Thal-Gäu

Das Projekt «Natur im Siedlungsraum» will naturnahe Gärten im Thal fördern

Vor und nach der Umsetzung einer naturnahen Gestaltung in Laupersdorf.

Vor und nach der Umsetzung einer naturnahen Gestaltung in Laupersdorf.

Im Oktober 2019 startete «Natur im Siedlungsraum» als Pilotprojekt in Laupersdorf. Ziel ist es, monotone Flächen in den Thaler Gemeinden ökologisch aufzuwerten und damit die Biodiversität zu fördern.

Der Pilot in Laupersdorf war erfolgreich und so hat die Projektleiterin Sandra Balmer das Vorhaben Mitte September 2020 auch in anderen Thaler Gemeinden vorgestellt. «Natur im Siedlungsraum» richtet sich sowohl an Gemeinden als auch an Unternehmen und Private.

In einem ausführlichen Leitfaden beschreibt der Naturpark Thal diverse Methoden, den öffentlichen Raum sowie den privaten Garten naturnaher zu gestalten. Die Ideen gehen dabei von einfachen und kostenlosen Vorschlägen wie dem Errichten eines Asthaufens, der Igeln einen Unterschlupf bieten könnte, zu aufwendigen Massnahmen wie dem Erstellen eines Weihers.

Um Privatpersonen einen besonderen Anreiz zur Veränderung ihrer Gärten zu bieten, erhalten diese nebst einer kostenlosen Beratung durch Fachpersonen ein Holzschild pro umgesetzte Massnahme. Ab drei umgesetzten Massnahmen bekommt man zusätzlich das Zertifikat «Naturnaher Garten» verliehen und eine Apéro-Tasche überreicht. Damit will der Naturpark Thal die Visibilität des Projekts erhöhen. «Das Zertifikat könnte man sich an das Gartentor hängen und die Nachbarn zu einem Apéro einladen, um ihnen den neuen Garten zu zeigen», schlägt Sandra Balmer vor. Damit motiviere man möglicherweise andere, ihre Gärten auch naturnaher zu gestalten. «Es macht schliesslich auch mehr Freude, wenn man einen lebendigen Garten hat.»

Die Ideen stossen auf Anklang

In Laupersdorf wurden bereits 25 Privatpersonen beraten, 46 Einzelmassnahmen durch die lokale Arbeitsgruppe in ihrer Umsetzung unterstützt und 8 Gärten zertifiziert. Auch die Gemeindeflächen wurden durch Partizipation der Bevölkerung renaturiert. Das habe nicht nur den Vorteil, dass die Flächen nun schöner aussehen, meint Balmer. «Die Einwohnerinnen und Einwohner können sich nun auch stärker mit ihrer Gemeinde identifizieren. Durch das gemeinsame Umsetzen der Massnahmen wächst der gesellschaftliche Zusammenhalt.»

Die Frage, ob sie ein Verbot der momentan so kontrovers diskutierten Steingärten befürworte, verneinte Balmer. «Steingärten sind ökologisch sicherlich nicht ideal. Ein Verbot ist aber derzeitig nicht unser Weg. Anreize zu schaffen, finden wir sinnvoller.» Weil es im Zusammenhang mit den Herausforderungen des Klimawandels so wichtig werde, die Biodiversität zu fördern, möchte sie mit dem Projekt einen solchen Anreiz bieten.

Viele Menschen würden davor zurückschrecken, ihre Gärten renaturieren zu lassen, weil sie sich vor höheren Kosten und einem zeitintensiven Pflegeaufwand fürchteten. Ein naturnaher Garten sei aber in Wirklichkeit billiger und ziehe oft auch weniger Aufwand mit sich. Zahlenbeispiele und Belege dazu fänden Interessierte im Leitfaden.

Ob man Steingärten optisch ansprechend fände, sei ausserdem Ansichtssache, es gäbe aber auch unzählige Möglichkeiten, Steinmaterialien in den Garten zu integrieren, ohne den Boden zu versiegeln und die Lebensräume zu zerstören. Steinkörbe bieten zum Beispiel einen wichtigen Lebensraum für Kleintiere.

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