Versammlung
Das Problem in der Sozialregion Thal-Gäu: «Nicht alle ticken gleich»

Kosten, Standort und das Klima waren prägende Themen an der Delegiertenversammlung der Sozialregion Thal-Gäu in Laupersdorf. Geschäftsführerin Cornelia Gutweniger forderte eine Aufstockung beim Verwaltungspersonal.

Alois Winiger
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Die Standorte der Sozialregion Thal-Gäu sind im Gemeindehaus Balsthal und im Gemeindehaus in Härkingen.

Die Standorte der Sozialregion Thal-Gäu sind im Gemeindehaus Balsthal und im Gemeindehaus in Härkingen.

bko

Überraschende Töne waren zu vernehmen, was die Zusammenarbeit von Zweckverband Sozialregion Thal-Gäu, Gemeinden, Kommissionen und Behörden angeht. Mehrfach wurde an der Versammlung in der «Krone» Laupersdorf betont, man könne deutlich besser miteinander reden als auch schon.

Die Anliegen würden bei den kantonalen Behörden, namentlich bei der Amtsvorsteherin Claudia Hänzi, ernst genommen. Lobende Worte gab es auch für die neue Geschäftsleiterin der Sozialregion, Cornelia Gutweniger, die sich seit ihrem Antritt im November bestens eingearbeitet habe.

Von 277 auf 411 Franken

Nicht überraschend war dagegen, dass die budgetierten Kosten von 380 Franken pro Einwohner und Jahr nicht ausreichen würden. Wie Zweckverbandspräsident Kurt Bloch ausführte, sei bereits nach dem ersten Semester 2014 die Hälfte der Budgetvorgabe überschritten worden. Die Rechnung 2014 werde eine Belastung von 410,80 Franken pro Einwohner aufweisen. Im Jahr 2010 waren es noch 277 Franken, zwei Jahre später bereits 357 Franken. «Wir suchen noch immer nach Erklärungen, warum die Kosten ständig dermassen stark ansteigen», sagte Bloch. «Ohne Zweifel tragen Gesetzesänderungen in den Bereichen Arbeitslosenversicherung und Invalidität dazu bei. Denn wenn diese Institutionen finanziell entlastet werden, so werden die Kosten einfach verlagert – und zwar auf die Sozialhilfe.»

Man gehe ferner davon aus, dass Massnahmen der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb die Kosten in die Höhe treiben. Eindeutig zu belegen sei dies aber genau so wenig wie andere Gründe. Denn es fehle ein wirksames und flächendeckendes Controlling, stellte Bloch fest. Jede Region versuche auf ihre Weise zu einem Schluss zu kommen. Daher fehlten auch entsprechende Vergleichsmöglichkeiten, die wertvoll wären.

Mit dieser Aussage war die Frage aus der Runde zum Teil beantwortet, nämlich wie die Sozialregion Thal-Gäu im Vergleich zu anderen dastehe. Cornelia Gutweniger fügte bei, eine Möglichkeit zum Vergleichen scheitere daran, dass sich keine andere Sozialregion für einen Vergleich zur Verfügung stelle. «Man befürchtet, es arte in ein Konkurrenzdenken aus.»

Erste Massnahmen eingeleitet

«Die Politik ist gefragt», lautete die Forderung im letzten Jahr, wie Kurt Bloch weiter berichtete, und: «Die Politik hat reagiert, und zwar in der Regel in Zusammenarbeit mit dem Verband Solothurner Einwohnergemeinden. Das ist ein Fortschritt.» Erste Massnahmen gegen die Kostensteigerung seien eingeleitet worden. So mit der Plafonierung der Kosten im Bereich der Integrations- und Beschäftigungsprogramme 2015 und der Neuregelung der Finanzierung der Solopro-Angebote. Bloch gab ein Beispiel: Es sei nicht einzusehen, warum es eine Prämie gibt für eine Person, die aktiv einen Job sucht, «denn das ist eine Voraussetzung.»

Eine weitere Massnahme betrifft die Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Sozialwesen zwischen Kanton und Gemeinden. Da sollen unter anderem für die Fallführung kantonsweite Standards vorgegeben und kontrolliert, ferner das Berichts- und Abrechnungswesen harmonisiert werden. Diese Massnahmen werden gemeinsam erarbeitet vom Amt für soziale Sicherheit, VSEG, Sozialregionen (Cornelia Gutweniger ist dabei) und der Hochschule für Soziales Luzern. Im Weiteren wird sich eine Projektgruppe dem Thema des unrechtmässigen Leistungsbezugs in der Sozialhilfe annehmen. Alle diese und weitere Massnahmen sollen dazu führen, «dass alle Sozialregionen gleich ticken und vergleichbar sind», wie Bloch sich ausdrückte. Da würden auch insbesondere die Leute an der Front stark gefordert sein.

Standort Oensingen in Sicht?

Die Sozialregion Thal-Gäu müsse aufseiten Verwaltung dringend verstärkt werden, erklärte Geschäftsführerin Cornelia Gutweniger. Zum einen in der Buchhaltung, zum andern im Bereich Flüchtlingswesen, der eine massive Zunahme verzeichne. Vorgesehen ist eine Aufstockung um total 180 Stellenprozente. Ferner muss die Buchhaltung auf HRM2 umgestellt werden, was 8000 bis 10 000 Franken kosten wird. Im Weiteren stehe die Erneuerung des veralteten EDV-Systems an, der Posten soll im Budget 2016 berücksichtigt werden.

Bezüglich des Wunsches, die Sozialregion von den bisher zwei Standorten Härkingen und Balsthal auf einen einzigen zu konzentrieren, orientierte Bloch, dass sich im Wohnpark Leuenfeld in Oensingen innerhalb der nächsten Ausbauschritte eine Möglichkeit eröffne. Einen konkreten Zeitplan könne man aber noch nicht vorlegen. Zudem müsse noch eine Lösung gefunden werden in Bezug auf den bis 2024 dauernden Mietvertrag für die Räume in Härkingen.