Verwaltungsgericht
Das Warten auf die Wisent-Herde in Welschenrohr geht weiter: Einsprache kann noch weitergezogen werden

Das Bau- und Justizdepartement hat zwei weitere Einsprachen gegen das Wisent-Projekt abgelehnt, aber noch ist ein Weiterzug ans Verwaltungsgericht möglich.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Noch sind im Thal keine Wisente zu beobachten.

Noch sind im Thal keine Wisente zu beobachten.

zvg

Diesen Montag ist sie auf der Sollmatt, dem Hof von «Wisent-Ranger» Benjamin Brunner in Welschenrohr angekommen: Die lange herbei gesehnten Verfügungen des Bau- und Justizdepartements des Kantons Solothurn, in denen steht, dass die Beschwerden der beiden verbliebenen privaten Einsprecher gegen das Wisent-Projekt abgewiesen wurden. Da könnte man doch endlich loslegen; beginnen Zäune zu bauen und die bereits ausgesuchten Tiere abzuholen. «Doch gemach, gemach, die Mühlen der Justiz und der Verwaltung müssen da schon noch eine kleine Runde drehen», schreibt der Präsident der Vereins Wisent Thal, Stefan Müller-Altermatt, im Mitteilungsblatt der Wisent-Freunde.

Einsprachen auf zwei Ebenen eingereicht

Und er erklärt den etwas komplizierten Bewilligungsweg: «Im Herbst 2019 haben wir unser nach langem, mit der Verwaltung koordinierten Reifeprozess überarbeiteten Dossier für den Bau des Zauns der fünfjährigen Testphase in Welschenrohr und Balm bei Günsberg eingereicht. Obwohl sich diese Gesuche an die kommunale Baubehörde richten, braucht das Bauen ausserhalb der Bauzone neben der ordentlichen Baubewilligung durch die örtliche Behörde auch die Zustimmung des Bau- und Justizdepartements. Und weil damit zwei Behörden jeweils beschwerdefähige Verfügungen erlassen müssen, kann auch auf zwei Ebenen Beschwerde erhoben werden.»

Das geschah dann auch. Allerdings konnte bis auf zwei Beschwerden alle erledigt werden, so Müller-Altermatt. «Beispielsweise durch die Verhandlungen mit der regionalen Jägerschaft.»
Noch hängig waren aber zwei Beschwerden der angrenzenden Landwirte. Diese beiden Landeigentümer befürchten aber, dass bei einem Sturm der Zaun beschädigt werden könnte und dass dann die Wisente ihr eingezäuntes Gebiet verlassen könnten und ausserhalb, auf ihrem Land, Schäden anrichten könnten.

Horrorszenario: Ein Zaunbruch durch Sturm

Man könne sich schon fragen, so Müller-Altermatt weiter, wie gross wohl die Wahrscheinlichkeit sei, dass bei einem Schaden am Zaun dieser umgehend von den Wisenten entdeckt würde, und die Tiere dann während des Sturms genau über den zerstörten Zaun klettern und beginnen während des Unwetters das angrenzende Landwirtschaftsland zu zertrampeln und abzuweiden. «Und dies alles schneller, als dass Ranger Benjamin Brunner den Alarm des unterbrochenen Zauns und die mit GPS-Sen, der ausgerüsteten Wisente wahrnimmt.»

Unterlagen liegen bereits beim Verwaltungsgericht

Dieses Szenario sei eine Wahrscheinlichkeit, die gegen Null gehe, ist der Vereins-Präsident überzeugt.
Das habe nun auch das Bau- und Justizdepartement als Beschwerdeinstanz gegen die kommunale Bauverfügung so festgestellt. «Schade ist allerdings, dass man für diese Feststellung über fünf Monate bis zum Entscheid gebraucht hat». Die Beschwerdeführer können den Entscheid nun noch an das Verwaltungsgericht weiterziehen, wo der Fall aber ohnehin schon behandelt wird. Denn wie eingangs erwähnt: Man kann sowohl gegen den kommunalen wie auch gegen den kantonalen Entscheid Beschwerde erheben.

Das Positive: Das Verwaltungsgericht hat nun alle Unterlagen und kann den kantonalen und den kommunalen Entscheid in einem einzigen Verfahren abhandeln. «Wir hoffen, dass das Gericht schnell entscheidet», formuliert Müller-Altermatt seinen Wunsch im Mitteilungsblatt. Er meint: «Die Wisent-Freunde tun unterdessen das, was sie schon länger tun müssen: warten.»

In diesem Jahr wird es nichts mehr

Dass also noch in diesem Jahr das Gehege für die Wisentherde gebaut werden kann und gar bereits Tiere schon auf der Sollmatt grasen könnten, schliesst Müller-Altermatt aus. «Einerseits, weil das Baugesuch kaum mehr dieses Jahr Rechtskraft erhält, andererseits, weil wir für den Zaunbau dann auch zu wenig Zeit hätten. Und auch der Import des Bullen im Winter wäre aus Gesundheitsgründen nicht klug.»