Bisher haben sich vorab zwei Institutionen um das kulturelle Angebot in Balsthal gekümmert: Die Fachkommission Kultur der Gemeinde und der privat organisierte Kulturpunkt. Nun kommt eine weitere dazu: Das Hotel Balsthal mit der Rösslibühne. «Das traditionelle Neujahrskonzert ist zurück in Balsthal.» So wird in Anzeigen und auf Flyern geworben, und der Einstieg erfolgt gleich mit einem prominenten Musiker: Der Blueser Philipp Fankhauser wird am 1. und 2. Januar auf der Rösslibühne auftreten. Aber: Was ist eigentlich mit «zurück» gemeint? «Weil es über eine Zeit lang sehr schöne und erfolgreiche Konzerte gegeben hat, und zwar in der katholischen Kirche», antwortet Rolf Glanzmann. Sein Bruder Ueli und Margrit Niederöst hatten diese Anlässe organisiert.

Start mit Irrwisch

Auslöser dafür waren Kirchenkonzerte mit der Band Irrwisch, die wir andernorts erlebt hatten», berichtet Glanzmann. «Ich fragte Steff Bürgi, was er von einem Neujahrskonzert halten würde. Er und die ganze Band waren begeistert und sagten zu.» 2001 fand dann das erste Konzert statt. «Wir setzten dieses bewusst auf 17 Uhr an, damit man einerseits tagsüber mit Familie oder Freunden zusammenbleiben kann und anderseits, dass man nachher noch etwas Essen gehen und miteinander aufs neue Jahr anstossen kann», erklärt Glanzmann. Daran will man beim jetzt angesagten Konzert in Rösslisaal festhalten.

Der Erfolg des ersten Konzerts war gross, was für die Fortsetzung des Anlasses sprach. «Mit Irrwisch hatten wir ein Qualitätsniveau gesetzt, das wir natürlich nicht herabsetzen wollten.» So folgten dann zum Beispiel Flügzüg, Philipp Fankhauser oder ein Ensemble mit Katy Winter, Baschi, Othella Dallas etc. Der Auftritt von Andreas Vollenweider sei sensationell gewesen, aber man sei an Grenzen gestossen, sagt Glanzmann. Die Gage sei doch recht hoch gewesen und deshalb hätte man gerne mehr als 400 Plätze verkauft.

Aber das ging nicht in der Kirche. «Einmal haben wir Stephan Eicher angefragt. Als Gage nannte er eine Million, worauf ich sagte, dass ich es ernst meine. Er darauf: Ich auch.» Mit der Verpflichtung der Swiss Tenors wollte man eine stilistische Abwechslung bieten, der Erfolg blieb allerdings mässig. «Darauf hin haben wir uns für eine Pause entschieden.»

Wiederhören mit Fankhauser

Dieser Pause hat Hansueli Häni, Geschäftsführer des Hotels Balsthal, ein Ende gesetzt. Seit einiger Zeit organisiert er im Kornhaus regelmässig Jazzkonzerte. «Nun möchte ich noch mehr Leben in den Rösslisaal bringen, der ja längere Zeit kaum genutzt war», sagt Häni. Dies erwähnte er gegenüber Rolf Glanzmann, der jüngst auch bei den Aufführungen der Dramatisch Literarischen Gesellschaft im Rösslisaal mitgewirkt hat und Kontakte zu Künstlern pflegt. «Glanzmann reagierte begeistert und schlug vor, das Neujahrskonzert wieder aufleben zu lassen. Das gefiel auch mir sofort, und dann erst recht, als Glanzmann mit Philipp Fankhauser einen Topmusiker vermitteln konnte.»

Alle im Dorf unter einem Dach?

Häni will nun also regelmässig Konzerte auf der Rösslibühne durchführen. Wäre es da nicht sinnvoll, den Kalender und das Angebot mit jenem der Fachkommission Kultur und des Kulturpunkts abzustimmen? «Ich habe mir diesbezüglich noch nicht gross Gedanken gemacht», sagt Häni. «Aber es spricht grundsätzlich nichts dagegen. Wir sind offen.» Dem pflichtet Rolf Glanzmann bei und schiebt nach, man wolle nun einfach mal starten und schauen, wie es sich entwickelt. Eines sei aber sicher: «Ich stelle Ansprüche. Es muss für alle ein Erlebnis sein und nicht nur ein gefälliger Anlass.»

Judith Hafner, Präsidentin der Fachkommission Kultur, findet eine Absprache ebenfalls sinnvoll. «Aber deswegen müssen nicht unbedingt alle unter einem Dach vereint sein», glaubt sie. Denn Berechtigung haben aus ihrer Sicht alle drei Institutionen. «Jede verfolgt schliesslich eine bestimmte Stilrichtung für ihre Anlässe.»

Auch eine Frage des Geldes

Und wie sieht es die Präsidentin des Kulturpunkts, Fränzi Zwahlen-Saner? «Die unterschiedliche Ausrichtung scheint mir auch wichtig und richtig», antwortet sie. «Ein gemeinsames Gespräch kann aber sicher nicht schaden.» Der Kulturpunkt ist bereits mit dem Hotel Balsthal verbunden, indem einzelne Anlässe im Dachstock des Kornhauses stattfinden. «Wir müssen den finanziellen Aspekt im Auge behalten. Den Kultursaal Haulismatt stellt uns die Gemeinde gratis zur Verfügung.» Für den Rösslisaal spreche, dass er sehr zentral liegt und die Gäste vor und nach der Vorstellung in ein Lokal einkehren können.