Oensingen
Das Sturmtief Burglind lässt beinahe vergessene Ideen aufleben

Die Überschwemmung südlich der Autobahn A1 in Oensingen lässt die Erinnerung an eine beinahe vergessene Idee eines Badesees aufkommen. In einigen Köpfen ist die Vision noch immer vorhanden.

Sarah Kunz
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Überflutete Felder in der Gäu-Weite zwischen Oensingen und Kestenholz
8 Bilder
 Die massiven Regenfälle nach dem Sturm Burglind liessen die Weite zwischen Kestenholz und Oensingen einmal mehr unter Wasser setzen.
 Die Felder dienen teilweise als Versuchsflächen der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope.
 Zahlreiche Enten und andere Wasservögel nahmen das neue Gewässer schnell an.

Überflutete Felder in der Gäu-Weite zwischen Oensingen und Kestenholz

Bruno Kissling

Wer nach dem notorischen Sturmtief Burglind in Oensingen vorbeifährt, wird sich wohl an eine weit zurückliegende Bau-Idee erinnern: Der Badesee. Vor rund 30 Jahren kam diese Idee erstmals auf, wurde wieder verworfen, erneut aufgegriffen, aber schliesslich doch nie umgesetzt. Es scheint, als hätte der Sturm die Angelegenheit nun selbst in die Hand genommen und das Gewässer angelegt.

Auf der riesigen Wasserlache zwischen Oensingen und Kestenholz auf der Wiese südlich der Autobahn A1 tummeln sich vereinzelt sogar einige Enten. Anders als bei einem eigens angelegten See, wird das Wasser wohl in den nächsten paar Tagen wieder im Grund versickern. Denn eine offizielle Baubewilligung holte «Burglind» nicht ein. Diese dürfte auch in den nächsten paar Jahren nicht erfolgen, der See bleibt Wunschtraum und die Überschwemmung nur kurzfristig.

Sturm "Burglind" zerstört Wald in Kestenholz SO
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Landesweit wurden zehntausende Bäume umgeworfen oder geknickt.
Impressionen vom zerstörten Wald in Kestenholz .
Impressionen vom zerstörten Wald in Kestenholz .
Impressionen vom zerstörten Wald in Kestenholz.
Diese Luftaufnahme vom 4. Februar macht deutlich, welche Schäden der Wintersturm Burglind im Waldgebiet Aebisholz in Oensingen hinterlassen hat.

Sturm "Burglind" zerstört Wald in Kestenholz SO

Christian Merz

Charmante Idee für das Gäu

«Die Vision von einem Badesee ist aber immer noch vorhanden», sagt Gemeindepräsident Fabian Gloor und fügt aber sogleich lachend an: «Zumindest in meinem Kopf.» Wirklich auf Papier besteht die Idee nämlich nicht. «Und ob das wirklich umsetzbar wäre, ist fragwürdig», meint Gloor. Zu viele Fragezeichen stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch im Raum. Mit welchen finanziellen Mitteln wird der See angelegt? Ist das Vorhaben baulich überhaupt umsetzbar? Wie wird die Idee raumplanerisch geregelt?

«Es wäre sicherlich eine charmante Idee und für das ganze Gäu attraktiv», überlegt Gloor. «Andere kleine Seen, wie zum Beispiel der Burgäschisee, haben sich ja auch bewährt.» Ein weiteres Naherholungsgebiet, neben den nahegelegenen Jurahöhen, hält der Gemeindepräsident zudem für erstrebenswert. An einer Podiumsdiskussion im Jahr 2003 war das Echo ähnlich, einzig die Landwirte und der Kanton standen dem Projekt skeptisch gegenüber. Gänzlich abgeneigt war schliesslich jedoch keiner der Podiumsteilnehmer. Sicher ist trotzdem, dass im Verlauf der nächsten paar Jahre kein Badesee angelegt wird.

Idee steckt in Kinderschuhen

Ursprünglich sah die Idee eines Badesees in der Region gemäss Medienberichten folgendermassen aus: Ziel des Gewässers sei einerseits ein Rastplatz für nordeuropäische Watvögel auf ihrem Weg in den Süden, andererseits eine Naherholungszone für die Region. Die Harmonie zwischen Mensch und Tier solle dabei gewährleistet sein. Mehrere Varianten wurden als Speisung diskutiert; entweder sollen der Mittelgäubach, die Dünnern oder der Grundwassersee den rund acht Hektaren grossen und ein Meter tiefe Badesee mit Wasser versorgen.

Diese Idee steckt aber auch nach all den vergangenen Jahren noch in den Kinderschuhen. Das Gebiet südlich der Autobahn bleibt deshalb überschwemmt und unbenutzbar. Wenigstens die paar Enten erfreuen sich ab den letzten Überresten von «Burglind».

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