Thal-Gäu

Das Virus hemmt den Austausch der Jugendlichen – dieser Workshop trotzt der Corona-Langeweile

Die Jugendarbeit Thal in Balsthal hat das Ferienprogramm nach Corona hochgeschraubt: Nach langer Pause ein Graffiti-Workshop.

Aufmerksam beobachtet eine Handvoll Jugendlicher den ihnen zur Seite gestellten Graffiti-Profi in seiner schrittweisen Demonstration eines überdimensional grossen «OK’s» an der Betonwand. Und sie beantworten eifrig seine Fragen: «Wie nennt man diesen Schritt?», die prompte Antwort: «Das ist das Fill-in!»

Ungeduld macht sich breit, die Jugendlichen wollen am liebsten gleich selbst loslegen. Nachdem die Basics geklärt sind, geht es ans Sprayen der eigens skizzierten Motive. Lukas, 22, ist seit zwei Jahren ab und an dabei und schätzt vor allem den «chilligen Umgang». Wie Arianna, 18, hat auch er über Freunde zum Jugendtreff gefunden. Das angenehme Klima macht die Jugendarbeit Thal «wie zu einer kleinen Familie», sagt Arianna. Das findet auch Brian, 13, der seit einem Jahr regelmässig Aktivitäten mitmacht und den Treff über die Schule kennen gelernt hat. Allgemein mache die Jugendarbeit einfach grossen Spass.

Jugendarbeit in Balsthal funktioniert seit den 90ern

Seit 2004 gibt es die Jugendarbeit Thal bereits, die unter dem Dach des Vereins Jugend und Freizeit (VJF) für die Jugendlichen da ist und sie zu gemeinsamen Aktivitäten ermuntert. Den Jugendraum in Balsthal gibt es bereits seit den 90er-Jahren, wie die jetzige Leiterin Stephanie Sommer erzählt. Durch die regionale Organisation – der ganze Bezirk Thal ist daran beteiligt – kann sich die Jugendarbeit ganz auf die Zielgruppe der 13- bis 18-Jährigen fokussieren. Wert wird vor allem auf gegenseitigen Respekt gelegt, «alle dürfen kommen», wie Leiterin Stephanie Sommer sagt. Abgesehen vom Jugendraum in Balsthal betreuen Freiwillige in den Gemeinden weitere Jugendräume – beispielsweise organisieren Freiwillige in Holderbank einmal im Monat einen Jugendtreff. So verteilen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eher lokal auf die einzelnen Gemeinden und finden nur zu grösseren Events in grösserer Zahl zusammen.

Gemeinsam mit der Praktikantin Marinela Jaksic leitet Stephanie Sommer die zahlreichen Aktivitäten: unter dem Jahr gibt es verschiedene Aktivitäten mittwochnachmittags und freitagabends im Jugendraum und natürlich das üppige Ferienprogramm mit Recycling-Material-Sammeln, Escape-Rooms, Übernachtungen im Freien oder eben dem Graffiti-Workshop. «Coole» Anlässe mit kreativen Elementen sind jeweils mit pädagogischen Aspekten kombiniert. Das Programm ist flexibel: Bei den Jugendtreffs wird immer auch – soweit möglich – auf Wünsche der Jugendlichen selbst eingegangen.

Corona hemmte den Austausch der Jugendlichen

Die Zahl der Jugendlichen schwankt sehr: je nach Jahreszeit, Projekt oder Ferien nehmen zwischen 10 und 25 Jugendliche an den Anlässen teil. «Doch seit Corona kommen viel weniger» sagt Stephanie Sommer. Über den März und April war der Jugendtreff geschlossen und im Mai auf fünf Teilnehmer begrenzt. «Gerade bei solchen Unterbrüchen verlieren wir frühere Teilnehmer, und wir gewinnen erst recht keine neuen hinzu.» Zwar gäbe es ein «Stammpublikum», das meistens zu den Treffen erscheint, andere sieht man jedoch wochenlang nicht, berichtet die Leiterin. Neue würden meist über Freunde hinzustossen, die bereits an den Treffs sind. Neben den zahlreichen Aktivitäten bietet die Jugendarbeit Thal auch eine Anlaufstelle bei Unterstützungsbedarf, sei es in Sachen Lehrstellensuche oder Sackgeldjobs. Corona hat auch bei der Jugendarbeit Thal Schutzmassnahmen notwendig gemacht: Desinfektionsmittel und Masken stehen zur Verfügung. Gereinigt wird nun häufiger, und man achtet auf Abstand. Durch die gehäuften Anlässe diesen Sommer versucht der Jugendtreff nun die Jugendlichen wieder abzuholen und für weitere Anlässe zu animieren.

Graffiti-Kunst verlangt Englisch: Vom «Fill-in» zum «Fade»

Über den Graffiti-Workshop sind die Jugendlichen sichtlich gefordert: Harmonisch arbeiten sie jeweils zu zweit an ihren Projekten in der kleinen Unterführung nahe des Jugendtreffs hinter dem Bahnhof. Schön säuberlich imitieren sie die erlernten Arbeitsschritte: erst die Skizze, diesmal um einiges grösser als noch auf dem Blatt Papier, danach das «Fill-in». Hier entscheidet jeder über einen «Fade» – einen Übergang von Hell zu Dunkel oder umgekehrt – oder eine monotone Ebene und wählt entsprechende Farben dafür. Sitzt die Grundfläche, folgen die «Outlines» in einer Kontrastfarbe. Nun ist die Frage: in welche Richtung neigt sich das Motiv? Der «Block» erzeugt den 3D-Effekt, und die «Second Outlines» fassen die vorherigen Schritte zusammen. Je nach Bedarf und Laune runden einige Spielereien, wiederholt in mehreren Ebenen, das Kunstwerk ab.

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