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Denkmalgeschützter Speicher findet Alterssitz in Wolfwil

Stolzer Besitzer: Hubert Bürgi vor dem Speicher, den er von der Gemeinde Oensingen für einen Franken erwerben konnte.  Bruno Kissling

Stolzer Besitzer: Hubert Bürgi vor dem Speicher, den er von der Gemeinde Oensingen für einen Franken erwerben konnte. Bruno Kissling

Der unter Denkmalschutz stehende Holzbau bei der Oensinger «Marti-Villa» muss dem geplanten Werkhof weichen. Ein gebürtiger Kestenholzer hat ihn gekauft.

Alte Holzspeicher ziehen Hubert Bürgi fast magisch in ihren Bann. «Diese bäuerlichen Bauten faszinieren mich einfach», sagt der 53-jährige Informatiker, der 1999 den Bauernhof seines Onkels im Schweissacker 2 in Wolfwil übernommen hat. Im Nebenerwerb betreibt er auf den 10 Hektaren Landwirtschaftsland Acker- und Gemüsebau.

Seit der Übernahme des Hofs wuchs im gebürtigen Kestenholzer der Wunsch, selbst einen Speicher zu besitzen. Einen ersten Versuch unternahm er vor rund zehn Jahren. «Ich hatte im Kanton Bern einen alten Speicher entdeckt, der meinen Vorstellungen entsprach», erinnert sich Bürgi. Weil das Raumplanungsamt des Kantons Solothurn sich aber gegen die Platzierung dieses «fremden» Speichers auf dem Hof aussprach, kam das Geschäft nicht zustande.

Zweite Chance gepackt

Bürgi hatte innerlich schon fast aufgegeben, als er März 2016 in dieser Zeitung las, dass die Gemeinde Oensingen einen Abnehmer für einen Speicher suchte. Dieser steht an der Kestenholzstrasse und muss dem dort geplanten Werkhof der Gemeinde weichen. Weil es sich um einen denkmalgeschützten Ständerspeicher handelt, hegte Bürgi die Hoffnung, dass der Kanton einer Platzierung auf seinem Hof diesmal zustimmen könnte. Tatsächlich begrüsste die kantonale Denkmalpflege eine Versetzung des Speichers in den Schweissacker nach Wolfwil ausdrücklich. Deshalb meldete Bürgi bei der Einwohnergemeinde Oensingen umgehend sein Interesse am Speicher an.

Der Gemeinderat entschied nun, Bürgi den Speicher für einen symbolischen Betrag von einen Franken zu verkaufen. Dies, weil die Kosten für die Versetzung des Speichers relativ hoch seien, erklärt Gemeindepräsident Markus Flury. Dazu komme, dass der Speicher gemäss den Vorgaben der Denkmalpflege nicht einfach auf der grünen Wiese aufgestellt werden dürfe. Das habe sich gezeigt, als die Gemeinde nach alternativen Standorte in Oensingen gesucht habe. Nicht zuletzt deshalb sei wohl auch ein zweiter Interessent für den Speicher abgesprungen.

Areal machte 2015 Schlagzeilen

Der Speicher steht auf dem rund 4000 Quadratmeter grossen Areal an der Kestenholzstrasse, das im Juli 2015 medial hohe Wellen schlug. Grund war die Absicht der Gemeinde, in der auf dem Areal stehenden «Marti-Villa» Asylsuchende einzuquartieren. Von unnötigem Luxus für Flüchtlinge war damals in gewissen Medien die Rede. Als sich dann herausstellte, dass die Liegenschaft kein Luxusobjekt war, kehrte rasch wieder Ruhe ein.

Dass im Marti-Haus auch jetzt noch asylsuchende Familien aus Syrien leben, ist an den Absperrungen des Schwimmbeckens vor dem Haus und des erwähnten Speichers zu erkennen. Dies sei aus Sicherheitsgründen geschehen, erklärt Andreas Affolter, Leiter Verwaltung ad interim. Wie es langfristig mit dem Marti-Haus weitergeht, ist noch offen. Sicher sei indes, dass das Gebäude wegen des geplanten Werkhofs nicht abgerissen werden müsse. Die Planung für den Werkhof soll Anfang 2017 aufgenommen werden.

Noch in der Bewilligungsphase

Wann Hubert Bürgi mit der Versetzung des Speichers nach Wolfwil beginnen kann, ist noch nicht definiert. Zuerst müssen noch einige Formalitäten erledigt werden. Dazu gehören etwa das Löschen des Altertümerschutzes auf dem aktuellen Grundstück in Oensingen durch den Regierungsrat oder das Abrissgesuch der Gemeinde bei der kantonalen Denkmalpflege.

Sache des Käufers ist das Erlangen einer Baubewilligung in Wolfwil für den Speicher sowie dessen Abbruch, der Transport und der Wiederaufbau am neuen Standort. Das Baugesuch habe er diese Woche eingereicht, erklärt Bürgi. Ob er den Speicher für den Transport vollständig demontiert oder diesen als Ganzes nach Wolfwil transportieren wird, wisse er noch nicht. «Ein vollständiger Rückbau hätte Vorteile bei der Sanierung der einzelnen Bauteile», so Bürgi. Die Kosten für die ganze Aktion könnten schnell einmal 50 000 Franken betragen. Noch sei es aber zu früh, darüber zu reden. «Zuerst müssen das kantonale Raumplanungsamt und der Regierungsrat meinem Vorhaben zustimmen», so Bürgi.

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