Egerkingen
«Das Zelt» hat das Geschäftsmodell auf den Kopf gestellt — neu werden hauptsächlich TV-Shows produziert

Im Egerkinger Industriegebiet wird die beliebte Comedybühne aufgebaut - aber nicht, um Gäste zu empfangen, sondern fürs Fernsehen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Marc Vollmer baut zusammen mit seiner Mannschaft derzeit «das Zelt» in Egerkingen auf.

Marc Vollmer baut zusammen mit seiner Mannschaft derzeit «das Zelt» in Egerkingen auf.

Solothurner Zeitung

Wie ein romantischer Fremdkörper erscheint die Zeltkonstruktion, die derzeit im Egerkinger Industriegebiet auf einer freien Fläche aufgebaut wird. Es ist das kleinere Capiteau von «Das Zelt» in welchem normalerweise 700 Personen Platz finden.

«Das Zelt» ist eine Comedy- und Musik-Bühne, die unter normalen Umständen durchs Land tourt und für Unterhaltung sorgt. Doch in diesen Corona-Zeiten ist auch dieses Unternehmen zum Nichts-tun verurteilt. Ausser in diesen Dezembertagen. «‹Das Zelt› hat inzwischen coronabedingt sein Geschäftsmodell komplett auf den Kopf gestellt und produziert nun neben dem bisherigen Live-Geschäft vor allem TV-Shows beziehungsweise Filme für eine 360-Grad-Anwendung auf allen Kanälen». So informiert der COO Markus Simmen.

Ein Augenschein beim Aufbau in Egerkingen zeigt: «Die Aufbau-Arbeit, auch wenn pro Show nur 30 geladene Zuschauer mit dabei sind, ist für uns eigentlich die Gleiche». Das sagt der technische Leiter Marc Vollmar.

Nur sechs Personen statt der üblichen 20

Seit einer guten Woche sind die Aufbauarbeiten im Gang. «Das Grundstück, auf dem wir hier stehen, gehört einem befreundeten Unternehmer. Normalerweise wird hier Mais angebaut. Doch weil der Landbesitzer uns sehr unterstützt, können wir jetzt im Winter hier aufbauen», erklärt er. Es ginge zwar etwas langsamer mit dem Aufbau als dies sonst der Fall sei, sagt Vollmer noch. «Dennn wird haben nur sechs Personen im Einsatz. Normalerweise arbeiten 20 Personen beim Aufbau mit.» Eine eingespielte Truppe, wie dies im Zirkusbusiness üblicherweise der Fall sei. «Doch die Leute sind derzeit alle zuhause.»

Auch wenn es wenig Publikum hat, wird alles wie immer installiert.

Auch wenn es wenig Publikum hat, wird alles wie immer installiert.

Bruno Kissling
So sieht das Zelt von aussen aus.

So sieht das Zelt von aussen aus.

Bruno Kissling

Dieses 2020 ist für ein Unternehmen wie «das Zelt» äusserst problematisch. «Wir konnten noch bis März spielen und waren in Lachen/SZ, dann mussten wir alles abbrechen.» Die Angestellten seien in Kurzarbeit gegangen, was in Sachen Entschädigung auch sehr gut geklappt habe, weiss Vollmer. Etwas anderes sei die Härtefall-Entschädigung für die Unternehmen, wie «das Zelt» eines sei. «Da haben wir noch keinen Rappen gesehen».

Zum Glück habe «das Zelt» bei der sommerlichen Erholung der Pandemie die Saison nicht gleich wieder aufgenommen. «Hätten wir dies getan, hätten wir nach einem Monat wieder schliessen müssen.» So blieb ein finanzielles Fiasko vorerst aus. Dennoch sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus. Vollmer ist froh, momentan überhaupt aufbauen zu können.

Eingesunken im nicht verdichteten Ackerland

«Das erste, was man bei einem solchen Aufbau installieren muss, sind die Unterkünfte für die Mitarbeitenden und die sanitären Anlagen», erklärt er und öffnet die Türe zu einem Wohnwagen, in dem gerade zwei Waschmaschinen laufen. «Dann erst können wir mit dem eigentlichen Zeltaufbau beginnen.»

Auf diesem Ackerland sei das gar keine so einfache Sache, erzählt der Fachmann noch. «Dadurch, dass dieses Grundstück noch nie für einen solchen Aufbau genutzt wurde, ist der Boden nicht verdichtet. Das führt dazu, dass wir bei Regen oder Schnee - wie dies vor ein paar Tagen der Fall war - ziemlich im Morast stehen.» Doch Vollmer, der «das Zelt» seit seiner Entstehung anlässlich der Expo.02 kennt, erschüttert das ganz und gar nicht.

Stars und Heldä

Die Idee der Sendung ist, dass Schweizer Stars Alltagshelden vorstellen. Am Samstag, 12. Dezember, wird die Sendung in Egerkingen im aufgebauten Zelt und in einem eingerichteten mobilen TV-Studio aufgezeichnet. Sie wird am Sonntag, 27. Dezember 2020, auf Sat.1 um 19 Uhr ausgestrahlt. Wiederholungen folgen zum Beispiel auf ProSieben. (mgt)