Balsthal
Das Thaler Wahrzeichen gehört jetzt dem Kanton

Die Stiftung «Schloss Neu-Falkenstein» löst sich auf und gründet neu den «Schlossverein». Dieser will sich in Zukunft mehr um den Unterhalt des Schlosses kümmern. Der Kanton Solothurn muss das Schloss übernehmen.

Rebekka Balzarini
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Das Schloss «Neu Falkenstein» kann auf eine gut tausendjährige Geschichte zurückblicken. Im Mittelalter war sie Landvogt-Sitz und jetzt gehört sie wieder dem Staat Solothurn.

Das Schloss «Neu Falkenstein» kann auf eine gut tausendjährige Geschichte zurückblicken. Im Mittelalter war sie Landvogt-Sitz und jetzt gehört sie wieder dem Staat Solothurn.

Bruno Kissling

Das Schloss Neu-Falkenstein gehört jetzt dem Kanton. So steht es im Amtsblatt des Kantons Solothurn. Die Stiftung Neu-Falkenstein hat das Schloss verschenkt, bestätigt der Präsident der Stiftung, Nino Joller, auf Anfrage. Grund für diesen Schritt ist nicht etwa Geldnot, so Joller. «Wir haben immer sorgfältig geplant und hatten keine finanziellen Probleme.» Der Grund für den Wechsel ist, dass die Trägerschaft des Schlosses moderner werden soll. «Eine Stiftung ist ein alter Zopf», erklärt Joller.

Adolf Rütti, der Geschäftsführer der Stiftung, ergänzt: «Eine Stiftung ist so kompliziert. Wir wollen uns auf den Unterhalt des Schlosses konzentrieren, und nicht auf die Verwaltung». Deshalb werde die Stiftung nun bald aufgelöst und ein Verein gegründet: der Schlossverein. Dort können alle mitmachen, die Freude am Schloss haben. Entweder indem sie aktiv beim Unterhalt mithelfen, oder indem sie den Verein mit Beiträgen unterstützen. Im August soll der Wechsel gefeiert werden.

Ruine Neu-Falkenstein
19 Bilder
Ruine Neu-Falkenstein Balsthal bko (25)
Ein Plan der Ruine
Der alte Brunnen im Hof auf der Ruine.
Im Turm der Ruine
Von oben hat man eine tolle Aussicht
Der Blick ins Thal war strategisch von grosser Bedeutung.

Ruine Neu-Falkenstein

Bruno Kissling

Kanton musste einwilligen

Der Kanton Solothurn hatte keine andere Wahl. Er musste das Schloss übernehmen. Dies wegen Punkt fünf der Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1938. Dort steht: «Die Stiftung nimmt ihren Anfang mit der Eintragung in das Handelsregister. Sie ist von unbestimmter Dauer. Im Falle einer Aufhebung fällt das Stiftungsvermögen dem Staat Solothurn zu». Fast 80 Jahre nachdem die Stiftungsurkunde ausgestellt wurde, kommt der Kanton Solothurn so an das Schloss, oder eher, an die Ruine Neu-Falkenstein.

Hat der Kanton sich über das unerwartete Geschenk gefreut? Oder ist so eine Ruine eher ein Klotz am Bein? Weder noch, erklärt Guido Keune, stellvertretender Kantonsbaumeister, Abteilungsleiter Immobilien. Der Kanton Solothurn sei einfach seiner Pflicht nachgekommen und habe sich an die Abmachung gehalten, die vor 80 Jahren getroffen wurde. Von finanzieller Seite her ändere sich nach der Übernahme der Ruine Neu-Falkenstein aus Sicht des Kantons nichts, so Keune. «Wir werden jährlich 10'000 Franken für den Unterhalt einsetzen», erklärt er. Das sei derselbe Betrag, den der Kanton schon jetzt bezahlt habe.

Ein bewegtes Leben

Die Ruine Neu-Falkenstein repräsentiert ein Stück Geschichte aus dem Thal. Die Ursprünge der Burg sollen laut dem historischen Lexikon der Schweiz bis ins 11. Jh. zurückreichen. Der erste belegte Besitzer war Rudolf von Falkenstein, ein Sohn von Rudolf von Bechburg. Das damalige Schloss wurde 1356 beim Erdbeben von Basel stark beschädigt.

Es musste fast vollständig neu gebaut werden, was der Burg den irreführenden Namen Neu-Falkenstein eintrug. 1374 wurde das Schloss erneut teilweise zerstört. Schuld daran war Hermann von Bechburg, der bei St. Wolfgang einen Transport von Basler Kaufleuten überfiel. Er klaute dabei eine grosse Menge Safran, und verschanzte sich auf Neu-Falkenstein. Daraufhin wurde die Burg belagert und schliesslich eingenommen.

Später war Neu-Falkenstein der Sitz des solothurnischen Landvogts. In der helvetischen Revolution 1798 wurde das Schloss von Einheimischen niedergebrannt. Das war das Ende der Burg. Sie wurde nicht mehr aufgebaut und zerfiel zur Ruine. Erst im Jahr 1900 begann sich die Dienstagsgesellschaft Balsthal, um das Gemäuer zu kümmern. 1938 wurde schliesslich die Stiftung Schloss Neu-Falkenstein gegründet, die sich für den Erhalt der Ruine einsetzte. Als letzter Erfolg sammelte die Stiftung im Jahr 2014 genug Spendengeld, um neue Strom- und Wasserleitungen auf der Ruine zu installieren.