Seit 76 Jahren überbringt die Musikgesellschaft Eintracht Kestenholz der Bevölkerung jeweils am 1. Januar mit Ständeli quartierweise im ganzen Dorf musikalische Glückwünsche zum neuen Jahr. Damit ist ab kommendem Jahr Schluss, wie die «Eintracht» die Kestenholzer Bevölkerung im aktuellen Anzeiger Thal-Gäu-Olten wissen lässt. «Es ist uns sehr schwergefallen, auf diese bei der Bevölkerung sehr beliebte Tradition zu verzichten», sagt Vereinspräsident Hanspeter Camenzind zum Entscheid des Vereins.

Mammutprogramm bewältigt

Als Gründe für die Aufgabe des Neujahrblasens erwähnt der Präsident der «Eintracht» den damit verbundenen Aufwand sowie die zunehmende Überalterung des im Jahr 1908 gegründeten Musikvereins. Am Neujahrstag seien die Vereinsmitglieder jeweils von 11.30 morgens bis abends um 17 Uhr abends im Einsatz gestanden und hätten in dieser Zeit in den Quartieren 66 Märsche gespielt. «Dieses Mammutprogramm hat uns zusehends mehr Probleme bereitet», so Camenzind.

Beschlossen wurde die Aufgabe des Neujahrsblasens im Rahmen der dieses Jahr von der Generalversammlung gutgeheissenen Neuausrichtung des Vereins. Diese sieht die Aufteilung der Aktivitäten der «Eintracht» in die Phasen «Ständeli» und «Intensiv» vor. Zur letzteren Phase zählen das neu jährlich stattfindende Kirchenkonzert im November, das jeweils im Januar anstehende Jahreskonzert sowie das Jubilaren–Konzert.

Quartier-Ständeli neu im Juni

Im Bereich Ständeli sollen an Stelle des Neujahrsblasens ab kommendem Jahr jeweils im Juni an drei Tagen in verschiedenen Quartieren Konzerte mit Gönner-Einzug stattfinden. Camenzind hofft, dass die Dorfbevölkerung der Musikgesellschaft bei diesem Gönnereinzug ebenso wohlgesinnt ist wie in der Vergangenheit am Neujahrstag. Weiterhin zum Ständeli aufspielen wird die «Eintracht» künftig auch am Muttertag und am Weissen Sonntag. Verzichtet wird hingegen auf eine Teilnahme an der Fronleichnamsprozession.

Nicht zur Diskussion steht die Beibehaltung der zwei Stüblis der Musikgesellschaft an der St. Ursen-Chilbi, ist doch die «Eintracht» Gründerin der beliebten Chilbi, wie der Präsident erwähnt. «Für uns ist das auch eine wichtige Einnahmequelle, auf die wir nicht verzichten können», sagt Camenzind.

Bestand an der unteren Grenze

Das Vereinsleben beschreibt der Präsident der «Eintracht» als aktiv und gesund. Allerdings könnte der aktuell 23 Mitglieder zählende Verein einen gewissen Zuwachs vertragen. Der Bestand bewege sich an der unteren Grenze für eine Blasmusik. Deshalb seien Absenzen oft schwierig zu kompensieren. Aus diesem Grund habe sich die «Eintracht» Kestenholz mit der «Konkordia» Oberbuchsiten zu einer Spielgemeinschaft zusammengeschlossen. Am 12. November hätten die zwei weiterhin eigenständigen Vereine am Kirchenkonzert in Kestenholz erstmals gemeinsam aufgespielt, bemerkt Camenzind. Das nächste Ziel sei die Teilnahme als Spielgemeinschaft an den Regionalen Musiktagen in Mümliswil-Ramiswil.