Velodrome Suisse
Das Triathlon Team Oensingen geht ungebremst in die Steilwand

Von November bis März trainiert das Triathlon Team Oensingen jede zweite Woche im Velodrome in Grenchen. Das bedeutet zwei in jeder Beziehung anspruchsvolle Stunden.

Michael Forster
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Triathlon Team Oensingen im Velodrome Suisse
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Es muss möglichst nah hintereinander gefahren werden.
Für die Verpflegung muss ein Stopp eingelegt werden.

Triathlon Team Oensingen im Velodrome Suisse

HR.Aeschbacher

Über was ein funktionierendes Velo alles verfügen muss? Gute Bremsen, Klingel, Schutzblech, funktionierende Gangschaltung – denkste! All das hat ein Bahnvelo eben gerade nicht. Auch, und das mag auf den ersten Blick fast ein wenig erschrecken: keine Bremsen.

Sowieso sind die vielen BMC-Räder, welche im Untergeschoss des Velodromes in Grenchen zur Miete bereitstehen und von zwei Mechanikern perfekt eingestellt werden, sehr spartanisch ausgestattet. Rahmen, Laufräder, Lenker, Sattel, Kurbeln mit Pedalen – das wärs.

Auf dem 250 m langen Oval wird weder gebremst noch geschaltet, dafür immerzu pedalt: «Dank» des Starrlaufs ist es während des Fahrens unmöglich, die Beine «hängen zu lassen», wie es im Gümeler-Jargon heisst. Das hätte relativ fatale Folgen. Es wird auch nicht getrunken auf der Bahn. Die Bidons stehen beim Treppenaufgang kurz vor Start und Ziel, einer neben dem anderen.

Wer etwas trinken will, der drosselt das Tempo, legt im Innenradius der Bahn noch eine Runde zurück und steigt kurz vom Rad. Oder auch länger, dann zum Beispiel, wenn man nach der Rundenjagd in der Gruppe ausklinken und sich erholen muss.

Die Gelegenheit, sich zu erfrischen und auszutauschen, nutzen auch die Mitglieder des Triathlon Teams Oensingen rege. Jeden 2. Dienstagabend von 19 bis 21 Uhr hat Teamchef Bruno Probst die Bahn für seine (grösstenteils) Nachwuchsfahrer gemietet: «Wir bieten unseren Mitgliedern damit die Möglichkeit zum intensiven Tempofahren, und, natürlich, daraus einen Nutzen zu ziehen», formuliert es Probst.

Gut wäre es natürlich, so der Teamchef weiter, wöchentlich auf der Bahn trainieren zu können: «Das liegt aber nicht drin. Wir müssen froh sein, die Bahn auch während des nächsten Wintertrainings wieder jede zweite Woche für uns beanspruchen zu können.» Die Zusage hat Probst bereits im Januar erhalten.

Die Nachfrage ist gross

Dass das Angebot bei den Mitgliedern auf Anklang stösst, ist unübersehbar. Bis hinunter ins Jugendalter dürfen die Triathleten zum Training in Grenchen antreten, und fast alle nehmen sie die gut halbstündige Anreise in die Uhrenstadt sowie die rund drei Stunden vor Ort auf sich. Die Stimmung ist gut im Eingangsbereich des imposanten Velodromes, beim Einchecken und Entrichten der Leihgebühr für die Bahnvelos.

Für die meisten von ihnen ist das Rundendrehen bereits ein wenig zur Routine geworden, doch das erste Mal ist für alle etwas Besonderes. «Da hat man automatisch einen Höllenrespekt», grinst Bruno Probst, «doch spätestens nach einer halben Stunde hat sich das gelegt.» Nach einem ersten Blick ins Rund ist klar, was der 60-jährige Oensinger mit Respekt meint: die Steilwandkurven.

Unachtsamkeit führt zu Crashs

Je sechs Meter Höhendifferenz weisen die zwei Streckenabschnitte auf, die Gefahr, auszurutschen, fährt mit. Dass ausgerechnet bei diesem Besuch, wegen Unachtsamkeit, zwei jüngere Fahrerinnen in diesem Bereich einen (harmlosen) Crash, ja mehr einen Umfaller, produzieren, ist aber eine Ausnahme. «Die beiden waren unachtsam», hebt Probst den Mahnfinger, «das mag es auf der Bahn nicht leiden. Wenn sie sich nicht konzentrieren, dann passierts!»

Wenn die jungen, aber auch älteren Teilnehmer des zweistündigen Trainings einmal Fahrt aufgenommen haben, dann rolle es praktisch von alleine, so Probst. Auch von aussen gewinnt man ein wenig diesen Eindruck.

Doch ganz von alleine, trotz guter Rolleigenschaften der Holzbahn und Windschatten in einer grösseren Gruppe, geht es dann doch nicht. Spätestens, wenn es ins letzte Drittel der Trainingseinheit geht, droht die Motivation bei einigen Fahrern der Müdigkeit zu weichen. «Da braucht es dann jeweils zwei drei Worte, und sie kommen noch einmal auf die Bahn», schmunzelt Motivationskünstler Bruno Probst.

Verschiedene Geschwindigkeiten

Auch in den Trainingsblöcken zuvor wird beim Triathlon-Team darauf geachtet, System ins Training zu bringen. Somit wird die Gefahr, die Zeit mit gemütlichem Rundendrehen abzufahren, gebannt. Dieser Abend beginnt mit einem rund halbstündigen individuellen Einfahren, welches individuell gestaltet wird. Einige nutzen bereits die ersten Minuten und Runden, sich einer schnelleren Gruppe anzuschliessen und so richtig aufs Tempo zu drücken.

Schnelle Trainingsrunden werden auf diesem Niveau in rund 20 Sekunden gefahren, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von um die 45 km/h entspricht. Die jüngeren der Athleten schaffen es zwar nicht in derart schnelle Gruppen, und doch schlägt Christian Baumann, welcher Bruno Probst als Leiter zur Seite steht, ein rechtes Tempo an. Zwei halbstündige Programme sind angesagt, wobei das Tempo regelmässig erhöht, dann wieder gedrosselt wird.

Das entspricht dann ziemlich genau einem Intervalltraining, wie es draussen zum jetzigen Zeitpunkt (wegen Kälte und Nässe) kaum durchgeführt werden kann.

In der letzten Saison noch mit dem VCM Aarwangen mit sporadischen Trainingsbesuchen auf der Bahn in Aigle, profitieren die Oensinger ab dieser Saison also vom nahen Angebot in Grenchen. Je mehr Trainingsfahrten die jungen Athleten in den Beinen haben, desto besser läufts – und so hängt Baumann immer wieder für ein paar Runden an einer vorbeifahrenden schnelleren Gruppe an.

Konzentration ist wichtig

Am Schluss des Feldes schaut derweil Probst, dass alle zusammenbleiben. «Die Schwierigkeit für die Mädchen ist, möglichst eng hintereinander zu fahren und keine Lücke aufgehen zu lassen, als Gruppe möglichst kompakt zu bleiben. Das ist etwas, was ich in den Pausen immer wieder anspreche.» Wenn das einmal funktioniert, dann ist automatisch die Gefahr der Unachtsamkeit gebannt.

Das Hintereinanderfahren erfordert grosse Konzentration, da mag es auch Gespräche unter den Fahrern nicht leiden. Und genau so stellt sich der Teamchef die Trainings auf der Bahn vor. Denn: «Wir wollen nicht, dass es ‹chlöpft!›»