Neuendorf
«Das skurrile Häuschen ist auch ein Teil meiner Kindheit»

Das Bader-Hüsli am Dorfbach von Neuendorf, welches nach seinen letzten Bewohnern, den «Huderebader» benannt wurde, hat es Eugen N. A. Rauber angetan. Erworben habe er es, um sich ein Stück seiner Jugenderinnerungen zu bewahren, sagt der 67-Jährige.

Erwin von Arb
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Liebt sein Häuschen am Wasserlauf von Neuendorf: Eugen N. A. Rauber-Holle

Liebt sein Häuschen am Wasserlauf von Neuendorf: Eugen N. A. Rauber-Holle

Erwin von Arb

«Diese skurrile Baute bedeutet für mich auch ein Stück Heimat», sagt Eugen N. A. Rauber-Holle mit Blick auf das liebevoll renovierte Gebäude am Neuendörfer Dorfbach. Bereits in jungen Jahren hat das Häuschen Rauber in seinen Bann gezogen. «Wenn ich auf dem Weg zur Schule daran vorbeiging, hat mich das schnucklige Gebäude immer wieder von Neuem fasziniert.» Die letzten Bewohner, Gabriel Bader und seine Frau, habe er nicht näher gekannt. Die «Huderebader», wie Leute mit diesem Familiennamen Bader damals genannt wurden, wohnten dort von 1941 bis 1954. Das Bader-Hüsli, wie die auf 1,14 Aren stehende Liegenschaft in der Folge genannt wurde, stand nach dem Tod der Baders rund 35 Jahre leer.

1990 wollte Eugen N. A. Rauber Holle den voranschreitenden Zerfall des Häuschens nicht weiter mit ansehen. Schliesslich konnte er sich mit dem damaligen Besitzer, EHCO-Spieler Markus Graf, einigen, dass er das Haus samt minimalem Umschwung für 55 000 Franken käuflich erwerben durfte. «Das war viel Geld, gemessen am desolaten Zustand des Gebäudes und der Grösse des Landstücks», erinnert sich Rauber. Das Dach sei an einigen Stellen bereits eingebrochen, mit entsprechenden Schäden an der Bausubstanz. Für ihn sei der Kauf des Bader-Häuschens wichtig gewesen, weil er damit auch ein Stück seiner eigenen Kindheit habe am Leben erhalten können. «Ich bin hier aufgewachsen, der Weiterbestand dieses Hauses hat mir am Herz gelegen.»

In den Jahren 1991 und 1992 sanierte Rauber das nur gerade knapp vier Meter breite, 12 Meter lange und am Dachgiebel 4,6 Meter hohe Haus mit viel Liebe. Im Erdgeschoss befindet sich eine sechs mal vier Meter grosse Wohnstube mit Kleinküche und Holzofen sowie westlich davon ein kleines Zimmer, das zum Schlafen oder als Büro genutzt werden kann. Auf der Ostseite baute Rauber einen Nassraum mit WC und Dusche ein.

Etwas spartanischer eingerichtet ist der sich über die ganze Länge des Häuschens erstreckende Raum im Obergeschoss mit Dachschräge. Es gibt zwar WC und Dusche, aber keine Küche. In diesem Raum wird Rauber schon bald sein Büro einrichten. Dieses befindet sich derzeit noch im Erdgeschoss. Nun habe sein 24-jähriger Sohn, der an der ETH Zürich Architektur studiere, seine Rückkehr nach Neuendorf angekündigt. «Er wird im Erdgeschoss einziehen», sagt Rauber sichtlich erfreut.

Der 67-Jährige verbringt vor allem seit seiner Pensionierung Ende 2009 viel Zeit im Bader-Hüsli. Vorher war die Liegenschaft meist vermietet. «Dieses Haus ist für mich ein Ort, wohin ich mich zurückziehen und neue Kraft tanken kann.» Inzwischen wirke sogar das Plätschern des Dorfbaches inspirierend auf ihn. «Als Nichtschwimmer habe ich ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser», verrät Rauber.

Nicht genutzt wird der geschichtsträchtige Keller unter dem Bader-Hüsli. Als Weinkeller würde sich der mehr als einen Meter unter dem Wasserspiegel des Dorfbachs angelegte Raum hervorragend eignen, wie Recherchen von Kuno Schaub zeigen. Anfang des 20. Jahrhunderts soll im Keller Wein in Fässern für den rund 200 Meter entfernten Landgasthof Ochsen gelagert worden sein. «Weinflaschen könnte man heute hier nicht lagern; die Etiketten würden sich ob der Feuchtigkeit ablösen», sagt Rauber.

Eugen N. A. Rauber-Holle nenne er sich, weil ihm seine Eltern drei Namen gegeben hätten. «Eugen Niklaus Anton steht in meiner Taufurkunde.» Mit den Kürzeln N. A. wolle er sich auch von seinem Grossvater Eugen Rauber-von Arx unterscheiden. Dieser war Dorfchronist und gehörte damit wie sein Grosskind Eugen N. A. Rauber-Holle der schreibenden Zunft an. Erstmals sichtbar auf die Spuren seines Grossvaters begab sich Rauber im Jahr 1983, als er zusammen mit Martin Heim und Kuno Schaub redaktionell für die erste Ausgabe der Neuendörfer «Chropftuube»-Zeitung verantwortlich zeichnete.

Schreiben ist für Rauber denn auch eine Kunst wie etwa das Malen von Bildern, wie dies seine Frau Constanze seit Jahren tut. In seinem Beruf als Korrektor habe er diese Leidenschaft aber nur bedingt ausleben können. «Es war beengend, sich immer an die Regeln halten zu müssen.» Nicht zuletzt deshalb begann er, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. Sein erster Gedichtband mit dem Titel «Gegen eine Wand» erschien 1967, gefolgt von drei weiteren Werken in den Jahren 1984 («Zwischentöne»), 1987 («Etüden für Typenklavier») und 2011 («Mit Argus’ Augen»). Mit Worten spielt Rauber übrigens auch gerne in der «Chropftuube», welche er seit 30 Jahren quasi im Alleingang herstellt. Wenn ihm etwas im Dorf auffällt, findet er die richtigen Worte, um dies pointiert auf den Punkt zu bringen, ohne aber jemanden zu verletzen.

Wenn Rauber nicht gerade für die «Chropftuube» arbeitet oder für diese Zeitung Konzerte bespricht und von Aufführungen berichtet, reist er gerne mit seiner Frau Constanze in deren deutsche Heimat. «Mir gefällt es in Bayern zwar sehr gut, aber dort sesshaft zu werden, kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe meine Wurzeln und meine Freunde hier in Neuendorf. Beides möchte ich nicht missen.»