Bezirk
Das Thal ächzt unter der Steuerlast

Die Steuerbelastung für natürliche Personen sinkt zwar momentan, ist aber immer noch hoch. Auch wenn der Durchschnitt für 2017 gesenkt werden konnte.

Philipp Felber
Drucken
Teilen
Auch wenn die Steuerbelastung sinkt, ist sie für natürliche Personen immer noch unangenehm hoch.

Auch wenn die Steuerbelastung sinkt, ist sie für natürliche Personen immer noch unangenehm hoch.

Keystone

Obwohl vom kantonalen Gängelband gelassen, wird Holderbank trotz Steuersenkung auch in Zukunft mit 140 Prozent den höchsten Steuersatz in der Region haben. Neben Holderbank konnte auch Mümliswil-Ramiswil drei Prozentpunkte mit den Steuern für natürliche Personen runter. Alle anderen Gemeinden im Thal bleiben stabil. Jedoch im kantonalen Durchschnitt auf hohem Niveau.

Seit dem Jahr 2000 hat sich der kantonale Durchschnitt der Steuerfüsse im Kanton stark verändert. Waren im Jahr 2000 noch 128 Prozent der Staatssteuer der kantonsweite Durchschnitt, waren es im Jahr 2016 119,4. Den Tiefstpunkt des kantonalen Durchschnitts wurde im Jahr 2007 erreicht. Im Thal war dieser Tiefstpunkt in den Jahren 2012 und 2013, seither gehts wieder leicht aufwärts, wobei für das Jahr 2017 der Durchschnitt gesenkt werden konnte auf immer noch stattliche 131,1 Prozent.

Nicht mehr die Steuerhölle

In den einzelnen Dörfern zeigen sich im Grundsatz ähnliche Entwicklungen, einige Gemeinden schlagen jedoch aus. So etwa Aedermannsdorf, im Jahr 2000 noch die Steuerhölle im Kanton, konnte seine Steuern im Verlaufe der letzten Jahre kontinuierlich senken. Es ging von 150 runter auf 129 Prozentpunkte für das Jahr 2017. «Wir hoffen, dass der Steuerfuss in Zukunft stabil bleibt», sagt Gemeindepräsident Bruno Born. Eine weitere Senkung sei momentan jedoch nicht realistisch. Ähnlich ausgeprägt konnten auch in Herbetswil die Steuern gesenkt werden. Dies werde in Zukunft wohl gleich bleiben: «Unser Finanzplan basiert auf der Berechnung mit einem Steuerfuss von 133 Prozent – also dem Steuerfuss der letzten Jahre. Eine Steuersenkung liegt in nächster Zeit nicht drin und wir werden immer noch bei den teureren Solothurner Gemeinden bleiben – leider», sagt Gemeindepräsident Stefan Müller-Altermatt.

Seit 2000 konnte einzig Balsthal mit dem kantonalen Durchschnitt mithalten. Von 2000 bis 2005 war der Steuerfuss auf 125 Prozent, danach sank er auf 117. Im gleichen Zeitraum sank auch der kantonale Schnitt der Gemeindesteuern fast parallel zur Entwicklung im Thaler Hauptort. Seit 2012 steigt die Steuerbelastung im kantonalen Mittel wieder etwas an. 2015 mussten auch in Balsthal die Steuern wieder erhöht werden. An der Budgetversammlung wurde dieser Erhöhung der Steuern um acht Prozentpunkte zugestimmt.

Balsthal muss vielleicht rauf

In Zukunft rechnet die Gemeinde mit einer weiteren Steigerung der Steuern. Die Gemeindeversammlung bewilligte in diesem Jahr ein Budget mit einem Defizit 1,3 Mio. Franken. Kritiker hatten im Vorfeld der Gemeindeversammlung in einem anonymen Schreiben moniert, dass sich mit der Aufnahme von weiteren Geldern zur Deckung des Defizits die Schuldenspirale weiter drehen würde. Und wollten wissen, wie die Schulden mittel- und langfristig abgebaut werden können. Der Gemeinderat liess dazu im Vorfeld der Versammlung bereits verlauten, dass die Möglichkeiten zum Sparen ausgeschöpft seien und deshalb allfällige Verbesserungen auf der Ertragsseite erfolgen müssen. Deshalb hat der Gemeinderat in seinem Finanzplan mit einer Steuererhöhung von fünf Prozentpunkten ab dem Jahr 2018 gerechnet.

Die Steuern im Thal sinken also leicht, sind aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. Grundsätzlich haben sich die Gemeinden im Thal einander angepasst, wie der langjährige Vergleich zeigt. War im Jahr 2000 die Differenz noch 25 Prozentpunkte, so sind es im nächsten Jahr nur noch 15. Falls Balsthal die Steuern wirklich erhöhen müsste, wird der Unterschied noch gerade 10 Prozenpunkte ausmachen. Zudem würde eine Steuererhöhung im Thaler Hauptort dazu führen, dass Balsthal im Vergleich mit den restlichen Solothurner Gemeinden bei den natürlichen Personen steuertechnisch wohl weiter an Boden verlieren würde. War Balsthal noch im Jahr 2000 im steuergünstigsten Drittel aller Solothurner Gemeinden, so fiel das Dorf bis 2016 auf den 64. Platz im Vergleich mit 109 Einwohnergemeinden zurück. Alle anderen Thaler Gemeinden rangieren in diesem Vergleich im hintersten Drittel. Dies hat sich seit dem Jahr 2000 nicht geändert.