Oensingen
Das neue Aggregat produziert Biogas-Strom für 2362 Wohnungen

Das schweizweit grösste Blockheizkraftwerk seiner Art hat in der BV Kompostieranlage Oensingen seinen Betrieb aufgenommen. Seit 2009 wird aus Klärgas Strom für rund 1600 Wohnungen erzeugt. Nun können 2362 Wohnungen mit «grünem» Strom versorgt werden.

Alois Winiger
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Eine imposante Anlage: Das neue Blockheizkraftwerk bei der BV Kompostierung AG Oensingen

Eine imposante Anlage: Das neue Blockheizkraftwerk bei der BV Kompostierung AG Oensingen

Die BV Kompostieranlage Oensingen produziert seit 2009 Strom aus Kompogas aus dem eigenen Fermenter und aus Klärgas der Abwasser-Reinigungsanlage (ARA) Falkenstein. Im Einsatz war bisher ein Blockheizkraftwerk (BHKW), das Strom für rund 1600 Wohnungen erzeugte. Nun ist ein neuer Motor in Betrieb genommen worden, der 2362 Wohnungen mit Strom versorgen kann.

Die Investitionskosten betragen total gut eine Million Franken, wie von Urs Bobst, Geschäftsführer der BV Kompostieranlage zu erfahren ist. «Die Auslastung des Gasmotors, den wir bisher in Betrieb hatten, lag bei 96 Prozent», begründet Bobst die Neuanschaffung.

«Hier in Oensingen werden rund 18 000 Tonnen Bioabfall pro Jahr verwertet. Die Verarbeitung von Grüngut und industriellen Abfällen musste teilweise zurückgefahren werden, weil sonst das überschüssige Biogas ungenutzt abgefackelt werden müsste.»

Eine Besonderheit

Dieses Blockheizkraftwerk ist das derzeit grösste in der Schweiz, das mit Kompogas läuft. «Hier zeigt sich vorbildlich, wie Synergien genutzt werden können», erklärt Reto Mohr, Leiter Betriebe Schweiz der Axpo, die an der Oensinger Anlage mit 50 Prozent beteiligt ist.

Er hebt besonders die geglückte Zusammenarbeit hervor zwischen einem Privatunternehmen wie der Axpo und der ARA, die der öffentlichen Hand gehört. «Die benachbarte ARA Falkenstein liefert ihr Klärgas zur Verwertung an die BV Kompostieranlage Oensingen.

Die Wärme aus dem Blockheizkraftwerk wird wiederum in der ARA genutzt.» Der neue Gasmotor ist nämlich so beschaffen, dass er sowohl mit Biogas als auch mit Klärgas betrieben werden kann.

Der Wirkungsgrad des Motors liegt mit 889 kW um 4,2 Prozent höher als beim bisherigen mit 625 kW. «Mit dem neuen BHKW kann nicht nur insgesamt mehr Gas verwertet werden, durch eine optimale Auslastung wird auch die Kompogas-Produktion deutlich gesteigert», führt Urs Bobst weiter aus. «Die Erneuerung der Anlage ist damit sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll.»

Sogar überschüssiges Gas

Glücklich darüber, dass die ARA Falkenstein jetzt mehr Gas verkaufen kann, ist auch deren Betriebsleiter Markus Bieli. «2012 waren es bereits zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.» Die Tendenz sei steigend, da auch der Zufluss an zu reinigendem Wasser zunehme. Leider aber falle anderseits die Vergütung für den Strom geringer aus, und er werde voraussichtlich noch weiter sinken.

Die Gasproduktion aus der ARA Falkenstein wäre mehr als ausreichend, um deren gesamten Strombedarf zu decken, 2012 betrug er 1,447 Mio. kWh. Dazu hätte aber die ARA ihr altes Blockheizkraftwerk ersetzen müssen. Als absehbar wurde, dass die benachbarte BV Kompostieranlage Oensingen AG eine grössere Anlage anschaffen will, sah man es als sinnvoller an, das Klärgas dorthin zu verkaufen.

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