Sie trägt am liebsten einen schwarzen, spitzen Hut auf ihren langen, dunkelgrünen Haaren und goldene Ohrringe gepaart mit grünen Absatzschuhen und schwarzen Leggins. Ihren fliegenden Besen hat sie stets mit dabei: Auf der Suche nach einer Freundin wagt sich die zeigefingergrosse Hauptfigur des in Mundart geschriebenen Kinderbuches «Lilou, di chli Häx» auf ein unbestimmtes Abenteuer durch den gefährlichen Wald.

Letzten Herbst veröffentlichte Dominique Weber, Mutter einer 4-jährigen Tochter, ihr allererstes Kinderbuch. Gemeinsam mit ihrer Mutter Caroline Weber und der Tochter erzählt die frischgebackene Autorin in ihrer Wohnung in Welschenrohr, woher die Idee dazu entstammt. Inspiration habe die 29-jährige gelernte Drogistin von der imaginären Freundin ihrer Tochter Zoe geschöpft: «Lilou ist eigentlich immer überall hin mitgekommen, hat mit uns gegessen und gespielt.»

Seit dem zweiten Lebensjahr von Zoe begleite die kleine Hexe sie. «Irgendwann kann sich Zoe vielleicht nicht mehr an Lilou erinnern. Und weil sie uns doch schon seit einiger Zeit begleitet, habe ich mir gedacht, dass es noch herzig wäre, wenn sie später noch über sie lesen könnte.»

Über Mut und Überwindung

Manche schreiben die ersten Worte ihrer Kinder auf, Dominique Weber veröffentlicht ein Buch. Das kurze Märchen sei die Vorgeschichte dazu, wie sich die zwei Freundinnen gefunden haben. «Lilou hatte zwar ein schönes Haus am Fluss, sie war aber alleine und wollte eine Freundin finden», erklärt die Autorin. Und so fasst die kleine Hexe all ihren Mut zusammen und beschliesst, sich in die weite Welt hinaus zu wagen. Auf ihrem Weg zu Zoe begegnet Lilou gutmütigen Helfern, wie einer weisen, alten Schildkröte, die ihr zu einem Zauberstab verhilft, aber auch böswilligen, hässlichen Kreaturen, wie einer Hexe, die sie einsperrt.

«Die Geschichte soll zeigen, dass man nicht sofort aufgeben soll. Lilou ist ja nur so gross wie ein Zeigefinger und hat daher manchmal das Gefühl, sie schafft etwas nicht. Sie gibt aber nicht auf und macht weiter, bis es ihr gelingt.» Auch Zoe helfe die kleine Freundin manchmal, Ängste zu überwinden. Aber ihre Unterstützung beschränke sich nicht nur darauf: «Wenn sie etwas nicht essen möchte, dann geben wir Lilou zuerst einen Bissen und dann ihr. Das funktioniert meistens», lächelt die Mutter der 4-Jährigen. Sie selber habe früher nie solche imaginären Freunde gehabt, «ich war sonst schon in einer Fantasiewelt», sagt sie.

Eigentlich nicht so ihr «Ding»

Viel mit Geschichten hatte die Autorin vor der Publikation von «Lilou, di chli Häx» allerdings nicht am Hut. «Lustigerweise ist Lesen und Schreiben überhaupt nicht meins, gar nicht. In der Schule habe ich höchstens zwei Bücher fertig gelesen», sagt Weber lachend. Wenn sie etwas Literarisches mitbekommen habe, dann sei das von ihrer Mutter gewesen: «Ich habe ihr sehr viele Geschichten erzählt, als sie noch ein Kind war. Sie hörte am liebsten Rösslein Hü, aber auch Räuber Hotzenplotz und alle weiteren bekannten Märchen und Geschichten», sagt Mutter Caroline Weber. Auch Zoe bekomme dieselben Geschichten zu hören, selbstverständlich vom Grosi. Ihre Lieblingsgeschichte sei Hänsel und Gretel.

Trotzdem, die 29-Jährige ist stolz auf ihr Buch: «Es fühlt sich speziell an, das Buch in der Hand halten und sagen zu können ‹Das habe ich gemacht!›.» Das Schreiben selber habe einen Abend gedauert: «Ich hatte die Idee, bin hingesessen und habe es einfach geschrieben.»

Bis zur Veröffentlichung aber brauchte es weitere zwei Jahre und moralische Unterstützung der Eltern und Grosseltern. «Ich wollte die Geschichte eigentlich gar nicht veröffentlichen.» Doch die Eltern motivierten sie zu diesem Schritt. Nachdem ihr Grossvater die Seiten für die Geschichte illustriert hatte, kam das Buch in die Welschenrohrer Druckerei und wurde bis heute bereits rund 200 Mal an Freunde, Bekannte, Turnvereine und weitere Bewohner Welschenrohrs verkauft.

Positive Resonanz

Das Buch scheint in der Region grosses Interesse zu wecken: Die Autorin wurde bereits zu einigen Lesungen eingeladen, beispielsweise an die Gewerbeausstellung in Laupersdorf oder in der Bibliothek in Balsthal. Vorlesen, das macht aber meistens Mutter Caroline. «Solange ich nicht vorlesen muss, geniesse ich die Lesungen sehr. Vor allem macht es Freude, zu sehen, wie gespannt die Kinder zuhören.» Auch ein Märchenkonzert in Laupersdorf sei geplant und das Heimatmuseum Worben habe bereits Interesse gezeigt.

«Ich war früher doch eher der Typ, der schnell mal gesagt hat ‹Das kann ich nicht.› Man kann es ja eben vielleicht doch.» Die Mutter ergänzt: Es hat sie darin bestätigt, etwas zu wagen, durchzuziehen und nicht gleich das Handtuch zu schmeissen.»

«Lilou, di chli Häx» ist für die Familie Weber also etwas mehr als nur ein Kinderbuch: «Es ist gemalt von Opa, korrigiert von Mami, geschrieben für die Tochter» und vereint somit vier Generationen. «Es ist schön, dass es ein Generationenwerk geworden ist», sagt Mutter Caroline. Und auch die kleine Zoe scheint glücklich über das Buch, das die Geschichte ihrer Freundin Lilou erzählt.