Bei der Pflege generell, aber insbesondere bei der Pflege von Menschen mit Demenz, ist die Biografiearbeit sehr wichtig. Damit ist nicht nur der Lebenslauf der Hauptperson gemeint, sondern insbesondere auch die «innere Biografie, die subjektive Wahrnehmung, das persönlich Erlebte», wie es Franziska Büttler nennt.

Wer seine innere Biografie jemand anderem freiwillig anvertraut, ist auf die Diskretion des Gegenübers angewiesen, auf den sensiblen und sorgfältigen Umgang mit den Informationen. Es verlangt vom Zuhörer, dass dieser von sich aus keine Korrekturen anbringt und der erzählenden Person das Recht auf Vergessen zugesteht. «In der Pflege gilt es die positiven Erlebnisse in den Vordergrund zu stellen, bei den Stärken anzuknüpfen», betont Büttler. Aber, gibt sie zu bedenken: «Eine Biografie ist nie in Stein gemeisselt, sie verändert sich, unter anderem auch bei Menschen mit Demenz.» Wenn man als junger Mensch zum Beispiel Fisch nicht gerne gegessen habe heisse dies nicht unbedingt, dass dies dann im höheren Alter noch immer aktuell sei.

Mit verschiedensten Anekdoten aus eigenen Erfahrungen untermauerte Franziska Büttler ihre Aussagen. Die gebürtige Solothurnerin, die bis vor einem halben Jahr in den Alterszentren GAG tätig war, ist nicht nur eine ausgebildete Pflegefachfrau HF. Sie hat sich als autorisierte Trainerin in «Integrativer Validation nach Richard» selbständig gemacht und bietet Praxisberatungen und Schulungen an. So reagierte Franziska Büttler kompetent und einfühlsam auf die Fragen der Anwesenden. «Wie wichtig ist es bei der Realität zu bleiben?», wollte beispielsweise eine Vortragsbesucherin im Zusammenhang mit der Begleitung einer Angehörigen mit Demenz wissen. «Wichtig ist hier wie fortgeschritten die Demenz bei der Person ist. Steht diese Person noch mit einem Bein in der Realität, dann macht es Sinn auch bei schlechten Nachrichten bei der Realität zu bleiben. Es wird ein schmerzlicher Prozess der Verarbeitung. Hat die Person mit Demenz aber den Bezug zum Hier und Jetzt bereits nicht mehr macht es keinen Sinn, man würde diese Person nur mit einem Defizit konfrontieren und noch weiter verwirren.» (mgt)

Der nächste Vortrag findet voraussichtlich im Mai 2018 statt. Mehr Informationen ab ca. Ende April unter www.alterszentren-gaeu.ch sowie via  Zeitungsinserate.