach Beginn des vom Bundesrat verordneten Lockdowns. «Am 17. März haben wir den Verlust festgestellt», sagt Lötscher. Für die römisch-katholische war der Diebstahl der Statue ein Novum. Selbst ob abergläubische Motive mitspielten, hätten sie sich am Anfang gefragt. «Hat jemand die Antonius­figur mit heim genommen, weil er denkt, sie könne gegen Corona helfen?», sagt Lötscher und muss lachen. Für die Kirchgemeinde ist die Lage bald zwei Monate nach dem Raub aber ernst. Lötscher vermutet mittlerweile, jemand könnte die Statue tatsächlich entwendet haben, um Geld damit zu machen.

Ein von Hand geschnitztes Unikat

Kurz nachdem die Statue verschwunden war, erstattete die Kirchgemeinde bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt. Nachfragen bei der Bevölkerung im Dorf blieben bisher ohne Erfolg, obwohl die Kirche mitten im Dorf steht. «Weil das Virus wütete, waren weniger Menschen auf der Strasse», sagt Lötscher. Sie vermutet, deshalb habe niemand etwas gesehen. «Die Statue trägt man nicht einfach so unter dem Arm davon.» Eine Videoüberwachung in der Kirche gibt es nicht und dies soll sich gemäss Lötscher auch nicht ändern.

Mittlerweile hat die Kirchgemeinde beim Holzbildhauerei-Verband eine Expertise eingeholt wieviel Wert die Holzfigur haben könnte. Denn über den Antonius der Neuendörfer Kirche war kaum etwas bekannt. «Wir wissen nicht wie alt die Statue ist, noch wie viel sie einmal gekostet hat», sagt Lötscher. Auch die älteren Personen wussten nichts über die Ursprünge der Figur.

Die Kirchgemeinde musste zunächst sogar nach Bildern der gestohlenen Statue suchen. Anhand dieser schätzte der Holzbildhauerei-Verband den Wert des von Hand geschnitzten Unikats. «Wenn wir es in dieser Art nachbauen lassen wollen, kostet die Statue rund 9000 Franken», so Lötscher. Der Kirchenrat hat nun einen Finderlohn von 1000 Franken in Aussicht gestellt. Zwei Monate nach dem Raub bleibt die Hoffnung, dass die Statue wieder gefunden wird. Der heilige Antonius soll an seinen Platz zurückkehren.

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