Musikfestival
Das Mümliswiler Musikfestival Classionata ist ein kultureller Leuchtturm

Auch dieses Jahr beginnt in Mümliswil am 18. April das Musikfestival Classionata. Dabei traten bereits illustre Namen an einem der grössten kulturellen Events in Solothurn auf.

Josef Tschan-Studer
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Tafeln an den Ortseingängen weisen auf das Grossereignis in der hinten sichtbaren Aula Brühl hin.

Tafeln an den Ortseingängen weisen auf das Grossereignis in der hinten sichtbaren Aula Brühl hin.

Josef Tschan-Studer

Die ersten Proben des Classionata-Ensembles für die diesjährigen Operettenaufführungen sind abgeschlossen. In wenigen Tagen reisen die Künstlerinnen und Künstler aus dem Ausland und der Schweiz zur zweiten Probephase ins Guldental. Dann werden Intendant Andreas Spörri sowie Regisseur Thomas Mittmann in einer intensiven Zeit alle Teile – sprich Orchester, Solisten und Chor – für den «Zigeunerbaron» zusammenfügen. Seit nunmehr 20 Jahren ist der Festivalgründer und Kulturschaffende Andreas Spörri, der mit seinem Wirken internationalen Ruf erlangt hat, schon in Mümliswil tätig. Für die kleine Landgemeinde, abseits der grossen Kulturzentren, ist sein Engagement ein wahrer Glücksfall.

Sogar im russischen Fernsehen

«Selbstverständlich haben wir vor 20 Jahren unsere Infrastruktur zur Verfügung gestellt, als die Anfrage für ein Konzert eintraf», erinnert sich Gemeindepräsident Kurt Bloch. Was sich daraus entwickeln würde, war damals niemandem bewusst. Treibende Kraft war von Anfang an der Mümliswiler Heinz Ackermann, der Andreas Spörri aus der Zeit als Militärmusiker kennt. «Damals fanden zwar nur die Proben in unseren Anlagen statt», so Bloch weiter. Aber nach dem Erfolg des ersten Konzerts der Camerata St. Petersburg in der Kirche St. Martin kehrte Andreas Spörri immer wieder in die Konzertaula Brühl zurück. «Die Infrastruktur der Aula ist für die Operettenaufführungen bestens geeignet», sagt Andreas Spörri. Und die Kirche habe eine so hervorragende Akustik, die er zu den zehn Besten in Europa zählt, die er von seinen Auftritten her kennt.

«Wir sind schon sehr stolz auf die Classionata», meint Heinz Ackermann, der auch nach 20 Jahren unermüdlich für die Musikfesttage im Einsatz steht. Immerhin kann man auf gut 100 Konzerte und Operettenaufführungen zurückblicken, die alle praktisch ausverkauft waren und die vom Publikum mit Standing Ovations verdankt wurden. Das staatliche russische Fernsehen berichtete 1999 über das Kulturereignis aus dem kleinen Schweizer Dorf. Noch wichtiger waren die Reportagen von «10 vor 10» 1993 und der Bericht in der Sendung «Schweiz aktuell».

Pereira, Leuthard, Nadelmann

Berühmte Namen waren schon zu Gast in Mümliswil, so der damalige Intendant des Zürcher Opernhauses Alexander Pereira oder Bundesrätin Doris Leuthard, die eine der Eröffnungsreden hielt. Bekannte Grössen aus der Klassikszene traten im Guldental auf, darunter Noemi Nadelmann, Dimitri Ashkenazy, Bettina Sartorius oder Edward H. Tarr. Personen, die stets für hochstehende Klassik und Unterhaltung garantieren. Aber auch das Operettenensemble kannte und kennt noch heute klingende Namen; Sängerinnen und Sänger, die sonst auf den berühmtesten Opernbühnen stehen. «Es ist für einen Laien ein einmaliges Erlebnis, mit all den international bekannten Künstlerinnen und Künstlern auf einer Bühne zu singen», meint dazu Heidi Wettstein, die seit Anbeginn im Classionata-Chor mitsingt.

Unverzichtbarer Imageträger

«Es ist aussergewöhnlich, dass einer der grössten kulturellen Events im Kanton Solothurn hier bei uns stattfindet», führt Kurt Bloch weiter aus. Für die Gemeinde sei die Classionata zu einem unverzichtbaren Imageträger geworden, der den Namen Mümliswil weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht habe. Während jeweils 11 Tagen besuchen immerhin über 4500 Personen das Dorf. «Ich bin beeindruckt und überrascht, was ihr da hinten immer wieder zustande bringt», zeigte sich eine Besucherin begeistert am Vorverkaufstelefon. Sie komme schon zum siebten Mal an die Classionata und sei für Wanderungen über die Jurahöhen zurückgekehrt.

«Unschätzbare Wertschöpfung für die Gemeinde»

Längst sind die Musikfesttage zu einem Unternehmen und somit zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden. «Wir investieren jeweils über 120 000 Franken für Übernachtungen, Verpflegung der Künstler und anderes mehr», ist von Heinz Ackermann zu erfahren. Dazu kommen Portokosten für Werbung und den Vorverkauf von 10 000 Franken. Geld, das ortsansässigen oder regionalen Betrieben unmittelbar zugutekommt. Was die Künstler und die vielen Besucher während ihres Aufenthalts ausgeben, kann nicht beziffert werden. «Die Wertschöpfung ist für unsere Gemeinde unschätzbar», betont Kurt Bloch.

Das Angebot rund um die Classionata wurde stetig ausgebaut. Die Gäste können sich im Classionata-Restaurant gleich neben der Konzertaula kulinarisch verwöhnen lassen. Dem OK ist es gelungen, das gleiche Zeltmodell zu mieten, wie es auch am WEF in Davos für die illustren Gäste verwendet wird.

Bereits sind grosse Hinweistafeln an den Ortseingängen aufgestellt und die Hauptstrasse ist festlich mit Classionata-Fahnen beflaggt. Eigentlich könnte es losgehen – aber bis zur Premiere am 18. April wartet auf Andreas Spörri, Heinz Ackermann, die Künstlerinnen und Künstler sowie die unzähligen Helfer im Hintergrund noch ein grosses Stück harte Arbeit. Arbeit, die letztlich dazu dient, dem Publikum begeisternde und unvergessliche musikalische Momente in Mümliswil zu bieten.

Infos und Reservationen: www.classionata.ch