«Jedes Kind hat eine Begabung, aber längst nicht allen ist das auch bewusst. Mit dem von unserer Schule erarbeiteten Konzept wollen wir den Schülerinnen und Schülern auf spielerische und spannende Weise die Möglichkeit bieten, in ihnen schlummernde Talente zu entdecken und zu fördern», sagt Schulleiter Martin Caccivio.

Die Umsetzung des Projekts ist im November 2014 mit der Durchführung einer Forscherwoche bereits erfolgreich angelaufen. In diesem Schuljahr wird das Projekt klassenintern angeboten. Der Start erfolgte am Mittwoch mit insgesamt 150 Kindern vom grossen Kindergarten bis zur 6. Klasse. Die Basisstufe setzte sich mit dem Thema Elemente auseinander. In der Mittelstufe war das Angebot für die Schülerinnen und Schüler mit Legotechnik, Zaubertricks, visueller räumlicher Täuschung, Strategiespielen, optischen Wahrnehmungen aus verschiedenen Perspektiven, elektronischen Experimenten sowie anderem mehr sehr breit gefächert.

Nicht nur Intelligenz massgebend

Die Lehrpersonen an der Schule Kestenholz setzen sich seit einigen Jahren mit den unterschiedlichen Formen der Begabungs- und Begabtenförderung auseinander, wie der Schulleiter erwähnt. Bei der Erarbeitung des Konzepts wurde auch über die Kantonsgrenzen hinausgeschaut und das Vorgehen anderer Schulen unter die Lupe genommen.

«Begabungen sind vielfältig und stehen oft nicht im direkten Kontext mit den kognitiven Fähigkeiten. Soziale, künstlerisch-gestaltende oder motorisch-sportliche Begabungen sind ebenso bedeutungsvoll wie mathematische und sprachliche Fähigkeiten», so Caccivio.

Es sei längst wiederlegt, dass Hochbegabung ausschliesslich mit Intelligenz gleichgesetzt werden könne. Oft sind es gerade nicht jene Kinder mit den höchsten Intelligenzwerten, die Höchstleitungen erbringen», bemerkt der Schulleiter.

Selbstvertrauen, Mut, Empathie, Leidenschaft für ein Ziel und der Glaube, dieses erreichen und etwas bewirken zu können, nennt Caccivio als Gründe für solche Leistungen. Schulische Begabtenförderung sei deshalb auch Persönlichkeitsbildung. Das setze ein gutes Lernklima mit individualisierter Lernbegleitung voraus.

Lehrerschaft ist gefordert

Das Forscherprojekt soll in diesem Schuljahr an zwei weiteren Tagen jeweils am Morgen angeboten werden. Das Projekt ist darauf ausgerichtet, Neugierde und Freude am Forschen zu wecken. Gefördert werden soll das analytische und kreativ-praktische Denken. Gleichzeitig sollen die Kinder zu einem selbstgesteuerten Lernen angehalten werden.

Das Festhalten und Dokumentieren der Experimente im Forscherheft ist dabei ein wichtiger Aspekt. Die Eltern haben Einsicht in diese Aufzeichnungen. Ihr Mitwirken ist ausdrücklich erwünscht, um im gemeinsamen Austausch mit ihren Kindern eine nachhaltige Vertiefung der behandelten Themen zu bewirken. Für das Lehrerteam sei das eine organisatorische Herausforderung, sagt Schulleiter Caccivio. Die grosse Wertschätzung der Schülerinnen und Schüler motiviere das Lehrerteam aber immer wieder von Neuem.

Mit dem bisher Erreichten ist die Lehrerschaft zufrieden: «Wir dürfen sagen, dass sich der Aufwand lohnt. Das Projekt ist gut angelaufen», zieht Caccivio positiv Zwischenbilanz. Am Ende des Schuljahres werden die drei Projektmorgen analysiert. Danach soll entschieden werden, ob und, in welcher Form das Projekt im kommenden Schuljahr weitergeführt wird.