Kulturtag-Thal
Das Spiel mit den Formen

Der 71 Jährige Oltner Marcel Peltier gestaltet mit einfachen Formen unterschiedliche Themenwelten. In der Galerie Rössli werden seine Arbeiten ausgestellt, die genaues Hinsehen erfordern.

Eva Buhrfeind
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Politisch Motiviertes oder künstlerisch verfremdete Intention? Marcel Peltier zeigt Arbeiten in der Galerie Rössli, die genaues Hinsehen erfordern.

Politisch Motiviertes oder künstlerisch verfremdete Intention? Marcel Peltier zeigt Arbeiten in der Galerie Rössli, die genaues Hinsehen erfordern.

Eva Buhrfeind

Bei Marcel Peltiers Arbeiten muss man gut hinschauen, nicht dem ersten Eindruck vertrauen, sich auf diese reduzierten, eher konzeptuellen Bildgedanken einlassen. Es scheinen, doch, es sind einfache Formen, mit denen der 71-jährige Oltner Künstler seine unterschiedlichen Themenwelten ausformuliert und prozesshaft immer wieder neu sichtet.

Der gemeinsame Nenner dieser Arbeiten in Mischtechnik auf Kraftpapier und Papier ist das Spiel mit den Formen selber. Mit der Wahrnehmbarkeit einer Form und deren Wandelbarkeit? Wie weit ist das, was man sieht, auch das, was man sieht? Auf einem rotmonochromen Hintergrund erhebt sich eine schwarze Gestalt, mehr eine schwarze Hülle mit sehschlitzartigen Aussparungen denn die eindeutige Figur einer Burkaträgerin. Und doch, diese Figur ist Teil einer Trilogie, das zentrale Bild wird beherrscht von einer ornamentalen Anordnung reduzierter Blumen und flankiert von einer weiteren, nun amorphen schwarzen Hülle auf rotem Untergrund.

Genauer hinsehen

Die Betrachtenden sind gefordert, ihr eigenes Bildsehen mit der Bildwirkung des Künstlers abzugleichen, das politisch Motivierte mit der künstlerisch verfremdenden Intention. Es ist diese Wechselwirkung von vordergründigem Sehen und nachwirkendem Erkennen, mit der Marcel Peltier den Betrachter auffordert, genauer hinzuschauen.

Was ist Innenform, was ist Aussenform, was ist Kontur, was Hülle, was ist Porträt und was deren malerische Metamorphose? Die während seines New Yorker Atelier-Aufenthaltes entstandenen Arbeiten in grauschwarzen Nuancen, eher grafisch und zeichnerisch, dabei gemalt, spielen mit einer fein nuancierten Widersprüchlichkeit: Der geometrische Grundriss New Yorks wird hier auf das absolute Minimum einer suggestiven Einfachheit reduziert.

«Überlagerungen»

Mit dem Grafitstift dann hat Peltier ein Universum an feinen Spuren erschaffen, die wie Fingerabdrücke das Bild bevölkern. Es sind minutiös mit dem Grafitstift gesetzte filigrane Körper. Arbeiten, bereits 2011 entstanden, die der Künstler erstmals jetzt präsentiert. Das Spiel mit den Ebenen findet sich eindrücklich in den «Überlagerungen», wenn er auf mit dem Pinsel frei gesetzten Farbvernetzungen mit einfachen Schablonen regelmässig klare Formen platziert und so diese webartigen Strukturen und Schichtungen miteinander in Bewegung bringt. Spannungsvoller gestalten sich diese formalen Momente, wenn Marcel Peltier die grafischen Elemente reduziert und kleine figurative Geschehen zu zurückhaltenden Szenen hineinsetzt. Schemenhafte Figuren, die im Lebensregen oder Lebensschatten zu warten scheinen und die entschleunigte malerische Welt den Betrachtenden näher bringen. Es braucht nur ein wenig Musse, um diese Spielarten künstlerischer Intentionen zu lesen und nachzuvollziehen.

Bis 22. Mai. Do + Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr. Sonntag, 22.5., «Kulturtag-Thal», 10–17 Uhr.

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