Die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) kann den in Balsthal geplanten Neubau eines Demenzzentrums verwirklichen. An einer ausserordentlichen Generalversammlung stimmten sämtliche elf Delegierten dem vorgelegten Projekt samt dem erforderlichen Kredit von 35 Mio. Franken zu. Damit ist für den Verwaltungsrat der GAG der Weg geebnet, das Grundstück Grossmatt in Balsthal zu erwerben und dort die Gebäudegruppe für den vorgesehenen Demenzpark zu bauen. Verwaltungsratspräsidentin Johanna Bartholdi würdigte den Schritt als historisch.

Unter dem Motto «ein Betrieb, mehrere Standorte» umfasst die GAG bereits Heime in Niederbuchsiten, Egerkingen und Oensingen. Da es die Standards nicht mehr erreicht, kann das Wohnhauses «Stapfenmatt» für Menschen mit Demenz in Niederbuchsiten jedoch nur noch bis 2021 geführt werden. Zudem erinnerte Rüdiger Niederer, der Geschäftsleiter der GAG daran, dass mit zunehmender Lebenserwartung auch die Zahl der Menschen mit Demenz steigen wird. Auf diese demografische Herausforderung hat die GAG entsprechend zu reagieren. Bereits existiert eine Warteliste für die «Stapfenmatt». In Balsthal sollen deshalb neu zwölf Wohngruppen angeboten werden, neben sieben Wohngruppen Demenz, zwei Wohngruppen kognitive Beeinträchtigung, zwei Einheiten für begleitetes Wohnen und eine Tages- und Nachtstätte.

Projektleiter Patrick Scarpelli ergänzte, dass die jeweiligen Wohnungen identisch sind und damit an sich ändernde Bedürfnisse angepasst werden können. Nach der Prüfung von elf Standorten habe Balsthal obsiegt, unter anderem wegen der Erweiterungsmöglichkeit, der Nähe zum Bahnhof und zur Energiezentrale. Zudem liege das Areal in der Zone für öffentliche Bauten. Allerdings bestehe eine Gestaltungsplanpflicht, dadurch könne sich die Eröffnung um ein Jahr verzögern.

Feinjustierung der Kreditsumme

Ursprünglich bezifferte sich das Kreditbegehren auf 33,7 Mio. Franken. In dieser Summe ist der Landerwerb mit 4,2 Mio. Franken enthalten. Nun gibt die Gemeinde Balsthal das Land zu einem um Fr. 70/m² reduzierten Preis und finanziert damit ihren Einkauf in die Genossenschaft GAG. Aus den Reihen der Delegiertenversammlung wurde der Einwand erhoben, dass korrekterweise beim Investitionskredit mit dem vollen Landpreis gerechnet werden müsste und sich der Bruttokredit demnach auf 35 Mio. Franken belaufe. Der GAG-Verwaltungsrat verschloss sich diesem Argument nicht, so dass schliesslich die Delegierten den Gesamtkredit von 35 Mio. Franken guthiessen.

Dies ist allerdings nur eine buchhalterische Feinheit; das Eigenkapital wird entsprechend höher, effektiv ausgegeben werden nach wie vor 33,7 Mio. Franken. Das Vorhaben wird mit 27,7 Mio. Franken Fremdkapital finanziert. Für die Machbarkeitsstudie hat Patrick Scarpellis Beratungsfirma CCTM Consulting, Basel mit den TrinklerStulaAchille Architekten zusammengearbeitet. Welches Büro die Realisierung des Demenzparks übernimmt, ist noch offen, ein Architekturwettbewerb ist aber nicht mehr vorgesehen.

Statuten angepasst

Für das Projekt, an dem sich auch die Thaler Gemeinde Balsthal beteiligt, mussten die Statuten angepasst werden. Insbesondere musste der Zweckartikel, der die Aktivitäten der Genossenschaft auf das Gäu fokussierte, geändert werden. Nicht angetastet hingegen wird, trotz dem Expandieren über die Klus hinaus, der gut eingebürgerte Name der Genossenschaft.
Hingegen reagierte der Verwaltungsrat auf Einwände von Seiten der bisherigen Genossenschafter, indem er zwar wie bisher über die Aufnahme von neuen Mitgliedern entscheidet, aber als Hürde neu eine Eintrittssumme festsetzt.

Fallen gelassen wurde auch die bis heute ohnehin nicht eingesetzte Altersguillotine, nach welcher ein Verwaltungsrat älter als 65 Jahre nicht mehr wählbar war. Die Delegierten der Genossenschaft hiessen auch diese Statutenänderung ohne Diskussion einstimmig gut.