Niederbuchsiten
Das kleinste Dorf im Gäu erhält einen wilkommenen Wachstumsschub

In Niederbuchsiten entstehen acht neue Mehrfamilienhäuser mit 80 Wohnungen. Dies, nachdem seit über 20 Jahren kein Mehrfamilienhaus mehr gebaut worden ist. Damit einhergehend wächst die Bevölkerung um 200 Personen auf knapp 1200 Einwohner an.

Erwin von Arb
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48 neue Wohnungen entstehen im Schäferacker, wo vier Mehrfamilienhäusern im Bau sind.

48 neue Wohnungen entstehen im Schäferacker, wo vier Mehrfamilienhäusern im Bau sind.

HR.Aeschbacher

Der Bau der Autobahn hat fast allen Gemeinden im Gäu Wohlstand und Wachstum gebracht. Davon profitiert hat auch der Wohnungsbau, welcher unterschiedlich stark ausgeprägt in Oensingen, Egerkingen, Kestenholz, Neuendorf, Härkingen und Oberbuchsiten zu beobachten ist.

Etwas abseits stand bislang die 976-Seelen-Gemeinde Niederbuchsiten, wo sich die Bautätigkeit in den letzten 20 Jahren auf die Errichtung einzelner Einfamilienhäuser beschränkte. Mehrfamilienhäuser wurden im kleinsten Gäuer Dorf nicht mehr gebaut, weil es dafür keine geeigneten Bauplätze gab, wie Gemeindeschreiberin Ursula Zeltner erklärt.

Dorf soll um 200 Personen wachsen

Inzwischen hat sich die Situation völlig verändert, zwei Grossbaustellen mit insgesamt 80 Wohneinheiten sind im Bau. Die Einwohnerzahl soll dadurch um 20 Prozent oder rund 200 Personen anwachsen. Ausgelöst wurde dieser Wachstumsschub durch die Einzonung von neuem Bauland sowie durch den Umstand, dass die Ruwa Generalbau AG, Trimach, zwei Landstücke im Schäferacker nahe des Therapiezentrums Casa Fidelio erwerben konnte. «Ich kenne die Besitzer und konnte so die Grundstücke erwerben und einem gemeinsamen Projekt zuführen», erklärt Rudolf Meier von der Ruwa.

Auf dem Areal sind vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 48 Wohneinheiten am Entstehen. Die Kosten sind mit 18 Mio. Franken veranschlagt. Meier ist mit der Nachfrage zufrieden. Dank ruhiger Lage und Nähe zum Autobahnkreuz seien bereits 40 Prozent der Wohnungen vermietet. Die ersten zwölf Wohnungen sollen am 1. April bezugsbereit sein. Etappenweise sollen am 1. Juli und 1. Oktober die restlichen Wohnungen folgen.

Auch für Senioren geeignet

Dank einer Umzonung konnte im Juli 2013 im Ziegelfeld ein weiteres Grossprojekt im Angriff genommen werden. Hier werden vier Mehrfamilienhäuser mit total 32 Wohnungen realisiert. Bauherren sind die Gebrüder Josef und Hans Scherrer, die in Olten ein Dienstleitungsunternehmen in der Gesundheitsbranche führen. Das Land konnten die Brüder günstig von einer Erbengemeinschaft erwerben. «Bedienung war, kein Spekulationsobjekt daraus zu machen», sagt Hans Scherrer.

Diesem Anliegen hätten sie Rechnung getragen, indem sie komfortablen Wohnraum zu erschwinglichen Preisen geschaffen hätten, so der 67-Jährige. Die rollstuhlgängigen Wohnungen eigneten sich auch für Senioren, erwähnt Scherrer mit Blick auf das benachbarte Alters- und Pflegeheim Stapfenmatt. Dessen Dienstleistungen könnten ältere Menschen bei Bedarf in Anspruch nehmen. Das sei so zugesichert. Die unter der Federführung der W. Thommen AG, Olten entstehenden Mehrfamilienhäuser sollen ab Oktober bezugsbereit sein.

Für Niederbuchsiten sind die zwei Bauprojekte mit insgesamt 80 neuen Wohnungen ein Segen, nicht zuletzt auch für die Gemeindekasse. Die Gemeinde hofft denn auch, dass sich das angenommene Bevölkerungswachstum um rund 200 Personen positiv auf die Finanzkraft von Niederbuchsiten auswirken wird. Bezüglich der Infrastruktur im Dorf ist Gemeindepräsident Markus Zeltner optimistisch, dass diese auch für knapp 1200 Einwohner ausreichen wird.

Luft nach oben besteht etwa bei den Schulen, wo derzeit drei Doppelklassen geführt werden. Auch die Grösse der Feuerwehr sollte ausreichen, um das erwartete Wachstum zu bewältigen. Wenn die neuen Mehrfamilienhäuser komplett ausgemietet seien, könne man mehr zur neuen Gesamtsituation sagen. «Dann werden wir bald einmal sehen, wie wir mit der neuen Situation zurechtkommen», so Zeltner.

Wohnraum für Jung und Alt

Weitere Grossprojekte stehen im Moment nicht zur Debatte, auch weil Grundstücke in dieser Grössenordnung derzeit nicht vorhanden sind. Für Einfamilienhäuser habe es aber weiterhin genügend Bauplätze. Die im Bau befindlichen Mehrfamilienhäuser sind nicht nur aus finanzieller Sicht eine Bereicherung für das Dorf, sondern auch gesellschaftlich von Bedeutung. «Es war uns schon lange ein Anliegen, Wohnraum für junge Leute zu schaffen, damit diese im Dorf bleiben können.» Auch die Einwohnergemeinde will in den kommenden Jahren neuen Wohnraum realisieren, und zwar für alle Generationen, sagt Zeltner mit Blick auf das Projekt «Linde», wo das künftige Dorfzentrum entstehen soll.

Bis anstelle des abbruchreifen ehemaligen Gasthofs, den die Gemeinde günstig erwerben könnte, das geplante Wohn- und Geschäftshaus steht, dürfte es noch eine Weile dauern. Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase. Es gelte, viele Faktoren zu berücksichtigen, die in das Projekt einfliessen und dieses damit direkt beeinflussten, berichtet der Gemeindepräsident.

Etwa die 2017 geplante Sanierung der Dorfstrasse, deren damit einhergehende Umgestaltung mit dem Kanton eingehend erörtert werde. Für die Gesamtplanung steht ein vom Souverän bewilligter Kredit von 90 000 Franken zur Verfügung. Primäres Ziel bleibe, das Areal rund um die «Linde» zu einem Ort der Begegnung zu machen, wo sich das Dorfleben abspiele.